Axel Monath

Axel Monath im Interview mit Rory MacLean

Axel Monath
Axel Monath
An welchem Punkt wird Handwerk zu Kunst und inspirieren Techniken zu Kreativität? Diese Frage beschäftigte mich, als ich Axel Monaths elegante Architekturmodelle bestaunte: seine Version von Daniel Libeskinds Jüdischem Museum aus mattiertem Nickel und des Warschauer Hochhauses Złota 44 aus gefrästem Kunststoff, ein kupferverkleideter Prototyp des Bauprojekts Leipziger Platz 12 in Berlin, ein Gipsabdruck des Bauhaus-Archivs, eine Rekonstruktion des großen Kaufhauses Karstadt am Hermannplatz.

„Für mich liegt die größte Spannung und Herausforderung darin, ein Gebäudekonzept zu verstehen“, erzählt er mir bei unserem Treffen in seinem Kreuzberger Büro. „Man studiert natürlich die Pläne, aber letztendlich muss man die Architektur erspüren. Dieser Vorgang macht mir Freude“.

Axel Monath gilt als der beste Architekturmodellbauer Berlins. Im Alter von acht Jahren half er seinen Eltern beim Bau ihres neuen Hauses in Hermsdorf, schnitt Sockelleisten zu, baute elektrische Schalter ein und entwickelte ein Gefühl für seine Hände wie auch seine Werkzeuge. Sein Großvater Friedrich Wendland, Bildhauer und selbst ehemaliger Architekturmodellbauer, richtete im Keller eine Werkstatt ein. Dort sah Monath ihm beim Formen, Meißeln und Schnitzen von Holzmodellen zu.

„Aber eigentlich kam ich durch einen Freund an die Architektur“, meint er in Erinnerung an sein Studium an der Technischen Universität Berlin. „Ich war Tutor am Studiengang Industriedesign und half Studenten bei der Bedienung der thermoplastischen Formpresse“.

Zusammen mit seinem Bruder Gert Monath und seinem Kommilitonen Klaus Menzel konstruierte er ein Modell im Maßstab 1:18 der berühmten Hufeisensiedlung des Bauhausarchitekten Bruno Taut und dann ein Modell im Maßstab 1:50 einer Ikone, des Kaufhauses Karstadt am Hermannplatz, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

„Wir brauchten beinahe ein Jahr, um das Karstadt-Modell zu bauen“, erinnert sich Monath kopfschüttelnd. „Wir arbeiteten nach den Originalplänen, fertigten über 22.000 Gipsplatten an und befestigten sie am Messinggerüst. Es war wirklich mit Liebe gemacht. Leider sah mein Großvater es nicht mehr und auch keines meiner anderen Modelle. Er starb in dem Jahr, als ich mein Studium abschloss“.

Karstadt model © Axel MonathDas drei Meter lange Karstadt-Modell, das bei einer Ausstellung zur 750-Jahr-Feier von Berlin im Martin-Gropius-Bau im Mittelpunkt stand, sicherte seinen Ruf und führte zur Gründung von Monath + Menzel. In den nächsten 25 Jahren produzierten die Partner Modelle von Dutzenden neuer oder historischer Gebäude im neu erwachten Berlin und in aller Welt. Neben dem Jüdischen Museum und dem Entwurf von JSK/gmp für den Flughafen Berlin-Brandenburg bauten Monath + Menzel Modelle des Moskauer Hotels Rossiya für Foster and Partners, einen Prototyp des neuen Fußballstadions von Real Madrid sowie die Entwürfe sechs verschiedener Architekten im Wettbewerb für das Humboldtforum am Berliner Schloss.

„Mir gefällt es, verschiedene Modelle für einen einzigen Wettbewerb zu bauen. Wenn man an nur einem Modell arbeitet, denkt man irgendwann, dass dies die einzige Lösung für ein architektonisches Problem ist. Aber bei konkurrierenden Beiträgen wird einem rasch klar, dass es bei jedem Projekt viele Sichtweisen gibt“.

Hinter den digitalen CNC-Fräsmaschinen in seiner hellen, offenen Werkstatt bringen Handwerker und Handwerkerinnen – Zimmerleute, Schreiner, Gipsspezialisten – die Pläne von Architekten ins Dreidimensionale und erwecken sie zum Leben. „Erst nach langer Erfahrung kann man lernen, eine Gipsfläche zu glätten oder einen sauberen Schnitt mit der Kreissäge zu hören“. Für Monath sind Kenntnisse traditioneller Fertigkeiten ebenso unverzichtbar wie eine feinfühlige menschliche Hand. „Kein Modell verlässt die Werkstatt, wenn es nicht von Hand bearbeitet wurde“, fügt er an. In einem Lagerraum neben dem betriebsamen Atelier bewahrt er die alten Werkzeuge seines Großvaters auf.

Humbold's Old Anatomical Theatre © Axel MonathVor kurzem war Monath an der Restaurierung des Alten Anatomischen Theaters der Humboldt-Universität beteiligt, gebaut von Carl Gotthard Langhans, der auch das Brandenburger Tor entwarf. Nach den Originalplänen des 19. Jahrhunderts rekonstruierte Monath in Eiche und Stahl (der durch eine Behandlung wie Gusseisen wirkt) den mechanischen Hubtisch, mit dem früher Tierkadaver zum Sezieren vom Keller ins Theater hochgeholt wurden. „Mit ihrer Vorliebe für Wortspiele nannten die Berliner den mechanischen Hubtisch Tischlein deck dich nach dem Märchen der Brüder Grimm“, lacht er. „Die Rekonstruktion des Tisches und seines Mechanismus, mit Ketten und Gegengewichten, war eine einmalige Gelegenheit“.

‘Wissen Sie, ich vermisse die Arbeit als Architekt nicht“, meint Monath. „Ich glaube vielmehr, dass ich als Modellbauer wesentlich mehr mit hochklassiger Architektur zu tun habe. Ich habe die Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit vielen der größten Architekten der Welt. Ich lerne von ihnen und sehe ihre Vorstellungsweise. Manchmal beschäftige ich mich so intensiv mit der Realisierung ihrer Entwürfe, dass es mir so vorkommt, als sei ich Teil des kreativen Prozesses“. Er fährt fort: „Beim Modellbau geht es nicht einfach um die Konstruktion einer Miniaturversion von einem Gebäude, sondern um die Umsetzung einer Idee in kleinerem Maßstab“.

Rory MacLean
Januar 2013

Übersetzt von Susanne Mattern

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