Ökumene

Die Hauptrolle im religiösen Leben in Georgien spielt die orthodoxe Kirche. Etwa 80,5% der christlichen Bevölkerung (87%) sind orthodoxe Georgier, 5% gehören zur Armenisch-Apostolischen Kirche, knapp 1% zur Römisch-Katholischen und 0,3% zur Protestantischen Kirche (Baptisten, Pfingstchristen, Lutheraner, Heilsarmee).

Der orthodoxe Patriarch Ilija II. gilt als tolerant. Er war von 1979 bis 1983 einer der Präsidenten des Weltkirchenrates gewesen und damit aber auch unter orthodoxen Hardlinern wegen angeblicher „ökumenischer Häresie“ umstritten. Man drohte ihm mit Kirchenspaltung, sodaß schließlich die Bischofsversammlung der orthodoxen Kirche Georgiens am 20. Mai 1997 aus dem Weltkirchenrat austrat.

Ein weiteres Problem ist, dass es in Georgien nach wie vor kein Religionsgesetz gibt. Es herrscht zwar Religionsfreiheit, doch sagt dies nichts über den rechtlichen Status einer Religionsgemeinschaft aus. Hiermit ist Georgien einer der letzten GUS-Staaten, in denen das Staat-Kirche-Verhältnis noch nicht juristisch geklärt ist. Der Grund dafür liegt wohl darin, dass die georgisch-orthodoxe Kirche eine Sonderstellung einnehmen möchte.

Da sich die georgisch-orthodoxe Kirche der ökumenischen Zusammenarbeit verweigert, haben sich die anderen Konfessionen im Land zu einer Arbeitsgruppe im Jahre 2001 zusammengeschlossen, welche mit Parlamentsvertretern die Arbeit koordinieren sollte. Diesem Rat gehören auch die Vertreter der Muslime und Juden des Landes an. Vier christliche Kirchen, nämlich die Armenisch-Apostolische, die Römisch-Katholische, die Baptistische und die Lutherische Kirche setzten sich nun gemeinsam für ein Religionsgesetz ein. Allerdings erfolglos, denn im Oktober 2002 schloß die Georgisch-Orthodoxe Kirche eigenständig einen Vertrag mit der Regierung ab, in welchem sich die Orthodoxe Kirche als die Staatskirche versteht. Die Georgisch-Orthodoxe Kirche nimmt aktiv am Gesellschaftsleben teil. Sie gehen zum Teil auch gegen „häretische Minderheiten“ vor, sodaß es auch schon zu einer Bücherverbrennung oder zu Drohungen gegenüber dem lutherischen Bischof kam. Die Gottesdienste und Veranstaltungen der lutherischen Gemeinde verlaufen jedoch ungestört, und Bischof Hummel wie sein Nachfolger Dr. Stökl waren davon überzeugt, dass die Zukunft für die Ökumene arbeitet.