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Helmut Henkensiefken
Kastner gehört in Frankreich seit den letzten Jahren zu den gefragtesten deutschen Autoren – jedoch ohne irgendwelchen öffentlichen Rummel um sich zu verbreiten. Seine phantasievollen, mit überraschenden Wendungen gespickten Geschichten haben ihre Leserschaft durch Mundpropaganda gefunden. Der 1962 geborene Schriftsteller trat nach seinem Jurastudium schon ab 1988 an die Öffentlichkeit. In Deutschland hat ihn seine Vatikantrilogie bekannt gemacht: die
Engelstrilogie spielt sich im Milieu der Schweizer Garde ab. In Frankreich jedoch begründete der historisch-fantastische Thriller Die
Farbe Blau seinen Ruf. Dieser beschreibt eine unglaubliche, atemberaubende Verfolgungsjagd im Amsterdam des 17. Jahrhunderts, wo ein junger, kampfsporterprobter Gefängniswärter und ein waghalsiger Polizist den Entführern Rembrandts auf den Fersen sind. Die Bürger von Amsterdam bringen ihre Frauen und Kinder um, die Häuser der bekanntesten unter ihnen brennen wie Zunder, in Aquarien voller Formol schwimmen Leichen... In diesem Roman wie in
Die Tulpe des Bösen, wo wir Inspektor Katoen im Kampf mit einer Ganovenbande wiederbegegnen, knüpft Kastner an den französischen Kriminalroman an: Eugène Sue, Gaston Leroux,
Rocambole von Ponson du Terrails. Ironischer Humor färbt seinen brillanten Stil. Im Übrigen verfügt Kastner über ein außergewöhnliches Talent, tiefgreifende Warmherzigkeit in seine schauerlichen Geschichten einzuflechten. So etwa, wenn Inspektor Katoen, selbst ein Waise, in
Die Tulpe des Bösen einen Straßenjungen in seine Obhut nimmt.
Kastner bringt auch Esoterik ins Spiel, wenn er uns in
Das wahre Kreuz im Gefolge Napoleons nach Ägypten mitnimmt, wo sich zwei geheimnisvolle mittelalterliche Sekten im Zeitalter der Französischen Revolution einander befehden. Auch hier jagen sich Kämpfe, Verfolgungen und mysteriöse Geschehnisse und verleihen einer faszinierenden, magischen und spannenden Erzählung das Markenzeichen Jörg Kastners, eines noch jungen (er ist 1962 geboren), vielversprechenden Autors.