Sprache

Babylon der Babysitter – mehrsprachige Kinderbetreuung

Immer mehr deutschsprachige Eltern möchten ihre Kinder mehrsprachig erziehen.  Foto: Steve Debenport © iStockphotoImmer mehr deutschsprachige Eltern möchten ihre Kinder mehrsprachig erziehen.  Foto: Steve Debenport © iStockphotoDie öffentlichen Einrichtungen in Deutschland können den Bedarf an mehrsprachigen Bildungsangeboten kaum noch decken. Deshalb hat die Berliner Mutter Peggy Block vor drei Jahren ein bundesweites Web-Portal für mehrsprachige Kinderbetreuung geschaffen.

Mit zwanzig Jahren lernte Peggy Block als Au-pair-Mädchen in Chicago fließend Englisch. Seitdem lässt sie die Faszination dafür nicht mehr los: Die junge Frau arbeitete mehrere Jahre in den USA und wurde so immer sicherer mit dem Umgang der Sprache. Dann wurde sie schwanger und wusste: „Meine Tochter soll zweisprachig aufwachsen“.

„Der Trend geht zur mehrsprachigen Erziehung.“

Studien haben belegt, dass das Sprachenlernen bereits früh beginnen sollte. Foto: Patrick Heagney © iStockphoFür viele Familien, in denen ein oder mehrere Elternteile aus einem anderen Kulturkreis stammen, ist es heute selbstverständlich, dass ihre Kinder in mehrsprachigen Familien aufwachsen oder schon von klein auf Kontakt zu mehreren Sprachen bekommen. Aber auch immer mehr deutschsprachige Eltern möchten ihre Kinder mehrsprachig erziehen. „Der Trend geht zur mehrsprachigen Erziehung,“ ist Peggy Block überzeugt. „Das Thema interessiert heute ganz normale Familien, die vor zehn Jahren vielleicht noch gar nicht über mehrsprachige Erziehung nachgedacht hätten“.

Gleichzeitig hat in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion über eine erfolgreiche Vermittlung von Sprachen ein Umdenken eingesetzt. Verschiedene Studien haben belegt, dass das Sprachenlernen idealweise nicht erst an der weiterführenden Schule, sondern bereits an Grundschulen und Kindergärten oder sogar noch früher beginnen sollte. Als Alternative zum traditionellen Fremdsprachenunterricht setzen zudem immer mehr Bildungsinstitutionen auf das „natürliche“, in die Interaktion mit Muttersprachlern integrierte Sprachenlernen, das auch als CLIL (Content and Language Integrated Learning) bezeichnet wird.

Immer noch zu wenig bilinguale Angebote

Die Entwicklung öffentlicher bilingualer Bildungsangebote kann mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt halten.  Foto: Jamie Wilson © iStockphotoLaut dem Wuppertaler Professor Dieter Wolff sind allein in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen zwanzig Jahren an mehr als 200 Schulen bilinguale Zweige eingerichtet worden. Auch öffentliche bilinguale Kindergärten scheinen seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Und trotzdem kann die Entwicklung öffentlicher bilingualer Bildungsangebote mit der steigenden Nachfrage offenbar nicht Schritt halten, während private Angebote für die meisten Familien nicht finanzierbar sind.

Auch Peggy Blocks Suche nach einer bilingualen Kinderbetreuung blieb zunächst erfolglos: „Auf den Wartelisten der bilingualen Kitas standen hunderte von Eltern. Die mehrsprachigen Freizeitangebote wie Krabbelgruppen oder die musikalische Früherziehung waren immer komplett ausgebucht. Und die Babysitterportale im Internet waren immer nur deutschsprachig ausgerichtet“. Aus ihrer Verzweiflung heraus beschloss Peggy Block vor drei Jahren ihr eigenes Angebot zu schaffen: Ein bundesweites Web-Portal, auf dem Eltern mit mehrsprachigen Kinderbetreuern direkt in Kontakt treten können.

Bilingi – das bundesweite Web-Portal für mehrsprachige Kinderbetreuung

Bilingi - das bundesweite Web-Portal für mehrsprachige Kinderbetreuung.  Foto: © bilingiSeit drei Jahren steckt Peggy Block jede freie Minute in das Projekt. Das Ergebnis: Mehr als 10.000 Nutzer sind auf dem Portal bilingi registriert. Interessierte Eltern stellen etwa die Hälfte der Nutzer dar, die andere Hälfte setzt sich aus den mehrsprachigen Anbietern zusammen – darunter Babysitter, Tageseltern, aber auch Nachhilfelehrer und Haushaltshilfen. „Fast immer sind es berufstätige Eltern, die auf diese Weise eine Entlastung suchen“, weiß Peggy Block. Sie freut sich sehr über das positive Feedback der Eltern und ist besonders stolz, dass auf der Webseite neben Englisch, Russisch oder Chinesisch auch viele kleinere Sprachen vertreten sind: „Für Sprachen wie Kisuaheli, Georgisch, Hebräisch oder Niederländisch gibt es überhaupt keine öffentlichen bilingualen Angebote. Durch eine mehrsprachige Kinderbetreuung können Eltern ihren Kindern diese Sprachen weitergeben.“

Für ihre Idee und ihr Engagement wurde Peggy Block schon mit mehreren Preisen belohnt – und mit einer englischsprachigen Babysitterin, die sie über ihre eigene Webseite gefunden hat. Einmal in der Woche spielt und plaudert das Mädchen mit Lara auf dem Spielplatz, im Schwimmbad oder im Garten. Ohne es zu merken, lernt Lara dabei Englisch.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
September 2011

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