Bibliotheken und Schulen: Wächst jetzt zusammen, was zusammengehört?

Bereits ab Mitte der 1970er-Jahre standen die Bemühungen um eine engere Partnerschaft zwischen Schulen und Bibliotheken ganz oben auf der Agenda, wurden aber von Sparmaßnahmen immer wieder zurückgeworfen. In den letzten zwei Jahren ist – im Rahmen der allgemeinen Bildungsdiskussion – erneut Schwung in diesen Prozess gekommen.
Dass Bibliotheken und Schulen in der Medien- und Informationsgesellschaft an einem Strang ziehen sollten, liegt auf der Hand. Und auch, dass mit einer engen Kooperation die Lese- und Medienkompetenz junger Menschen effektiver gefördert werden könnte. „Doch ist“, so Goethe in seiner Italienischen Reise, „oft nichts natürlicher, als dass man nicht zusammenkommt, wenn man so nahe beisammen ist“.
Im föderalistischen Deutschland stoßen Bemühungen um Kooperationen zwischen Bibliotheken und Schulen immer wieder allein aus bürokratischen Gründen auf eine Reihe von Widerständen. Das liegt vor allem daran, dass für die Bereiche Schule (Bildung) und Bibliothek (Kultur) unterschiedliche Stellen in den Ländern und Städten zuständig sind.
Kooperation als zentrales Interesse – Aktivitäten des Deutschen Bibliotheksverbands (DBV)
Trotz aller Schwierigkeiten hat sich in den letzten Jahren auf diesem Gebiet viel getan. Einen Meilenstein stellt das von der DBV-Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ erarbeitete Informationsportal Schulmediothek.de dar. Seit 2004 steht mit diesem Angebot auf den Internetseiten des Deutschen Bildungsservers alles Wissenswerte über Schulbibliotheken gebündelt zur Verfügung – von der Ausstattung der Bibliotheken über technische Fragen bis hin zu konkreten Projektvorschlägen.Auch der DBV-Wettbewerb „Bibliothek des Jahres“ maß im Jahr 2004 der Zusammenarbeit von Schulen und Bibliotheken besondere Bedeutung bei. Doch nicht nur der diesjährige Sieger des Wettbewerbs, die Städtischen Bibliotheken Dresden mit ihrer Jugendbibliothek medien@age, haben Vorbildliches in diesem Bereich geleistet. Auch in anderen Städten Deutschlands arbeiten Bibliotheken und Schulen inzwischen erfolgreich zusammen, um die Freude am Lesen zu wecken und die Lese- und Informationskompetenz bei Kindern und Jugendlichen zu fördern.
Der steile Weg zu mehr Kompetenz – Spiralcurriculum
Wichtig für eine Erfolg versprechende Kooperation zwischen Bibliotheken und Schulen ist die Nachhaltigkeit. Dafür reicht es nicht aus, dass Klassen pro Schuljahr einmal in die Bibliothek gehen. Die Arbeit in und mit den Bibliotheken muss systematisch in den Schulalltag integriert werden. Wie das gehen kann, zeigen etwa die so genannten Spiralcurricula.Ein Beispiel dafür findet sich auf den Internetseiten der Stadtbibliothek Brilon. Das Konzept dazu wurde im Rahmen des Projekts „Medienpartner Bibliothek und Schule NRW“ (Bertelsmann-Stiftung) entwickelt. Es lässt sich verstehen als ein stufenweise aufgebautes Informationskompetenztraining, bei dem die Schülerinnen und Schüler schon ab den ersten Klassen konsequent an die Bibliothek herangeführt werden. Sie lernen bereits in der Grundschule (etwa mit der „Piraten-Entdeckungsreise“), sich in Bibliotheken zu orientieren. Ab Klasse 5 werden dann in Angeboten wie „Entdecke die Bibliothek als Ort des Wissens“ oder „Rechercheprofi“ Techniken für die Beschaffung von Informationen vermittelt. Die Schüler lernen die Bedeutung von Schlüsselwörtern und Datenbanken kennen und erfahren ab Klasse 10, wie sie diese Techniken zum Beispiel für das Erstellen der Facharbeit nutzen können.
Die Etablierung eines außerschulischen Lernorts – Unterricht in der Bibliothek
Ein wichtiger Baustein für die Integration der Bibliotheken in die schulische Bildung ist das Konzept „Unterricht in der Bibliothek“. Auch hier steht die Vermittlung von Kompetenzen in der Informationsrecherche und Texterfassung im Vordergrund. Zahlreiche öffentliche Bibliotheken bieten Aktivitäten in diesem Bereich an, um das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass die Bibliothek ein Ort des lebenslangen, selbstständigen Lernens ist. Dabei beschränkt sich das Angebot keineswegs auf das Fach Deutsch, auch für Erdkunde und Geschichte sind zahlreiche Themenvorschläge ausgearbeitet. Die thematischen Medienboxen, die Bibliotheken den Schulen zur Verfügung stellen, ergänzen dieses Angebot.Damit die zahlreichen Angebote zur Zusammenarbeit auch wirklich eingesetzt werden, fordert der Bibliotheksverband seit langem, dass die Nutzung von Bibliotheken in den Rahmenlehrplänen verankert wird. Ein Schritt in diese Richtung sind die Kooperationsvereinbarungen, die eine Reihe von DBV-Landesverbänden mit den Bildungsministerien über die Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken und Schulen abgeschlossen haben.
Verantwortung übernehmen – Partner in Schule und Bibliothek
Oft gestaltet sich die Zusammenarbeit von Bibliotheken und Schulen auch deshalb schwierig, weil in den Schulen niemand langfristig und klassenübergreifend für die Kooperation verantwortlich ist. Die Stadtbibliothek Nürnberg hat es in der direkten Zusammenarbeit mit dem Schulamt erreicht, dass sich in jeder Schule eine Lehrerin oder ein Lehrer dieser Aufgabe annimmt. Damit ist hier eine wichtige Voraussetzung für eine intensive und systematische Zusammenarbeit gewährleistet.Doch lassen sich die Gräben zwischen den einzelnen Ressorts auch auf ganz simple Weise überwinden, wie das Schulportal der Öffentlichen Büchereien Warendorf zeigt. Dieses Portal, das vielfältige Beispiele enthält, wie Bibliotheken in den Schulunterricht integriert werden können, entstand durch die gemeinsame Initiative von Schülern, Lehrern, Eltern und Bibliothekaren. Hier haben sich die betroffenen Interessengruppen selbst vernetzt. Und sie kamen – Goethes Skepsis zum Trotz – zusammen, weil sie so nahe beisammen sind.
Redakteurin und Publizistin in Bonn
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Februar 2005










