Andrea Hartwig

Kommunizierende Kleider – Talkingmeanstrouble

SPRINGSUMMER 07 'DAWN'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
AUTUMNWINTER 0708 'BLACK RUBY'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
AUTUMNWINTER 0708 'BLACK RUBY'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
AUTUMNWINTER 0708 'BLACK RUBY'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
SPRINGSUMMER 08'WILD SIDE'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
SPRINGSUMMER 08'WILD SIDE'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben
 
Andrea Hartwig ist eine der profiliertesten jungen Modedesignerinnen Deutschlands. Gemeinsam mit ihrer Schwester Bianca hat sie bereits ihr zweites Label gegründet. Es heißt Talkingmeanstrouble - und alle reden darüber, weil die Kollektionen raffiniert und rätselhaft, aber trotzdem sehr tragbar sind.

"Der so genannte "Schwarze Rubin" der Britischen Kronjuwelen ist in Wahrheit gar kein Rubin". Mit diesen geheimnisvollen Worten stellt Talkingmeanstrouble die Herbst- und Winterkollektion 07/08 Black Ruby vor. "Der schwarze Rubin ist ein falscher, ein Spinell, und nicht so wertvoll, wie viele geglaubt haben", erklärt Andrea Hartwig. Das hat sie derart fasziniert, dass der Satz zum Ausgangspunkt einer ganzen Kollektion wurde. Die Farbe dunkelrot ist darin ein wichtiges Element. "Dann habe ich über die Details nachgedacht und bin auf Pailletten gekommen. Sie glitzern, sind aber nicht echt", sagt die Designerin. Und diese Pailletten hat sie nicht etwa aufgestickt, das wäre ihr wohl zu nahe liegend gewesen, sondern als Print, als falsche Pailletten, auf Hosen, Schals und Tops drucken lassen.
Bilder und Gefühle
An Black Ruby lässt sich gut ablesen, wie durchdacht und gleichzeitig offen für Interpretationen Andrea Hartwigs Arbeitsweise ist. Es geht ihr nicht darum, mit einer Kollektion eine fertige Story zu liefern. "Jeder kann sich selber eine Geschichte dazu ausdenken. Das ist wie ein kleines Rätsel. Aber es gibt keine Auflösung." Sie kreiert Bilder und Gefühle, sagt sie. Welche Geschichten die Kleider erzählen, das liegt dann in der Imagination der Trägerin. Darum heißt das Label auch Talkingmeanstrouble. Andrea Hartwig übersetzt das mit "Sprache ohne Worte" und erklärt: "Es geht darum, die Kollektionen für sich sprechen zu lassen." Das Label-Logo ist eine schwarze Sprechblase - ohne Schrift.

Andrea Hartwig ist gerade mal 28 Jahre alt und Talkingmeanstrouble - man könne auch TMT sagen, sagt sie - bereits ihr zweites Label. Im Januar 2005 hat sie es mit ihrer Schwester gegründet, Bianca Hartwig war damals gerade mit ihrem Studium der Betriebswirtschaft fertig geworden. "Es passte von unseren Vorstellungen her alles gut zusammen. Dann war klar, dass wir das gemeinsam machen wollten", sagt die 30-Jährige. Sie ist für den kaufmännischen Bereich zuständig, Andrea für den kreativen. Eine klare Aufgabenteilung, und eine erfolgreiche. In 15 Läden weltweit werden ihre Stücke mittlerweile verkauft, der wichtigste Markt ist Japan. Allein in Tokio hängt TMT in acht Geschäften, sie haben dort sogar einen eigenen Vertrieb. Einen Internetshop gibt es dagegen nicht. "Die haptische Erfahrung, wie sich das Kleidungsstück anfühlt und trägt, kann ich online nicht machen", erklärt Bianca dazu.

Für ihr erstes Label hatte Andrea Hartwig sich im Sommer 2002, direkt nach dem Abschluss der Modeschule Esmod, mit Sarah Elbo zu Hartbo+L'wig zusammengetan - noch so ein schwieriger Name. "Das war ein Zusammenspiel von zwei Designern, die dadurch zur Explosion gekommen sind", erinnert sie sich. Sie haben Punkte und Streifen auf rosarote, gelbe oder himmelblaue Petticoat-Kleider gesetzt, wurden für zahlreiche Preise nominiert und bekamen ziemlich schnell ziemlich viel Aufmerksamkeit.
Schwarz und weiß als Grundfarben
Hartbo+L'wig war sehr bunt, verspielt und laut. "Was wir jetzt machen, ist eigentlich das Gegenteil", sagt Andrea Hartwig. "Wir versuchen, uns aus der Kollektion ein bisschen zurückzunehmen und dadurch Ruhe auszustrahlen." Mit Talkingmeanstrouble ist der Stil der jungen Designerin erwachsen geworden. Die Grundfarben sind immer schwarz und weiß, hinzu kommt mindestens noch ein anderer Farbakzent. Im Sommer 2007 waren es für Dawn die Pastelltöne der Dämmerung: Beige, Graublau, ein sanftes Türkis. Bei Black Ruby ist es das dunkle Rot. Und im nächsten Sommer kommt mit Wild Side ein kräftiges warmes Orange.

Andrea Hartwig verwendet ausschließlich natürliche Materialien wie Baumwolle, Seide und Jersey von ihren langjährig erprobten Lieblingslieferanten. In der Linienführung arbeitet sie gern mit Wellen. Und sie liebt raffinierte Einzelheiten: Gummibandeinzüge, Raffungen, ein Print auf der Unterseite des Mantelkragens. "Wir machen keine Basic-Collection, sondern eine Kollektion, die mit den vielen Details in eine künstlerische Richtung geht", sagt sie.
Komplex und rätselhaft
Um das zu unterstreichen, gibt es in jeder Saison ein Lookbook, das aufwändig produziert wird, und das weit mehr ist, als ein kleiner Katalog. Es ist Teil des Kollektionskonzepts. Das Model zeigt die Kleider mal mit brauner, mal mit blonder Perücke. Ist sie nett? Oder böse? Das Fenster in dem grauen Raum ist nur aufgemalt. Eine Kulisse. Dieses Motiv des Trompe-l'œil, der Augentäuschung, zieht sich bei TMT durch.

Talkingmeanstrouble ist in vielen Details komplex und rätselhaft. Doch die beiden Macherinnen, gebürtige Berlinerinnen, sind erfrischend unkompliziert. Und so kann man auch mit ihrer Mode auf zwei Arten umgehen. Die eine Seite ist die Tragbarkeit: Einfach überstreifen und die weich fließenden Linen sowie die gute Passform genießen. Die andere Seite: TMT bietet eine sehr elaborierte Bildsprache für Menschen, die Mode lesen und verstehen wollen.
SPRINGSUMMER 07 'DAWN'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben

SPRINGSUMMER 07 'DAWN'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben

SPRINGSUMMER 08'WILD SIDE'; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben

Andrea und Bianca Hartwig; Copyright: Talkingmeanstrouble, Foto: Anka Bardeleben

Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin „tip“.

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Januar 2008
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