1914/2014 – Schlachtfeld Erinnerung

Gavrilo Princip – Held Antiheld?

  • Ein kroatischer Passant in Sarajevo
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  • Ein Passant am Ort des Geschehens, Sarajevo
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  • „So ein Trottel“, Passant in Belgrad
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  • „Der serbische Held der alten Zeit“, Passant in Belgrad
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  • „Negative Figur“, Passanten in Belgrad
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  • „Alles ist ausgelöscht, die Geschichte ändert sich“, Passant in Belgrad
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  • Revoluzzer / Held / Terrorist,
    Passant in Belgrad
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Was ist Geschichte, was ist Wahrheit?

  • Gavrilo Princip / Olympiade / Ćevapčići, Passant in Sarajevo
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  • Franz Ferdinand und Sophie Gedenkbriefmarke, Österreich Franz Ferdinand und Sophie Gedenkbriefmarke, Österreich
  • „Geschichte wird von Siegern geschrieben“, Passant in Belgrad
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  • Erinnerung an den Weltkrieg, Postkarte „Erinnerung an den Weltkrieg 1914–1915“, Postkarte
  • Was ist Geschichte, was ist Wahrheit, Passant in Belgrad
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  • „Geschichte hat sich geändert“,
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  • Sarajevo Postkarte 1941-1948-heute Postkarte Sarajevo 1914, 1984, 1992, heute
  • Geschichte im Wandel, der Erste Weltkrieg in Serbien, Interview in Belgrad
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  • KLETT–Schulbücher für Geschichte, Interview in Belgrad
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Gewinner oder Verlierer? Täter oder Opfer?

  • Im Kampf vereint, Postkarte „Im Kampf vereint!“, Postkarte
  • „Im Sieg vereint!“, Interview in Belgrad
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  • „Wir Serben sind immer die Schuldigen“, Passant in Belgrad
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  • „Freiheit für Kapetan Dragan!“, Banja Luka „Freiheit für Kapetan Dragan!“, Banja Luka
  • Das Schwarzer-Peter-Spiel, Stadtführer, Sarajevo
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  • „Der wahre Gewinner“, Interview in Belgrad
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  • „Dieser Bauer hat unser Land vernichtet“, Passant in Sarajevo
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  • „Europa wäre schon lange hier“, Passant in Sarajevo
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  • Erzherzog Franz Ferdinand Erzherzog Franz Ferdinand

„So ein Trottel“, Passant in Belgrad

Fragesteller: Hast du Zeit, auf eine Frage über Gavrilo Princip zu antworten? Wir machen ein Projekt … Was denkst du und was weißt du über Gavrilo Princip, das ist alles.
Passant: Wir stammen aus demselben Ort.
Fragesteller: Wirklich? Aus Obljaj?
Passant: Ja.
Fragesteller: Dann erzähl uns etwas mehr darüber.
Passant: Was soll ich sagen? Das Geburtshaus von Gavrilo Princip gibt es nicht mehr, es wurde abgerissen, in Brand gesetzt und so. Man weiß gar nicht mehr, wo es stand.
Fragesteller: Bedeutet er dir etwas als Mensch?
Passant: Volltrottel. Hat den Krieg angezettelt. [lacht]
Zweiter Passant: Das war bloß eine Ausrede für die.

„Der serbische Held der alten Zeit“, Passant in Belgrad

Fragesteller: […] was denken die Leute über sie, was bedeuten sie ihnen. Und was wissen Sie, ganz kurz …
Passant: Na gut. Was genau willst du wissen?
Fragesteller: Nichts [Bestimmtes] … deine Meinung … Was weißt du über Gavrilo Princip? Und deine Meinung dazu.
Passant: Na gut, über Gavrilo Princip weiß ich sehr viel. Für mich ist er ein serbischer Held, ein serbischer Held, der damals, während der Annexion Bosnien-Herzegowinas durch Österreich-Ungarn, für dieses Volk da unten gekämpft hat. Und schon allein seine Tat … etwa, dass das bloß der Anlass für den Zweiten [sic!] Weltkrieg war. Die [eigentlichen] Gründe waren natürlich ganz andere. Schon seit 1905 … Und seit dem österreichisch-ungarischen Plan, eine Passage in den Süden … Ihr Ziel war also der Zugang zum Meer, und der Weg dorthin führte über Serbien. Man musste also durch Serbien durch und einfach nur Bosnien-Herzegowina annektieren, wo damals noch mehr Serben lebten als heute. Da waren ihre Rechte sehr bedroht … Che Gevara und die anderen, das sind gewissermaßen einfach modernere Rebellen, die haben für ihre Rechte gekämpft und so. Der serbische Held der alten Zeit, das ist Gavilo Princip. So viel über diesen Mann. Nur das Allerbeste.
Fragesteller: Gut, vielen Dank.
Passant: Reicht das?

„Negative Figur“, Passanten in Belgrad

Fragesteller 1: Können wir Ihnen eine Frage zu Gavrilo Princip stellen?
Fragesteller 2: Wir arbeiten am Projekt „Hundert Jahre nach dem Krieg“, also ganz
kurz …
Passantin: Nein, lieber nicht.
Fragesteller 2: Na gut, dann eben nicht. Tschüss. [Wir fragen] die Menschen, welche Bedeutung Gavrilo Princip für sie hat und was sie über ihn wissen.
Passant 1: Na ja, ein wenig weiß ich schon … Für mich ist er … ist er … ein Krimineller … Ich denke, er ist eine negative Figur, das ist er auf jeden Fall.
Fragesteller 2: Ist Ihnen etwas über das Leben von [Gavrilo Princip] bekannt?
Passant 2: Nein. Nur ganz wenig. Ich weiß, dass er nach Belgrad gezogen ist, dort die Mittelschule besucht hat, dass er sich den Apis-Anhängern [Dragutin T. Dimitrijević, genannt ‚Apis’, war ein führendes Mitglied der ‚Schwarzen Hand’. Er wurde angeklagt, das Attentat von Sarajevo mit geplant zu haben, zum Tode verurteilt und 1917 hingerichtet.] und den anderen angeschlossen hat, und dann hat er … Mir fällt jetzt gerade nicht das richtige Wort ein für diese … wie nennt man jemanden, der gegen die Machthaber ist? Auf jeden Fall ist er eine negative Figur.

„Alles ist ausgelöscht, die Geschichte ändert sich“, Passant in Belgrad

Passantin: Was willst du uns fragen?
Reporter: Also, was wissen Sie...
Passantin: Was er getan hat?
Fragesteller: Ja.
Passantin: Er hat in Sarajevo ein Attentat auf [den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz] Ferdinand verübt … In welchem Jahr war das nochmal? Das war doch 1939, nicht wahr? Und jetzt wollen sie dem Ferdinand in Sarajevo ein Denkmal bauen, ich fasse es nicht! Hundertmal bin ich über seinen [Gavrilo Princips] Fußabdruck gelaufen, da man ihn ja auf den Gehsteig gemalt hat, also wie er losgestürmt ist, um das Attentat auf den Ferdinand zu verüben … Da gab's auch eine Tafel, da stand „Gavrilo-Princip-Brücke“. Damals hieß sie so, heute aber nicht mehr. Alles ist ausgelöscht, die Geschichte ändert sich eben.
Fragesteller: Danke schön.
Passantin: Bitte sehr.

Revoluzzer / Held / Terrorist, Passant in Belgrad

Fragesteller: Wir arbeiten an einem Projekt, da nächstes Jahr 100 Jahre seit dem Krieg vergangen sind. Wir fragen die Menschen, welche Bedeutung Gavrilo Princip für sie hat, und was sie über ihn wissen.
Passant: Das ist doch die Geschichte über den Revoluzzer-Terroristen, nicht wahr?
Fragesteller: Nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun, sondern was wissen Sie darüber und welche Bedeutung hat das für Sie, wenn überhaupt.
Passant: Na gut, eben was alle darüber wissen. Bekanntlich ist ein Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger verübt worden. Na ja, und ob ihn nun jemand historisch für einen Helden oder Terroristen hält … Zu meiner Zeit haben wir gelernt, dass er ein Revoluzzer war. Ob er den Ersten Weltkrieg angezettelt hat, das ist auch so eine Sache, die ich stark bezweifle. Wie überall geht es nur darum, einen Anlass zu schaffen. Und das hat man auch später bei vielen anderen historischen Ereignissen so gemacht, so dass… Und dass er Mitglied der Organisation „Junges Bosnien“ war … Das ist heute genauso: Wenn jemand irgendwelchen Organisationen angehört, stellt sich die Frage, ob die demokratisch, prowestlich oder terroristisch sind, [die] je nach dem, wer in der Weltpolitik gerade das Sagen hat [, beantwortet wird]. Was mich betrifft, hat Gavrilo Princip es verdient, dass diese Straße [hier] seinen Namen trägt und dass man seiner gedenkt und immer wieder über ihn spricht. Das ist alles, was ich darüber zu sagen habe.
Fragesteller: Vielen Dank, einen schönen Tag noch.

Gavrilo Princip / Olympiade / Cevapcici, Passant in Sarajevo

Fragesteller:Was wissen Sie über Gavrilo Princip?
Passant: Als gebürtiger Einwohner von Sarajevo weiß ich alles, was ich wissen sollte.
Fragesteller: Was Ihnen dazu zuerst ein und was für eine Bedeutung hat Ihrer Meinung nach dieses Ereignis für Sarajevo?
Passant: Es ist von keiner besonderen Bedeutung, es ist aber eines der Merkmale von Sarajevo. Wenn man „Sarajevo“ sagt, sagt man auch „Gavrilo Princip“, dann auch noch „Olympiade“ und das war’s. Und seit Neuestem sagt man auch noch „Ćevapčići“, das wird mit uns in Verbindung gebracht, leider.
Fragesteller: Warum leider?
Passant: Weil die Stadt nur mit den schmackhaften Ćevapčići in Verbindung gebracht wird.
Fragesteller: Nächstes Jahr ist das 100-jährige Jubiläum anlässlich des Beginns des Ersten Weltkrieges. Ist das, Ihrer Ansicht nach, ein wichtiges Ereignis für die Stadt? Wie werden sich die Menschen darauf einstellen?
Passant: Eigentlich ist es nur ein Etikett: Das Attentat in Sarajevo war der Anlass für den Ersten Weltkrieg. Ich selbst stimme dem gar nicht zu. Die Großmächte haben es so interpretiert, [aber] man hat nur einen Anlass gebraucht, genauso wie für die Aggression ein Anlass notwendig war – irgendein Mord irgendeines Hochzeitsgastes auf der Baščaršija, aber so ist das nicht.
Fragesteller: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Was ist Geschichte, was ist Wahrheit, Passant in Belgrad

Fragesteller: Wir arbeiten an einem Projekt, da geht es um 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, und wir fragen die Menschen, was sie über Gavrilo Princip wissen und was sie von ihm halten.
Passant: Ich bin in Sarajevo geboren, also sollte ich mehr über ihn wissen als der durchschnittliche Belgrader … „Junges Bosnien“, Ferdinand, schuld, dass der Ersten Weltkrieg losging … Was ist Geschichte, was ist die Wahrheit, was ist die fremde Sicht auf die Geschichte und was ist unsere Sicht …? Wie dem auch sei, ich halte ihn für eine positive Persönlichkeit.
Fragesteller: Und was wissen Sie über sein Leben?
Passant: Weniger über sein Leben, mehr über den Gefängnisaufenthalt in Tschechien, über die Folterung und die Qualen nach seiner Verhaftung, aber [eigentlich] auch nicht so viel. Es gab ja auch noch andere Akteure beziehungsweise Mittäter und Mitglieder der Gruppe „Junges Bosnien“. Unter denen gab es auch welche, die waren gebildeter als er, und die agierten aus dem Hintergrund. Es gibt Texte darüber, wer die Theoretiker der Bewegung waren, da kann man mehr darüber erfahren. Aber das ist lange her. Ist eben lange her, seit ich zur Schule gegangen bin.
Fragesteller: Gut, vielen Dank. Wenn Sie noch etwas hinzufügen …
Passant: Wie man so schön sagt: Als echter Bosnier musst du in der Gavrilo-Princip-Straße wohnen und einen Golf fahren …
Fragesteller: Und Sie leben hier?
Passant: Also, ja…

Geschichte im Wandel, der Erste Weltkrieg in Serbien, Interview in Belgrad

Dann begann der Krieg in Ex-Jugoslawien, und alles geriet wieder in Vergessenheit. Während des Balkankrieges gab es kein historisches Ereignis, nichts, was im Ersten Weltkrieg geschehen war, das als lieu de mémoire [Ort der Erinnerung] fungiert hätte. Nach dem politischen Umbruch von 2000 wurde dann der Erste Weltkrieg plötzlich negativ gesehen, denn als Ergebnis seiner Schlachten war Jugoslawien entstanden. Nach 2000 kam ein völlig neues Bild dieses Zeitabschnitts auf. Nun hieß es nämlich, all diese Schlachten seien sinnlos gewesen, der Tod von 700 000 Serben in diesem Krieg sei umsonst gewesen. Es sei politisch dumm und falsch gewesen, dass sie ihr Leben für Jugoslawien geopfert hätten. All das sei falsch gewesen usw. Nach 100 Jahren wurde plötzlich ein negatives Bild vom Ersten Weltkrieg und von den politischen und militärischen Führern der Serben während des Krieges gezeichnet, auch von Gavrilo Princip.

„Geschichte hat sich geändert“, Passant in Sarajevo

Fragesteller: Guten Tag, könnte ich Ihnen eine Frage stellen? Was wissen Sie über Gavrilo Princip?
Passant: Ach, ich weiß alles über Gavrilo Princip. Ich meine, natürlich weiß ich nicht alle Details, aber ich bin in Sarajevo geboren. Ich weiß, wer Gavrilo Princip ist, ich weiß, was geschehen ist. Ich weiß, dass das [hier] die „Lateinerbrücke“ war und später hieß sie „Gavrilo-Princip-Brücke“, jetzt ist sie wieder die „Lateinerbrücke“ …
Fragesteller: Da Sie von hier sind, was für eine Bedeutung hat dieses Ereignis für Sie?
Passant: Wissen Sie, das kommt auf die Sichtweise an. In der Zeit, als das passiert ist, hieß es, dass er für Bosnien kämpft habe. Aber, einen Thronfolger umzubringen, das ist gewissermaßen, wie soll ich sagen, es ist eine Art Faschismus …
Fragesteller: Die Geschichte hat sich also verändert?
Passant: Kommt darauf an. Für mich hat er eben doch für Bosnien gekämpft. Er hat unser Volk verteidigt, so wie es vor den Türken verteidigt worden ist.
Fragesteller: Denken Sie, dass man dieses Ereignis mit einer Jubiläumsfeier begehen sollte?
Passant: Ja, schon. Alles, was gut ist, soll gemacht werden.
Fragesteller: Vielen Dank.
Passant: Ich bin in Eile, und ich habe meine eigenen Probleme.
Fragesteller: Angenehmen Tag.
Passant: Ihnen auch, danke.

KLETT–Schulbücher für Geschichte, Interview in Belgrad

Heute gibt es keine Vorschriften mehr für Schulbücher, da herrscht völlige Freiheit. Das Ministerium gibt nur ein paar Richtlinien vor, in die Inhalte mischt es sich nicht ein. Es legt nur fest, was die Kinder am Ende des Schuljahr wissen müssen. Irgendwie arbeiten die Herausgeber und die Verlage aber trotzdem mit nationalistischen Autoren zusammen. Nehmen wir das Schulbuch Geschichte von KLETT. Den Teil über den Ersten Weltkrieg habe ich nicht gelesen, aber da heißt es zum Beispiel, dass Zoran Đinđić [serbischer Ministerpräsident 2001–2003, wurde 2003 ermordet] von einer Bande von Verbrechern umgebracht wurde. Nichts zur Rolle von Staat, Polizei, Armee und Geheimdiensten usw. Es war also nicht das Ministerium, das gesagt hätte: „Sie müssen schreiben, dass Đinđić von Kriminellen umgebracht wurde“, es war der Autor selbst. Und so ist das dann durch die Zulassung gekommen. Keine Ahnung, wie. In Kroatien gibt es gerade einen großen Skandal deswegen. Das ist typisch für unsere [wahrscheinlich: die post-jugoslawischen] Länder! Kroatien hatte die ersten guten […] Schulbücher, es gab keinerlei Vorschriften, die Lehrer konnten selbst entscheiden, mit welchem Buch sie arbeiten wollten. Das schien die demokratischste Lösung zu sein, denn schließlich, das war der Gedanke dahinter, konnte man unmöglich alle Lehrer im Land bestechen. Aber jetzt ist herausgekommen, dass man die Lehrer nach Rom eingeladen hat oder für eine Woche nach Dubrovnik. So macht man das: eine Woche Rom! Willkommen im Kapitalismus.

„Im Sieg vereint“, Interview in Belgrad

Jugoslawien war der Sieger im Kampf gegen den Faschismus. So kam es zur Vereinigung des jugoslawischen Volkes. Serben, Kroaten, Slowenier, Albaner, Montenegriner, Dalmatiner – sie alle haben den Krieg gewonnen. Wenn man sich davon absetzen will […], dann muss man auf die Uniformen des Ersten Weltkrieges zurückgreifen, denn im Ersten Weltkrieg trugen die Serben diese Uniformen. Aber so ändert man die Einstellung und die Geschichte, denn die zivile Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg war in Wahrheit eine Bewegung aller Bürger. Die Menschen haben überlebt, weil sie gemeinsam dafür gekämpft haben. Hier liegt ein entscheidender Unterschied in der Deutung der Geschichte, wenn man den neuen Staat legitimieren will, ohne zu sagen: „Der alte Staat war Unsinn.“ Aber genau das haben sie gemacht, deshalb benutzen sie diese Uniformen.

Das Schwarzer-Peter-Spiel, Stadtführer in Sarajevo

Gestern war meine Kollegin Nela mit drei Touristen unterwegs, zwei Mädchen aus Serbien und deren Kollegin aus Österreich. Als es um das Attentat und den Ersten Weltkrieg ging und um Gavrilo Princip, hat sie natürlich auch die Hintergründe erklärt. Als sie fertig war, flüsterte eins der Mädchen aus Serbien der Österreicherin ins Ohr, damit meine Kollegin es nicht hören sollte: „So ist das, erst machen die Bosnier Unsinn, und dann geben sie uns die Schuld.“ Meine Kollegin kommentierte das [mir gegenüber] mit: „So sind die Serben.“