Aufbau nach der Wende

Seit dem Jahre 1998 lebte das Ehepaar Hummel in Tiflis und verwirklichte die Träume der dort wachsenden Gemeinde von einem eigenen Pfarrer und einer eigenen Kirche. Gert und Christiane Hummel verkauften ihr Haus in Saarbrücken, von dessen Erlös ein georgischer und ein deutscher Architekt damit beauftragt wurden, die zukünftige „Versöhnungskirche“ zu bauen. Als Ort, wo dieses Vorhaben umgesetzt werden sollte, stellte der frühere Präsident Shewardnadse den deutschen Friedhof im Zentrum der Stadt zur Verfügung, wo Gräber von lutherischen Kolonisten angelegt waren, die von russischen Herrschern im 19. Jahrhundert ins Land geholt wurden.

 Auch an fünf weiteren Orten Georgiens hatte das Ehepaar Hummel Gemeinden aufgebaut: In Rustawi, Gardabani, Borjomi, Bolnisi und Suchumi. Diese Gemeinden hofften zunächst darauf, dass die evangelische Kirche Deutschlands einen Auslandspfarrer schickt, allerdings vergeblich, sodaß sich der Bischof an großen Feiertagen wie Ostern auf den Weg zu mehreren Gemeinden in Georgien machte.

Schnell erkannte das schwäbische Ehepaar aber, dass es allein mit dem Bau eines Kirchen- und Gemeindehauses in einem Land, welches wirtschaftlich am Boden liegt, nicht getan war, und so kamen in Tbilissi noch zwei Gebäude der Diakonie hinzu, in denen alte, bedürftige Mitglieder ein Zuhause oder wenigstens eine warme Mahlzeit finden. Gemeindemitglieder, die weit außerhalb wohnen, bekommen monatlich auch Lebensmittelpakete. Georgien, die ehemalige Vorzeigerepublik der Sowjetunion bot seit 1991 kaum noch Bilder von Wohlstand oder Wachstum: Es herrschen hohe Arbeitslosigkeit, Armut und Korruption. Im Land gibt es eine dünne Oberschicht, doch 80% der Bevölkerung sind arm und die Durchschnittsrente beträgt etwa 16 Euro. „Die Pension eines deutschen Professors ist auch so hoch, dass mehrere Menschen in Georgien davon leben können“, erzählte Gert Hummel, der von diesem Geld sich, seine Frau und sechs weitere Personen ernährt hat. Durch das kraftvolle Engagement des Ehepaars waren es auch Spenden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, die den Wiederaufbau des Gemeindelebens unterstützten. Weniger finanzielle Unterstützung gab es von Seiten der EDK, des Staates oder der württembergischen Landeskirche. Das Einzige, was die Bundesrepublik zum Aufbauprojekt der Versöhnungskirche beisteuerte, ist die Altarbibel! Partnerstadt von Tbilissi ist die deutsche Stadt Saarbrücken, aber von dieser Partnerschaft zwischen dem Saarland und Georgien blieb kurz nach 1991 nur noch der Name eines Platzes in der georgischen Hauptstadt. Zu Sowjetzeiten kamen noch Delegationen aus Deutschland hierher, doch brauchte die Stadt vielmehr nach der Wende Unterstützung, sodaß das Entstehen dieser Kirche auch ein wichtiger Beitrag zur Wiederbelebung der Partnerschaft beider Städte war. Ziel ist es, daß die lutherische Gemeinde in Georgien irgendwann auf eigenen Beinen stehen soll, nachdem das Ehepaar Hummel die wichtigen Impulse dafür gegeben hat. Für ihr großes soziales Engagement wurden Gert und Christiane Hummel im Jahre 2003 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.