Klein, Georg

"Ich = Spaik". Georg Klein ist selbst im Krimimilieu nicht der einzige Autor, der lange nach einer Möglichkeit gesucht hat, Erzähler und Hauptperson miteinander zu identifizieren, ohne dabei den nötigen Abstand zum fiktiven Inhalt als solchen zu verlieren. Dieser kleine Trick, "Ich = Spaik", zwei durch ein mathematisches Zeichen verbundene Wörter, die in sehr regelmäßigen Abständen innerhalb des Buchs wiederkehren, ist nicht die einzige Absonderlichkeit von Libidissi, dem Roman, der Georg Klein (1953 in Augsburg geboren und heute in Berlin lebend) 1998 seinen Durchbruch in Deutschland verschafft und ihn zwei Jahre später bis nach Frankreich gebracht hat. Eine bedrückende Atmosphäre, aus übel frequentierten Harems aufsteigende Dämpfe, in denen die "boys" des Besitzers wie Vieh durchnummeriert sind, Figuren mit verkrümmten Füßen, makabre Szenen, in denen die Leichname kollektiver Selbstmörder in der Sonne verwesen, kaum angedeutete Szenen homosexueller Erotik: all diese Elemente - schwarzer Roman im Reinzustand - schaffen eine bedrückende, schmuddelige Atmosphäre um die eigentliche Erzählung herum: die Jagd auf einen jungen Geheimagenten durch den Mann, der ihn ersetzen und beseitigen soll.

In seinem Roman Barbar Rosa wird Georg Klein rückfällig: eine weitere Agentengeschichte, dieselben makabren Gestalten, in der Nekrophilie und andere entzückende Perversionen die Stimmung eines schwindelerregenden Romans schaffen, der sich "in den Tiefen des Unbekannten" bewegt, wie es Michael Braun in der Frankfurter Rundschau auf den Punkt bringt. Er sieht in den "morbiden Landschaften", in denen sich die Figuren Georg Kleins bewegen, "das Arsenal der schwarzen Romantik und der Dekadenzliteratur". Zwischen Nietzsche und Chandler, faszinierend oder abstoßend, ist Klein, soviel ist gewiss, einer der originellsten Krimiautoren zu Beginn dieses Jahrhunderts.

Olivier Mannoni