Service für Bibliothekare

Buch gegen Schwimmflügel: Die Stadtbücherei Biberach ist „Bibliothek des Jahres 2009“

Stadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachStadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachMit Innovationsfreude und Kreativität geht die Stadtbücherei in Biberach an der Riß mit immer neuen Angeboten auf die sich ändernden Bedürfnisse der Bibliotheksnutzer ein. Dafür wurde sie zur „Bibliothek des Jahres 2009“ gewählt.

Etwa auf halben Weg vom Bodensee nach Ulm liegt die Stadt Biberach. Hier sind der älteste Amateur-Theater-Verein sowie das größte und älteste Kindertheater Deutschlands zu Hause. Doch das ist nicht alles, worauf die rund 32.000 Einwohner der Stadt in Oberschwaben stolz sein können: Seit Jahren landet die Stadtbücherei Biberach beim Leistungsvergleich der deutschen Bibliotheken regelmäßig auf den Spitzenplätzen.

Nun wurde sie zur „Bibliothek des Jahres“ gewählt. Der vom Deutschen Bibliotheksverband sowie der Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius vergebene Preis ist mit 30.000 Euro dotiert und wird zum zehnten Mal verliehen.

Spaß am Lesen und Lernen

Stadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachFragt man Frank Raumel, den Leiter der Bibliothek, was das Besondere an seinem Medien- und Informationszentrum ist, dann verweist er auf seine 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Ich bin stolz auf unser Team: Wir schauen gemeinsam nach vorn und suchen Lösungen für die Probleme unserer Kunden.“ Die Jury lobte vor allem, dass der Stadtbücherei „in idealer Weise die Positionierung als ein Ort des lebenslangen, selbstgesteuerten Lernens gelungen ist“.

Die Bibliothek fördert auf vielfältige Art die Leselust sowie die Medien- und Informationskompetenz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dafür hat sie unter dem Titel „Lesen und Lernen: Ein Leben lang“ knapp 40 zielgruppenspezifische Angebote entwickelt: vom Lesetreff für Eltern mit Kleinkindern und Bilderbuchkinos über Medien- und Experimentierboxen für Schulen oder spannende Bibliothekserkundungen (Piratenreise, Krimiführung) bis hin zu Recherche-Schulungen für Senioren.

Kompetenter Partner für die Schulen

Bibliotheksteam der Stadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachDie Stadtbücherei Biberach kooperiert mit Kultureinrichtungen, Kindergärten und Schulen vor Ort. Eine besonders enge Zusammenarbeit besteht etwa mit den beiden Gymnasien der Stadt. „Wir haben die Mediothek, die von den Schülern und Lehrern beider Schulen genutzt wird, entworfen und eingerichtet“, sagt Raumel. Die 300 Quadratmeter große Mediothek ist eine nicht öffentliche Zweigstelle der Bibliothek. „Wir bieten dort zum einen erzählende Literatur an, um die Leselust zu fördern, zum anderen aber natürlich Informationsmedien, die die Arbeit im Unterricht unterstützen.“

Die Nutzung der Mediothek ist verbindlich im Lehrplan der Schulen und im Unterrichtsalltag eingebunden. Dazu hat das Team der Stadtbücherei ein medienpädagogisches Schulungskonzept in acht Bausteinen erarbeitet.

Eine Bibliothek für alle Generationen

Stadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachFrank Raumel und sein Team haben aber auch schon die kleinsten potenziellen Bibliotheksnutzer im Auge. „Zurzeit läuft ein erstes Modell für eine Kindergartenbücherei“, berichtet der Bibliotheksleiter. „Hier sehen wir die große Chance, auch buchferne Haushalte zu erreichen: wenn die Kleinen mit Büchern aus dem Kindergarten nach Hause kommen und Papa oder Mama auffordern, ihnen etwas vorzulesen.“

Ein besonderes Interesse der Stadtbücherei Biberach gilt auch den Bedürfnissen von Senioren. „Wir bieten regelmäßig Führungen an, bei denen erklärt wird, wie die Bibliothek – etwa unser Selbstbuchungsverfahren und die Recherche im elektronischen Katalog – funktioniert. Wir versuchen so, gewisse Hemmschwellen abzubauen.“ In der Bücherei steht ein ganzes Sortiment an Hilfsmitteln wie Leselupen und Vergrößerungsgläser zur Verfügung. Zudem werden Medienboxen für Senioreneinrichtungen angeboten.

Pläne für die Zukunft

Team der Stadtbücherei Biberach; © Stadtbücherei BiberachDas Preisgeld möchte Frank Raumel vor allem dazu nutzen, Schulbüchereien auszubauen und die Zusammenarbeit mit den Bildungspartnern weiter zu stärken. Ihm schwebt vor, dass die Bibliothek ein Ort für selbstorganisiertes Lernen wird – für Schüler ebenso wie für Erwachsene.

Ab Herbst 2009 will die Volkshochschule Biberach in den Räumen der Bibliothek laut Raumel Bildungsberatungen anbieten. „In den Beratungsgesprächen erfährt man etwa, wie man seine beruflichen Chancen verbessern kann – und unsere Medien helfen, dabei die ersten Schritte zu tun.“

Mit großem Erfolg trägt das Team der Stadtbücherei seit Jahren der Tatsache Rechnung, dass die Bibliothek im Hochsommer mitunter nicht immer der erste Ort der Wahl ist. „Bei schönem Wetter bauen wir einen Stand im Freibad auf“, sagt der Bibliotheksleiter. Und wer keinen Ausweis dabei hat? „Der kann zum Beispiel eine Badeschlappe oder einen Schwimmflügel als Pfand abgeben.“

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Journalistin in Bonn.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de

Links zum Thema

Bibliotheken in Deutschland

Artikel und Links zu ausgewählten Themen

Dossier: Digitalisierung

Unterwegs zur elektronischen Universal-
bibliothek?