Leyla Piedayesh

Moderne Maschen: Lala Berlin

Herbst/Winter Kollektion 2007/2008, Jumper V-Neck Stripes, Bermudas, Copyright: Lala Berlin/Foto: Thorsten Heinze

Frühjahr/Sommer Kollektion 2008, Trousers Marlene, Tank Racerback, Cube New PLO, Copyright: Lala Berlin/Foto: M. Neugebauer/Brauer Photos

In kürzester Zeit hat Leyla Piedayesh mit ihrem Label Lala Berlin die Strickmode umgekrempelt. So lässig und gleichzeitig luxuriös hat man Kaschmir, Babymohair und Seide schon lange nicht gesehen. Ihre Pullover, Kleider und Schals kleben nicht am Körper, sondern sie umschmeicheln ihn.

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat Leyla Piedayesh sich in einem Wollgeschäft erklären lassen, wie man Pulswärmer strickt. 2003 war das, sie hatte gerade ihren Job als Redakteurin beim Musiksender MTV gekündigt und daher genügend Zeit, nicht nur über den Flohmarkt zu schlendern, wo ihr die Pulswärmer ins Auge fielen, sondern auch selbst welche zu stricken.

Am Anfang war die Handstulpe
Es wurden dann Handstulpen in pink, orange und rosa. Die ersten waren eine stricktechnische Katastrophe, die zweiten schon ganz passabel, und als dann ihre Freunde auch solche Stulpen von ihr haben wollten, bekam sie ziemlich schnell Routine. Mach doch ein Business draus! Wieder waren es ihre Freunde, die drängten. Leyla Piedayesch, Jahrgang 1970, hatte zwar schon in den 80ern mit dicken Nadeln Flauschepullis im Oversize-Format gefertigt. Das war zu der Zeit extrem angesagt. "Aber meine große Stärke war das Stricken damals nicht", erzählt sie. "Ich habe gerade mal einen Pullunder mit U-Boot-Ausschnitt zustande gebracht." Jetzt tragen Supermodel Claudia Schiffer und Schauspielerin Muriel Baumeister ihre Kreationen. In nur vier Jahren hat sie es mit ihrem Label Lala Berlin - Lala ist Leylas Spitzname - in die Kleiderschränke der Stars geschafft.

Leyla Piedayesh ist eine Frau mit einer warmen dunklen Stimme, trockenem Humor, viel Selbstbewusstsein, wenig Angst vor Neuem und dem Talent, unheimlich schnell zu lernen. Die gebürtige Teheranerin, die in Wiesbaden aufwuchs und über München nach Berlin kam, hatte zunächst Betriebswirtschaft studiert. Modedesignerin ist damit, nach TV-Redakteurin, bereits ihr dritter Beruf. Den Blick für Farben und das Gefühl für Wollqualitäten hatte sie sich schon in ihrer Jugend angeeignet. Blieb noch das Stricken, und dafür holte sie sich Spezialisten.

Luxus für den Alltag
Die Welt der Maschen ist relativ überschaubar. Die Messen für Garne sind klein verglichen mit Stoffmessen. Schnitte muss man keine machen, stattdessen werden Maßtabellen verwendet. Und es gibt zum Glück auch in Berlin noch versierte Handstricker, die in Handarbeit auf der Maschine stricken. Leyla Piedayesh hat entworfen, die Handstricker haben die Kreationen umgesetzt. Und der Erfolg stellte sich prompt ein. Als sie ihr Label 2004 auf der Modemesse Premium vorstellte, bekam sie bereits ihre ersten Kunden, darunter zwei große Einkäufer aus Japan.
Lala Berlin Frühjahr/Sommer Kollektion 2008, Copyright: Lala Berlin

Lala Berlin Frühjahr/Sommer Kollektion 2008, Skirt, Tank Racerback, Blouson Copyright: Lala Berlin, /Foto: M. Neugebauer/Brauer Photos

Herbst/Winter Kollektion 2007/2008, Dress Polly, Copyright: Lala Berlin/Foto: Thorsten Heinze

Copyright: Lala Berlin

Heute ist Lala Berlin in 60 Läden in Europa, Japan, Hongkong und Korea sowie den USA vertreten. Sieben ständige Mitarbeiter beschäftigt das Label, im Berliner Szenebezirk Mitte gibt es ein eigenes Lala Berlin-Geschäft. Wenn man es betritt, trifft man dort schon mittags viele Kundinnen, die nicht nur gucken, sondern auch kaufen. Die Teile sind aber auch zu verführerisch. Man streift die Pullover über und sie fühlen sich wie eine zweite Haut an. Sie sind leicht und wärmend, High-End-Qualität, und doch durch die gedeckten Farben und weiten Passformen extrem lässig. Lala Berlin ist Luxus für den Alltag, den man nicht mehr ausziehen möchte, wenn man einmal in eine der Kreationen aus Kaschmir, Merino, Superkidmohair, aus Seide, Baumwolle oder Leinen hineingeschlüpft ist. "Ich versuche, bei den Garnen immer die höchste Qualität zu bekommen", sagt Leyla Piedayesh. Und sie experimentiert gerne mit dem neuesten Stand der Technologie. Die Designerin hat schon mit Bambusgarnen gearbeitet, in der aktuellen Kollektion setzt sie eine Sojabohnen-Kaschmir-Mischung ein. Und natürlich liefert sie eine moderne Interpretation von Strick. Zopf-, Jacquard- oder Norwegermuster - so alte Hüte wird man auf einem Lala Berlin-Pullover garantiert nicht sehen.

Strick für alle Jahreszeiten
Dafür werden ihre Kapuzenjacken, Capes, Kleider, Shirts und Pullover immer auch von einer Accessoire-Linie begleitet, vor allem Schals und Mützen, bei denen ein Printmotiv im Vordergrund steht. Im Sommer waren es Totenköpfe, in der aktuellen Herbst- und Winterkollektion ist der Orient das Leitthema mit Teppichmustern und Pfauenfedern. Und im nächsten Frühjahr und Sommer kommt ein starker Kettenprint, der mit leichten Motiven wie Vögeln und Federn kontrastiert. Diese lässt die Designerin auf Gewebe drucken, die so hauchdünn wie Taschentücher sind.

Die Prints sieht man bei Leyla Piedayesh im kommenden Frühjahr und Sommer auch auf Kleidern, Shirts und Blusen aus Seiden- oder Baumwollstoffen, einem zusätzlichen Element neben der Strickkollektion. Was aber nicht heißt, dass für sie Strick kein Thema für die warmen Monate wäre: "Wenn es im Sommer abends kühl wird, ist ein hauchdünner Kaschmir oder ein Seidenstrick perfekt. Das ist zart, luftdurchlässig und gibt die nötige Wärme." Bei Lala Berlin entstehen aus Wolle eben keine überdimensionierten Wärmflaschen, sondern hauchfeiner Luxus.

Lala Berlin Boutique in Berlin, Copyright: Lala Berlin

Leyla Piedayesh, Copyright: Lala Berlin

Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin tip.

Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion

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Dezember2007
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