1914/2014 – Schlachtfeld Erinnerung

Gavrilo Princip - Held Antiheld?

  • Gedenktafel, Sarajevo Gedenktafel, Sarajevo
  • Gavrilo-Princip-Brücke / Lateiner Brücke, Interview in Sarajevo
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Was sagt die Vergangenheit über die Gegenwart?

  • Folgeereignisse einer Heldentat,
    Passant in Sarajevo
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  • Land des Monologs,
    Interview in Sarajevo
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  • Fußball-EM Bosnien gegen Serbien,
    Interview in Sarajevo
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„Stupid Hero“, Interview in Belgrad

Princip wird in den Schulbüchern meistens ganz offen als Held dargestellt. Da gibt es dann ein Foto von Gavrilo Princip und darunter steht: „Ein serbischer Held“, da ist dann klar, was gemeint ist. Doch dann kommt die neue Lesart der Geschichte, und nach dieser Lesart hat Princip auch einen Fehler gemacht. Denn was er tat, rückte Serbien in den Mittelpunkt der Situation, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. Und dann kam es zu der daraus folgenden Tragödie und damit – was für die Vertreter dieser neuen Lesart das Schlimmste ist – zur Entstehung von Jugoslawien. Nach dieser neuen Lesart hat Princip einen großen Fehler gemacht. Er mag ein Held gewesen sein, denn er opferte sein Leben für die Nation, aber er hatte die Situation falsch verstanden. Er war sozusagen ein dummer Held, weil er sich für Jugoslawien geopfert hatte. Was für ein Dummkopf! Er hatte einfach nicht verstanden, worum es ging.

Im Schulunterricht, Interview in Banja Luka

Gavrilo Princip wurde in unseren Büchern als Held bezeichnet. Daran können wir uns erinnern. Womit ich persönlich, teilweise einverstanden war wenn man die politischen Hintergründe in Betracht nimmt. Aber dann, wenn man die Opfer in Betracht nimmt die es ja bei diesem Attentat gab, das war mir dann nicht so heldenhaft.

„Serbischer Terrorist“, Interview in Sarajevo

Also in Sarajewo denke ich, dass heute die Mehrzahl der Menschen denkt, dass Gavrilo Princip ein Terrorist war, ein serbischer Terrorist, und dass gleichzeitig natürlich das Attentat insofern eher negativ bewertet wird, also nicht als Befreiungsschlag oder versuch[ter] Kampf gegen österreich-ungarische Unterdrückung. In diesem Zusammenhang denke ich auch dass eine Mehrheit, oder das viele Menschen hier ein positives Bild von der österreichisch-ungarischen Zeitepoche haben von Sarajewo. Also insofern, das verbindet sich ja, also insofern dadurch dass das Attentat ja eben gegen den österreichisch-ungarischen Thronfolger war. Wobei, ich weiß jetzt auch nicht was was bedingt. Also sozusagen ob die negative Einschätzung des Attentats die positive Einschätzung Österreich-Ungarns nach sich zieht oder die positive Einschätzung österreichisch-ungarischer Zeit auch sozusagen die negative Einschätzung des Attentats nach sich zieht beziehungsweise beides in Wechselwirkung ist.

Gavrilo-Princip-Brücke / Lateiner Brücke, Interview in Sarajevo

Im damaligen Jugoslawien wurden sogar Filme gedreht, die aus dem Vorfall [dem Attentat auf den Thronfolger] eine gute Sache machen sollten: gut und wichtig für die Geschichte von Jugoslawien. Natürlich hat man die historischen Ereignisse etwas abgewandelt. Die Attentäter wurden als die Guten dargestellt, im Grunde als Helden, was sie in Jugoslawien ja auch waren. Auch diese Brücke, die aus dem 16. Jahrhundert stammt und eigentlich „Lateiner Brücke“ heißt, wurde in der Zeit von Jugoslawien in „Gavrilo-Princip-Brücke“ umbenannt. Bis heute gibt es Leute, die sie „Gavrilo-Princip-Brücke“ nennen.

Fußball-EM Bosnien gegen Serbien, Interview in Sarajevo

Aber da gab es sogar … Ich glaube, das alles passiert, weil die internationale Gemeinschaft es erlaubt. Zum Beispiel war Bosnien vor ein paar Jahren in der Ausscheidungsrunde für die Fußballeuropameisterschaft. Wir waren in der gleichen Gruppe wie Serbien. Wir spielten gegen Serbien in Serbien, in Belgrad, und führten mit 1:0. Dann rissen die serbischen Fans die Absperrgitter zu unseren Fans nieder und prügelten auf sie ein, einer wurde sogar getötet dabei. Die Serben verletzten eine Menge Leute, aber das Spiel wurde nicht abgepfiffen. Also hörte unsere Mannschaft auf zu spielen. Die serbischen Spieler machten weiter, und am Ende gewannen sie mit 2:1. Und die UEFA und die FIFA unternahmen nichts, um das alles zu verhindern. – Es gibt also noch Spannungen. Natürlich sind die immer noch da.