Antje Peters und Annegien van Doorn in Rotterdam

„Typisch Niederländisch“ / „Typisch Deutsch“

Typisch Niederländisch © Antje PetersIm Rahmen des Fotoprojekts der Webseite Meet the Germans beauftragte das Goethe-Institut in Rotterdam die deutsche Fotografin Antje Peters, durch Fotografien zu zeigen, was für sie „typisch niederländisch“ ist. Im Gegenzug präsentiert die niederländische Fotografin Annegien van Doorn ihre Sichtweise auf Dinge, die sie als „typisch deutsch“ empfindet.

„Typisch Niederländisch“, Antje Peters

In den gezeigten Stillleben schaut der Betrachter auf einen reich gedeckten Tisch auf dem Objekte und Produkte durcheinander geraten und ineinander überlaufen. Peters Inspiration war das Wort „gezellig“, das, im Gegensatz zum deutschen Pendant „gesellig“, im niederländischen Sprachgebrauch sehr oft vorkommt und für Peters die Feierlaune des Niederländers ausdrückt.

Tulpen, Käse und Holzschuhe sind für Peters Souvenirs für Touristen, als „typisch niederländisch“ betrachtet sie eher die Vermischung von verschiedenen Menschen, Kulturen und Religionen auf engstem Raum. Das Land ist klein, der Raum begrenzt. Man muss miteinander auskommen und kommt es auch. Die Vernetzung der Kulturen stellt Peters anhand der Lebensmittel und Objekte auf dem Tisch dar: Mayonnaise läuft über Tomaten, Van Gogh’s Sonnenblumenblätter und Tulpenzwiebeln mischen sich mit „Hagelslag“ (Schoko-Streusel) und „Dubbel-Vla“ (Schoko-Vanille Pudding, natürlich aus der Literpackung), runder Zwieback und „Muisjes (kleine Anis Kugeln in den Farben weiß, rosa oder hellblau) erzählen von der Geburt eines Kindes, Obst aus der ehemaligen niederländischen Kolonie Surinam verträgt sich harmonisch mit den urholländischen Kartoffeln, Fahrradlampen leuchten aus voller Kraft neben dem „Kaasschaaf“, dem typisch niederländischen Käsemesser.

 

„Typisch Deutsch“, Annegien van Doorn

Van Doorn setzt sich in ihrer Foto-Serie mit Objekten und Lebensmitteln auseinander, die für sie „typisch deutsch“ sind. Manchmal wird sie sogar selbst Teil Ihrer Inszenierung. Dies passiert auf eine bizarre und äußerst humorvolle Art und Weise: Der Betrachter sieht mehrere zum Teil gefüllte Biergläser, die an eine Reihe goldener Pokale erinnern. Selbstbewusst wie ein Siegerteam stehen die Gläser aufgereiht nebeneinander. Man sieht das Bild einer Frau, in deren weit aufgerissenen Mund ein Locher steckt. Dieser Locher symbolisiert den typisch deutschen Hang zur Ordnungsliebe und diese wiederum wird zum Instrument, das einem quasi die Sprache verschlägt.  Als bleibende Erinnerung an den Deutschlandurlaub während ihrer Kinderzeit setzt sie den „Mettigel“ in Szene, der auf ihrer Schulter zum zahmen Haustier wird. Haselnussschnitten werden aufgestapelt bis sie an einen alt-sozialistischen Wohnkomplex erinnern – ein Verweis auf die Fotografien von Andreas Gursky, einem der weltweit wichtigsten zeitgenössischen Fotografen. Kurzum: Van Doorn versucht, den Objekten eine neue Bedeutung zuzuweisen und ermutigt gleichzeitig den Betrachter, die Welt neu zu interpretieren.


Antje Peters (Berlin, 1979)

Antje Peters lebt schon seit über 10 Jahren in den Niederlanden. Seit ihrem Fotografie-Studium an der Kunstakademie in Utrecht arbeitet sie als selbständige Fotografin und Künstlerin. Neben der Veröffentlichung ihrer Arbeiten in verschiedenen Büchern (The Book of Paper, Post Editions) und Zeitschriften (BLEND Magazine, FW Magazine) waren diese bisher u.a. auch bei Ausstellungen von Mkgalerie (Berlin), TENT (Rotterdam), SecondROOM (Brüssel) und Amsterdams Centrum für Fotografie zu sehen. 


Annegien van Doorn (Vlissingen, 1982)

Annegien Van Doorn studierte Fotografie an der St. Joost Akademie in Breda und absolvierte im Anschluss ihr Masterstudium Arte y Contextos Intermedia in Barcelona. Im Jahr 2009 nahm sie zusammen mit der Künstlerin Luyo Torres an einem Artist-in-Residence Programm des Youkobo Art Space (Tokyo) teil. Van Doorns Arbeiten waren u.a. bei verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen von Espacio Menosuno (Madrid), Ca L’Arenas Centre d’Art (Mataró), DeFKa (Assen), Sala d’Arte Jove (Barcelona), Duende (Rotterdam) und Breda Fotofestival (Breda) zu sehen.

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