Porträt Frank Schätzing

Köln am Meer

Frank Schätzing. Copyright: Paul Schmitz, Köln, info@paul-schmitz.de
Frank Schätzing. Copyright: Paul Schmitz, Köln, info@paul-schmitz.de
1995 erscheint Frank Schätzings erster Roman Tod und Teufel. Seitdem haben der Autor und seine Werke ihren Weg gemacht und sind schon lange nicht mehr nur im deutschen Buchhandel zu finden.

2004 ist ein besonderes Jahr für Frank Schätzing. Im Frühjahr erscheint sein Roman Der Schwarm und wird in kurzer Zeit ein weltweiter Erfolg. Nach fünf Jahren Recherche und zwei Jahren Schreibarbeit hat der Autor diesen 1.000 Seiten starken Wissenschaftsthriller beendet, der sich mit den unerforschten Abgründen der Meere beschäftigt.

Der Schwarm wird mit insgesamt vier Preisen ausgezeichnet: als bester Science-Fiction-Roman mit dem Kurd-Laßwitz-Preis und dem Deutschen Science-Fiction-Preis, außerdem mit dem Deutschen Krimi-Preis und der Goldenen Feder. Nicht nur, dass Der Schwarm mit über 920.000 verkauften Exemplaren zum Bestseller in Deutschland wird, auch Hollywood klopft an Schätzings Tür und sichert sich im Jahr 2006 die Filmrechte. Der Drehbuchautor von Das Schweigen der Lämmer, Ted Tally, stellt sich der Aufgabe der Umsetzung in ein Drehbuch. Eine erste filmische Adaption eines Buchs von Frank Schätzing legt 2008 mit Mordshunger der Privatsender RTL vor. Auch Die dunkle Seite wird im Auftrag von RTL als Fernsehfilm umgesetzt.

Copyright: Verlag Kiepenheuer und WitschSchon vor der Anfrage Hollywoods hat Der Schwarm seinen Weg in die Welt gefunden: Global werden Lizenzen verkauft und der Roman erscheint in über 20 Sprachen, darunter Russisch, Arabisch, Finnisch, Chinesisch, Japanisch und Hindi. In Italien und Spanien ist der Titel mehrere Wochen auf den Bestsellerlisten. Häufig wird Frank Schätzing mit dem amerikanischen Erfolgsautor Michael Chrichton verglichen.

Intelligenz aus der Tiefsee

Was aber ist es, das diesen Roman so erfolgreich macht? Liest man Der Schwarm, ist man ängstlich gefesselt und fasziniert zugleich. Die Thematik des Buches spricht nicht nur das Interesse, sondern ebenso die Emotionen der Leser an. Überall auf der Welt scheinen sich Meeresbewohner gegen den Menschen zu erheben. Durch ihr ungewöhnliches Verhalten bringen sie Umweltvorgänge in Gang, die in einer Tsunami-Katastrophe münden. Die internationalen Wissenschaftler, die dieser globalen Bedrohung der Menschheit entgegenwirken sollen, kommen zu dem Schluss, dass der Auslöser eine unbekannte intelligente Macht aus der Tiefsee sein muss, die sich gegen die Zerstörung des Meeres durch den Menschen zu wehren scheint.

Die Faszination unbekannter Welten, wie die Tiefsee eine ist, fesselt Menschen seit jeher. Schätzings Roman gibt in diese unerforschte Welt einen überraschenden und lehrreichen Einblick und trifft zudem mit der beängstigend-faszinierenden Idee der „Schwarmintelligenz“ den Zeitgeist von Globalisierung und Digitalisierung.

Spannung und sprachliche Finesse

Nach dem Verfassen einiger Satiren und Novellen veröffentlicht Frank Schätzing 1995 seinen ersten Roman. Tod und Teufel wird zwar nicht zum Bestseller, gilt aber als sehr gelungenes Debüt. Der historische Kriminalroman erzählt von dem Herumtreiber und Dieb Jacop, der unfreiwillig Zeuge eines Mordes wird. 1996 folgt der Kriminalroman Mordshunger, in dem der Kölner Kommissar Romanus Cüpper den Mord an einer reichen Unternehmergattin aufzuklären hat, und ein Jahr später erscheint Die dunkle Seite. Auch in Die dunkle Seite gibt es wieder einen Toten und für die Detektivin Vera Gemini, die eigentlich einen seit langem verschwundenen Bankräuber sucht, fügt sich allmählich alles zu einem großen Ganzen zusammen. Ein Erzählband mit dem Titel Keine Angst wird ebenfalls 1997 veröffentlicht. Im Jahr 2000 folgt der Politthriller Lautlos, der mit seiner Geschichte um ein Attentat auf den US-Präsidenten den Vorgängerromanen in Spannung und sprachlicher Finesse in nichts nachsteht.

Ein Stein im Brett

Aus dem Bereich der Fiktion bewegt Frank Schätzing sich heraus, als er 2006 das Sachbuch Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere verfasst. Auch dieses Buch wird ein internationaler Erfolg. Es erscheint bisher in zwölf Ländern, eine Übersetzung für den amerikanischen Markt ist gerade in Arbeit. Frank Schätzing zieht seinen Stoff aus seinen persönlichen Interessen: Er ist als passionierter Taucher und Beirat einer Initiative zum Schutz der Meere ein kompetenter Ansprechpartner in Sachen Tiefsee.

Schätzings Fachkompetenz findet sich aber nicht nur in diesem Sachbuch. Auch die wissenschaftlichen Erläuterungen in seinen Romanen machen – neben der sprachlichen Lebendigkeit und Detailtreue –die Handlung besonders authentisch und damit spannend. Seit 2002 wird das facettenreiche Werk Frank Schätzings immer wieder ausgezeichnet – nicht nur mit Literaturpreisen, sondern auch mit Wissenschaftspreisen wie dem „Stein-im-Brett-Preis“, den der Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler verleiht.

Heimatstadt Köln

Der persönlichen Bezug des Schriftstellers zu seinem Werk drückt sich auch in der Liebe zu Köln, seiner Heimatstadt, aus, die vor allem in den Kriminalromanen zur Geltung kommt: Tod und Teufel entführt den Leser in das Köln des Mittelalters, die gastronomischen Vorlieben des Romanus Cüpper aus Mordhunger machen den Leser mit der Kölner Restaurantszene vertraut und der Gemüsehändler Mehmet Üsker aus Die dunkle Seite wird tot in seiner Kölner Wohnung gefunden. Der Anschlag auf den US-Präsidenten in Lautlos ist während eines Weltwirtschaftsgipfels geplant, der ebenfalls in Köln stattfindet.

Frank Schätzing ist am 28. Mai 1957 in Köln geboren, wo er noch heute mit seiner Frau lebt und zurzeit wieder an einem Roman arbeitet. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft fasst er zunächst Fuß in der Werbebranche. Auch in der Musikbranche ist er tätig. Den Gegenstand seines kreativen Interesses erweitert er zu Beginn der 1990er-Jahre, als er die Schriftsteller-Laufbahn einschlägt – eine Entscheidung, die er nicht bereut haben wird.

Constanze Fiebach
ist Literaturwissenschaftlerin und Lehrbeauftragte der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
Oktober 2008

Links zum Thema

Begegnungen

Deutsche Autor(inn)en sehen die Welt.