Fabian Oswald

Eine Art Kettenreaktion bis zur eigentlichen Idee – Interview mit einem jungen Geschichtenerfinder

Fabian Oswald, Copyright: privatZeichnen und Geschichten erfinden war schon immer seine Leidenschaft. Mit 13 Jahren hatte der in Gießen geborene Fabian Oswald bereits fünf eigenständige Zeichentrickfilme realisiert und den Deutschen Nachwuchsfilmpreis 2005 gewonnen.

Fabian hat mit seinen Eltern mehrere Jahre an der Elfenbeinküste, zwei Jahre in Kenia und einige Jahre in Landau/Pfalz gelebt. Heute wohnt der 16-Jährige in Lima, besucht dort die Deutsche Schule und macht in diesem Jahr sein Abitur.

Fabian, du hast schon sehr früh angefangen, Zeichentrickfilme zu machen. Wie kamst du auf die Idee? Gab es dafür eine Initialzündung?

Gezeichnet und Geschichten erfunden habe ich schon immer. Als ich 11 war, hat mich mein damaliger Kunstlehrer in Landau ermutigt, aus einem Comic, den ich für den Unterricht gezeichnet hatte, einen Zeichentrickfilm zu machen. Das Neue war für mich die Technik, das Aufnehmen und Zusammenschneiden. Das habe ich in der AG (Arbeitsgemeinschaft) in der Schule gelernt, in der ich auch alle meine bisherigen Zeichentrickfilme gemacht habe. Durch den Umzug nach Lima hat das Filmen leider nachgelassen, denn ohne die AG ist ein großer Antrieb verloren gegangen. Um wieder mehr in diesem Bereich zu machen, habe ich jetzt gemeinsam mit einem Freund eine eigene Film-AG an der Schule in Lima gegründet, in der wir Grundtechniken des Filmens vermitteln und mit den Schülern Kurzfilme machen.


Frau Heumann – ein nicht ganz normaler Hund.

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Zeichnen, Geschichten erfinden, Filmemachen – alles kreative Prozesse. Kannst du deine Herangehensweise bei deiner kreativen Arbeit beschreiben?

Beim Filmemachen, wie beim Zeichnen und Schreiben kommt die Idee für die Geschichte zusammen mit der Figur. Figur und Geschichte gehören zusammen. Zu jeder Figur passt nur eine Geschichte und umgekehrt. Meistens habe ich mehrere Ideen hintereinander. Ich setze mich hin und fange an, sie weiterzudenken und auszubauen. Erst wenn ich dann beginne, die Gedanken aufzuschreiben, weiß ich, dass es eine Geschichte ist, die ich durchziehe. Normalerweise schreibe ich jeden Tag und verbringe fast meine gesamte Freizeit mit Schreiben und Zeichnen. Es macht einfach Spaß und es freut mich immer, wenn ich eine Arbeit beenden kann und mit dem Ergebnis zufrieden bin. Wenn es dann auch noch Erfolge erzielt wie die Filme, ist das noch mal eine doppelte Motivation.

Deine Geschichten sind ziemlich verdreht und skurril. Wie kommst du auf die Geschichten? Was inspiriert dich?

Meistens fallen mir die Sachen einfach ein. Vielleicht gibt es einen Auslöser – ich denke was Normales, den Gedanken leite ich weiter und so entstehen Geschichten. Das funktioniert wie eine Art Kettenreaktion, aus irgendeinem Grund kommt mir eine bestimmte Situation oder Szene in den Kopf, aus der ich dann eine weitere ableite (und so weiter), bis ich bei der eigentlichen Idee bin. Einen großen Einfluss auf meine Geschichten haben auf jeden Fall auch die Bücher, die ich lese. Ich lese ziemlich viel und meine Ideen verändern sich, je nachdem, was ich gerade lese. Die Geschichten haben Einfluss auf meine Gedanken und das vermischt sich dann mit meinen Ideen.

Worum geht es in deinen Geschichten?

Unterschiedlich. Die Filme sind meistens kurze, witzige Geschichten (auch absurd). Bei dem, was ich schreibe sind die Themen im Allgemeinen düsterer und verrückter. Meine Geschichten haben insgesamt nicht viel mit der Wirklichkeit zu tun.

Hast du Vorbilder beim Zeichnen und Schreiben?

Nein, eigentlich nicht. Wenn ich Menschen bewundere, dann sind das meistens Schriftsteller, die ich gerne lese (wie zum Beispiel Vonnegut, Kafka oder Poe). Aber Vorbilder habe ich nicht wirklich. Ich lasse mir gerne viel Freiraum beim Schreiben. Ich schreibe, weil ich es will. Die Autoren, die ich lese, beeinflussen mich zwar, ich will mich aber an keinem orientieren.

Woher glaubst du kommt deine Leidenschaft, zu zeichnen und Geschichten zu erzählen?

Das Talent für das Zeichnen habe ich wahrscheinlich von der mütterlichen Seite der Familie, es war aber einfach schon immer da – ich habe mich das eigentlich nie gefragt. Es macht mir Spaß, ich kann es relativ gut, also ich tue es einfach. Das Filmen kam erst später, weil es auch schön war, die Ideen so, wie sie in meinem Kopf abliefen (als Film) sehen zu können. Wenn ich mir Geschichten ausdenke, sehe ich die Geschichte als Film. Wenn ich sie aufschreibe, ist das okay, wenn ich sie als Film umgesetzt sehe, ist das einfach toll.

Du bist mit deiner Familie von Deutschland nach Peru gezogen, wie hat sich dieser Ortswechsel auf deine Arbeit ausgewirkt?

Zum Teil sehr positiv. Die lateinamerikanische Kultur ist ein sehr großer Gegensatz zur europäischen. Vor allem kenne ich hier viel mehr Menschen in meinem Alter, die in denselben Bereichen aktiv sind wie ich und von denen ich auch viel habe lernen können. In meinem Freundeskreis interessieren sich die meisten für Kunst (geschrieben, gemalt, gefilmt, gespielt). Lima ist eine Großstadt, in der fast die Hälfte der Bevölkerung Perus lebt, die Leute sind hier abgedrehter als in Deutschland. Mit meinen skurrilen Geschichten habe ich auch erst hier richtig angefangen.

Du machst in diesem Jahr dein Abitur. Hast du schon Pläne, was du danach machen möchtest?

Das Filmemachen habe ich lange Zeit als Möglichkeit betrachtet, kann es mir jetzt aber nicht mehr als Beruf vorstellen. Ich würde es aber auf jeden Fall gerne als Hobby weitermachen. Im Moment weiß ich weder was ich studieren möchte, noch was ich arbeiten könnte. Auf jeden Fall etwas, das so wenig wie möglich mit Zahlen zu tun hat. Traumberuf wäre Schriftsteller, aber ich glaube kaum, dass ich allein davon leben könnte. Gerade habe ich eine längere Geschichte fertig geschrieben und das Manuskript an mehrere Verlage geschickt. Mal sehen, was daraus wird.

Was ist dir wirklich wichtig?

Im Moment wäre mir am wichtigsten, dass das Manuskript von einem Verlag akzeptiert wird. Das wäre ein sehr großer Schritt für mich, der mir auch spätere Projekte erleichtern würde. Und dass ich nicht nachlasse. Dass die Ideen sich entwickeln und variieren, dass ich immer weitermachen kann und nichts mich daran hindert.

Download SymbolKurzgeschichte von Fabian Oswald „Kurze Erzählung einer verwechselten Existenz“
Melanie Klofat
ist Kulturvermittlerin und freie Journalistin in Düsseldorf.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2009

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