1914/2014 – Schlachtfeld Erinnerung

Ein Seitenblick in 5 Schulbücher aus 5 Ländern

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Quellenangabe:
9 Geschichte - Lehrbuch für die 9. Klasse der Allgemeinbildenden Schule

Erscheinungsjahr: 2012
ISBN: 978-9958-18-049-1

Herausgeber/Autor: Muamer Spahić

Mit freundlicher Genehmigung der Verlage: NAM Tuzla und Vrijeme Zenica

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Das Attentat von Sarajevo: Ursache für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Im Juni 1914 hielt Österreich-Ungarn in Bosnien und Herzegowina eine Militärübung ab, der der Thronfolger Franz Ferdinand einen Besuch abstattete. Anlässlich dieses Besuchs führte ihn sein Weg auch nach Sarajevo.

Am 28. Juni 1914 versammelten sich deshalb viele Menschen auf den Straßen Sarajevos – auch Anhänger der Organisation „Junges Bosnien“ (Mlada Bosna). Mit der Unterstützung Serbiens hatte diese [anti-habsburgische Schüler- und Studenten-]Vereinigung das Attentat auf den österreich-ungarischen Thronfolger vorbereitet.

Während das Automobil, in dem Franz Ferdinand saß, in Richtung des Rathauses Vijećnica fuhr, gab es eine Explosion: Jemand hatte aus der Menschenmenge heraus eine Bombe geworfen, die ihr Ziel [den Thronfolger] aber verfehlte. [Franz Ferdinand konnte unbeschadet seine Fahrt zum Rathaus fortsetzen.] Auf der Rückfahrt … fängt der zweite Attentäter, Gavrilo Princip, Franz Ferdinand ab. Aus unmittelbarer Nähe erschießt Gavrilo Princip den Thronfolger und seine Gattin Sophie. Der Klang dieser Schüsse von Sarajevo peitschte bald um die ganze Welt.

Der österreich-ungarische Finanzminister Leon von Biliński schreibt in seinen Memoiren, dass der ursprüngliche Plan für den Besuch Franz Ferdinands in Bosnien militärischer Natur war, es dann aber kurzfristig und zunächst ohne Wissen des Thronfolgers zu einer Planänderung kam, die einen feierlichen Empfang in Sarajevo mit einschloss. ‚Der festliche Autokoroso in Sarajevo erforderte Planung: eine ausreichende Anzahl von Automobilen musste bereitgestellt werden und die Absicherung einer eine halbe Meile langen Wegstrecke war zu gewährleisten. Weder das Eine noch das Andere war geschehen …', schreibt Biliński …

Sarajevo verfügte nur über eine Handvoll Stadtpolizisten. Eine Staatspolizei gab es damals nicht. Als der Besuch des Thronfolgers näher rückte …, wandte sich der [zuständige] Polizeihauptmann an den Landeschef [von Bosnien und Herzegowina Oskar] Potiorek, und teilte ihm mit, dass er mit seinen 30 bis 40 Polizisten nicht in der Lage sei, für die Sicherheit … auf der langen Strecke von der Tabakfabrik bis zum Rathaus zu sorgen, weshalb er Unterstützung durch Militäreinheiten benötige. Die Antwort von Landesschef Potiorek lautete, aufgrund der Manöver sei kein Militär in der Stadt stationiert, und es ließen sich auch nicht rechtzeitig Einheiten nach Sarajevo verlegen. Daraufhin schlug der Gendarmeriechef von Bosnien, General Šnjarić, vor, einen Gendarmeriekordon entlang der Fahrtstrecke zu bilden, doch Potiorek lehnte auch diesen Vorschlag ab … Mit dieser Entscheidung lieferte man [den hohen Besuch regelrecht] der Straße als leichte Beute aus.

Aufgabe: Stelle dar, wie die Vorbereitungen für die Ankunft Thronfolger [Franz] Ferdinand in Sarajevo gelaufen sind.

Die serbische Zeitung „Politika“ brachte in ihrer Ausgabe vom 16. Juni [sic!] 1914 die Nachricht über das Attentat in Sarajevo Unter zahlreichen Informationen über dieses Ereignis haben wir die hervorgehoben, die sich auf die Sicherheitsmaßnahmen für den Thronfolger bezieht:

„In Sarajevo selbst wie auch in dem gesamten Gebiet, in dem sich [Franz] Ferdinand bewegte, wurden die strengsten polizeilichen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz des Thronfolgers getroffen. Schon zwei Wochen zuvor wurden Verhaftungen vorgenommen. Und bereits zehn Tage vor dem Ereignis wurde damit begonnen, den Weg, den der Thronfolger zurücklegen würde, Meter für Meter abzusichern …“
(„Politika“, 16. Juni 1914, Belgrad)

Aufgabe: Vergleiche diesen Text und den vorhergehenden: Welcher von beiden ist deiner Meinung nach glaubwürdiger? Warum unterscheiden sie sich so stark?

Beginn und Ausweitung des Krieges

Österreich-Ungarn sah in Serbien den Hauptverantwortlichen für das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 und stellte dem Land ein Ultimatum, dem innerhalb von 48 Stunden nachgekommen werden musste. Serbien akzeptierte das Ultimatum, mit Ausnahme der Forderung, dass österreich-ungarische Ermittler auf serbischem Hoheitsgebiet Ermittlungen bezüglich des Attentats durchführen sollten. Also erklärte Österreich-Ungarn am 28. Juli 1914, genau einen Monat nach dem Attentat in Sarajevo, Serbien den Krieg.