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Bautzen sagt: Herzlich Willkommen! Witajce k nam!

Copyright: André Wucht/Stadtverwaltung BautzenMit dem Namen der ehemaligen Gefängnisstadt Bautzen verband man lange Zeit Unrecht und politische Verfolgung. Dabei geriet nicht nur die wechselvolle 1000-jährige Geschichte der Stadt in Vergessenheit, sondern auch, dass Bautzen als kulturelles Zentrum der Sorben in der Oberlausitz eine ganz andere große Rolle spielt.

Eine Stadt und ihr Ruf

Bautzen – zu DDR-Zeiten stand dieser Name für das berüchtigte Stasi-Gefängnis, in dem zwischen 1956 und 1989 vorwiegend politische Häftlinge gefangen gehalten wurden. Hier, in Bautzen II, das inoffiziell dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt war, saßen vor allem Regimegegner wie etwa Erich Loest, Walter Janka und Rudolf Bahro.

Heute ist im ehemaligen "Stasi-Knast" eine Gedenkstätte für die Opfer politischer Gewaltherrschaft untergebracht. Dort dokumentiert eine Ausstellung das Leid der Opfer in den beiden Bautzener Gefängnissen.

Denn auch Bautzen I, das Gefängnis am nördlichen Rand der Stadt, das wegen seiner gelben Klinker "Gelbes Elend" genannt wird, steht für politische Verfolgung. Zunächst hielten die Nationalsozialisten hier von 1933 bis 1945 politische Gegner wie den Führer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Ernst Thälmann, gefangen. Nach 1945 nutzen die sowjetischen Besatzer den Bau fünf Jahre lang als Speziallager für ehemalige Nazis, aber auch für Gegner des stalinistischen Systems. Zahlreiche willkürlich Festgenommene waren hier unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert; mindestens 2.700 Häftlinge starben und wurden am "Karnickelberg" verscharrt. Dort steht heute eine Gedenkkappelle für die Opfer.

Eine Stadt und ihr Wahrzeichen

Bautzen wird wohl noch eine Zeitlang brauchen, um sich vom negativen Ruf dieses Erbes zu lösen. Mit den Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen haben die 42.600 Einwohner 2002 auf die Attraktionen ihrer Stadt aufmerksam gemacht.

Der aufwändig sanierte historische Kern der "civitas Budusin" liegt auf einem Granitplateau oberhalb der Spree. Zwar bot diese Lage im Mittelalter gute Verteidigungsmöglichkeiten gegen Angriffe von außen, brachte aber ein gravierendes Problem mit sich, denn auch im Falle einer feindlichen Belagerung musste das Wasser aus der Spree in die Stadt hinauf gelangen können. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurde daher ein hölzerner Turm mit Pumpstationen errichtet, den Wenzel Röhrscheidt rund 60 Jahre später durch einen in die Befestigungsanlagen integrierten Bau aus Stein ersetzte. Heute ist die "Alte Wasserkunst" das Wahrzeichen der Stadt.

Eine Stadt und ihre zwei Sprachen

Neben Cottbus ist Bautzen das kulturelle und politische Zentrum der etwa 60.000 Sorben in der Lausitz, eines westslawischen Volkstamms, der seit dem 6. Jahrhundert in der Region angesiedelt ist. In Budyšin, so heißt Bautzen auf Sorbisch, legen nicht nur die zweisprachigen Verkehrsschilder Zeugnis ab vom Weiterleben der Kultur des kleinsten slawischen Volkstammes.

In drei Bautzener Schulen wird auf Sorbisch unterrichtet und zahlreiche sorbische Einrichtungen haben hier ihren Sitz. Neben dem Sorbischen Institut und dem Sorbischen Museum bewahren die professionellen Darbietungen des Sorbischen National-Ensembles die traditionsreiche Kultur – die Volkstänze und Lieder, die Trachtenkunst und anderes Brauchtum – davor, in Vergessenheit zu geraten. Mit dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater hat Bautzen zudem das einzige zweisprachige Theater Deutschlands zu bieten.

Jahr für Jahr locken die vielfältigen österlichen Bräuche der Sorben Tausende Besucher an. Besonders beliebt sind die reich verzierten Ostereier, die auf eigenen Märkten angeboten werden, und das traditionelle Osterreiten – eine Prozession zu Pferde, bei der Lieder über die Auferstehung Christi gesungen werden.

Bautzen setzt gegen die alten Etiketten Unrecht und politische Verfolgung auf Offenheit und Toleranz – Werte, die hier eine lange Tradition haben: Der St.-Petri-Dom am Fleischmarkt wird seit 1524 von katholischen und evangelisch-lutherischen Christen gemeinsam genutzt.

Dagmar Giersberg, Cleeves Communication UnitZwei.
Dagmar Giersberg arbeitet als Redakteurin und Publizistin in Bonn
online-redaktion@goethe.de
Oktober 2005
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