Clemens Weisshaar

Individuell und exklusiv – die Arbeiten des Designers Clemens Weisshaar

Clemens Weisshaar & Reed Kram, MY PRIVATE SKY, 2007, Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Foto: Frank Stolle, © Kram/Weisshar

Clemens Weisshaar & Reed Kram, MY PRIVATE SKY, 2007, Porzellan Manufaktur Nymphenburg, Foto: Frank Stolle, © Kram/Weisshar

TABLE Nr. 68 from the 3rd Series,  2006, Laser cut, CNC bent and powder coated mild steel, Foto: Florian Böhm, ©  KRAM/WEISSHAAR AB

BREEDING TABLES PROCESS DIAGRAM, 2005, Key diagram explaining the process behind the Breeding Tables Software, © KRAM/WEISSHAAR AB

TRITON Bar Stool, Design 2001 Production 2007, for CLASSICON Structure CNC bent steel Seat shell polyurethane, © KRAM/WEISSHAAR AB

TRITON Bar Stool, Design 2001, Production 2007, for CLASSICON TRITON leather seat chrome plated frame in a private house, Foto: Florian Holzherr, © KRAM/WEISSHAAR AB

Clemens Weisshaar (li) und Reed Kram, Foto: Matthias Ziegler

Bei der jüngeren Generation von Designerinnen und Designer hat man den Eindruck, dass sie den Produkten im Zeitalter der immer einfacher werdenden Serien-Produzierbarkeit gern eine persönliche Note mit auf den Weg geben.
Neue Einzigartigkeit
Mit der Verwendung neuer Materialien respektive Materialkombinationen, der Zuhilfenahme komplexer 3D-Software und der Auflage von Kleinstserien soll den Produkten eine neue Einzigartigkeit verliehen werden. Der Erfolg von Messen und Auktionen, die Design-Einzigartigkeiten feilbieten, sind hier nur als Spitze eines boomenden Marktes zu sehen.
Nun ist das Interessante an dieser Tendenz zur Einzigartigkeit, dass sie zwei völlig verschiedene Zielgruppen zu bedienen in der Lage ist. Zum einen den überschaubaren Luxus-Markt, bei dem für Einzelstücke und limitierte Auflagen bis zu sechs oder siebenstellige Beträge aufgerufen und auch bezahlt werden. Zum anderen kommen durch neue, bezahlbare Herstellungsverfahren, etwa dem "Rapid Prototyping" und anderen computergenerierten Techniken, auch Normalverdiener in den Genuss individualisierter Kleinserienprodukte.
Zwischen beiden Welten

Der 1977 in München geborene Clemens Weisshaar, der mit seinem Partner Reed Kram Büros in München und Stockholm betreibt, bewegt sich gekonnt zwischen beiden Welten. Bei den breeding tables (gezüchtete Tische) aus dem Jahr 2002 nehmen die gezackten Stahlbeine dank neuer Computertechnik bei jedem Tisch eine einzigartige Form an. Jedes Stück ist ein Unikat, hergestellt von KRAM/WEISSHAAR, zwei standardisierte Versionen sind unter dem Namen "Countach" bei Moroso unter Lizenz in Produktion

Das andere Extrem stellt die limitierte Teller-Edition My Private Sky für das Porzellan-Unternehmen Nymphenburg dar. Hierbei werden Computertechnologie und traditionelles Handwerk miteinander kombiniert. Kunden werden nach ihrem genauen Geburtsdatum und -ort gefragt. Daraufhin wird die exakte Sternenkonstellation dieses Datums errechnet und dann mit traditioneller Maltechnik per Hand auf die Teller übertragen. Die Gesamtauflage ist auf 100 plus 10 Exemplare begrenzt, noch mehr "Mass Customization" geht kaum. Vorgestellt wurde die Kollektion übrigens im September 2007 durchaus folgerichtig und stilgerecht bei der exklusiven Monaco Yacht Show.

Nach einer Ausbildung als Metallarbeiter studierte Weisshaar am Londoner Central Saint Martins College of Art and Design und dem Royal College of Art. Nach drei Jahren als Assistent von Konstantin Grcic gründete er 2000 sein eigenes Büro, bevor er sich 2002 mit Reed Kram zum Büro KRAM/WEISSHAAR zusammenschloss.


Multidisziplinarität spielt eine große Rolle

Neben dem Entwurf von Produkten - Kunden sind, außer den bereits erwähnten Moroso und Nymphenburg, Classicon (Barhocker "Triton", 2007), Merten (Beitrag für die Ausstellungsreihe "Switch", 2006) u.a. - beschäftigt sich Weisshaar intensiv mit der Gestaltung von Räumen.

Für die Ausstattung der Prada Flagshipstores etwa entwarf Clemens Weisshaar, auch hier zusammen mit seinem Partner Reed Kram, Interfaces, LCD-Displays, interaktive Umziehkabinen und einen interaktiven Atlas, auf dem die Besucher alle Stores miteinander verbunden sehen und Informationen abrufen können. Hier wie bei der Installation "30-Year Anniversary Show of the Permanent Collection" für das Centre Georges Pompidou in Paris (2007), der Software zur Visualisierung komplexer Datenstrukturen für die BMW Group oder dem Masterplan und der Ausstellungsarchitektur für "The Design Annual" in Frankfurt am Main (2006) spielt Multidisziplinarität eine prominente Rolle - Architektur und Informationstechnologien verschmelzen zu einer Einheit.

Auf die Frage, was ihn inspiriere, antwortete Clemens Weisshaar im Münchner Stadtmagazin Go einmal: "Am wenigsten inspiriert mich Design an sich. Sondern alles andere ..." Das ist seinen Produkten und Installationen jederzeit anzusehen.

 


Andrej Kupetz
ist Geschäftsführer und fachlicher Leiter des Rats für Formgebung/German Design Council und schreibt für Designmagazine wie design report, form u.a.

Stephan Ott
arbeitet als freier Autor, Journalist und Dozent. Seit Anfang 1999 ist er für die Kommunikation des Rat für Formgebung/German Design Council verantwortlich.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
April 2008
Links zum Thema

Dossier: Medienkunst in Deutschland

Geschichte, Strömungen, Namen und Institutionen
Link-Tipps