Wagnis der Erinnerung

Nicossienses

  • Auszug: Gelesen auf Griechisch von der Autorin
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  • Auszug: Übersetzung auf Deutsch
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Eine Erzählung und Lyrik der zypriotischen Schriftstellerin Niki Marangou in einer Übersetzung aus dem Griechischen von Niki Eidenmeier. Das Gedicht wurde von Ingrid Parth-Dombros übersetzt.

Nicosia, meinte Christophoros, hat eine Spannung, welche die Green Line verursacht.

Alle, die diesseits sind, möchten unheimlich gern nach drüben gehen, und alle die dort sind, wollen hierher kommen. Das schafft in der Stadt eine Leidenschaft. Die Stadt hat eine Beziehung zu Konstantinopel und zu Thessaloniki und gar keine zu Athen.

Wir saßen auf der Dachterrasse von Konstantis, und ringsum breitete sich die Stadt aus, die zwei Geschäftsstraßen, einige Baumgruppen mit Palmen, die Hagia Sophia – die Heilige Weisheit Gottes – mit den zwei hohen Minaretten wurde von einigen neuen Gebäuden verdeckt.

»Sie war eine so bedeutende Kirche«, warf ich ein, »dass hier die Krönung der Könige von Jerusalem und Zypern stattfand – REGES HIERUSALEM ET CYPRI«.

Deutlich hörte man die Stimme des Imam. Es war Sonntag und die Straßen waren leer. Nur manche Konditoreien hatten auf, und einige Passanten schauten sich die Schaufenster der Läden in der Fußgängerzone an. Ein riesiger Mond ging auf wie eine runde Wassermelonenscheibe.

Ich kam im Alter von vier Jahren in Nicosia an. Damals, als die Klinik fertig wurde, die mein Vater neben dem Krankenhaus gebaut hatte. Mit meinem Fahrrad sauste ich den unendlich langen Korridor rauf und runter. Der Umzug von Limassol nach Nicosia verursachte sogar mir, einem Kind, Unbehagen. Eine geschlossene Gesellschaft der Staatsbeamten und Kolonialkräfte, völlig anders als das Limassol der Genießer und der Händler. Ich habe ganz wenige Erinnerungen aus dieser Zeit, wogegen ich von Limassol jede Ecke beschreiben könnte. Die Empfänge im Regierungsgebäude, der Geburtstag der Königin, die Festkleider meiner Mutter, all das ersetzte die fröhlichen Abende in Limassol um den großen viereckigen Tisch in der Küche.

In der Grundschule war meine Phantasie von den Kämpfen der EOKA1 gegen die englische Besatzung beflügelt. Ich litt sehr darunter, dass meine Eltern eine englische Gouvernante nach Hause brachten, und ich hielt sie deshalb für Verräter.

Nicosia lernte ich später kennen, in den 60er Jahren, als ich, nunmehr in der Pubertät, mit meinem Fahrrad in der Stadt umherfuhr.

Wir wohnten neben dem Fluss, in einer Gegend mit großen Bäumen, Eukalypten und Palmen, dem türkischen Stadtteil sehr nahe. In den türkischen Stadtteil gingen wir täglich, Mutter und ich, denn dort war die Markthalle und die Hauptpost, wo wir Vaters Briefe aus seinem Postfach abholten. Mir gefiel der türkische Stadtteil sehr, seit meiner Kindheit hatte ich eine besondere Liebe für die alten Gebäude entwickelt, für die Geschichte, und so fand ich verschiedene Anlässe, um immer wieder dorthin gehen zu dürfen. Von der Kirche Hagia Sophia aus verliefen strahlenförmig die Straßen mit den Läden der verschiedenen Zünfte. Kleine Lädchen mit Kuppeldächern, und die Ware aufgehängt an der Wand mit Nägeln oder auf Regalen. Der Meister saß vor einem niedrigen Tischchen und werkelte. Die Bettenmacher schufteten an bunten Bettdecken und Kissen, rosafarben, lila, orangefarben, türkischartig sagte meine Oma, wenn ich ein zu buntes Kleid trug. Weiter unten begannen die Schusterläden, die Schuster mit ihren langen Latzlederschürzen und bunten Pantoffeln. Die Halvahersteller, mit Riesenstücken Halva vor sich, in denen Messer steckten, die Gasse mit den Schmieden, die Gasse der Tuchmacher. Mit meiner Mutter gingen wir in die Markthalle. Ein Geruch, gemischt aus geräuchertem Rindfleisch, dem Pasturma, Käse, Blumen. Fleisch kaufte sie immer von Hasan, der das beste hatte, Fisch bei Andreas und Gemüse da, wo sie es am frischesten fand. Sie alle kannten mich mit meinem Namen und schenkten mir ein Ringelchen oder davon, was das Geschäft anbot. Sowohl die Türken als auch die Armenier redeten alle Griechisch.

Vater war sehr streng. Ich durfte nur für meine Unterrichtsstunden aus dem Haus. Selbst ins British Council ging ich heimlich. Unter dem Vorwand also, dass ich irgendwelche Stunden hatte, entwischte ich, und der Weg brachte mich oft in den türkischen Stadtteil. Ich entdeckte viele Möglichkeiten des Unterrichts, um raus zu kommen. Ich machte auf der Victoriasstraße eine Armenierin ausfindig, die mir Maschinenschreiben und Steno beibrachte. Ihre Mutter saß am Fenster und verfolgte den Straßenverkehr. Ihrem Haus gegenüber war die armenische Kirche der Gottesmutter von Tyros. Damals hatte ich das Buch von Gunnis2 gekauft, worin ich las, dass es dort auch ein Salzlager gegeben habe. Im Jahre 1571, als Nicosia von den Osmanen belagert gewesen war, halfen die Armenier den Osmanen, weil sie die Lateiner hassten, und die Osmanen überließen ihnen die Kirche, als die Stadt in ihre Hände fiel. Ich las das Buch und stellte mir vor, ich wäre eine Archäologin und entdeckte voller Begeisterung diese Inschrift hier, jene Grabplatte dort …

Auf der Straße der Goldschmiede waren rechts und links kleine Geschäfte mit verkümmerten Schaufenstern. Die Ware des Goldschmieds befand sich meistens in englischen Blechdosen für Biskuits, die ich stundenlang umwühlte. Ich fand darin eine Brosche, die eine Hand mit einer Blume darstellte, oder ein Ohrgehänge aus jenem Gold der Zeit der Osmanen, das mit viel Kupfer vermischt war, wie auch manche rote Steinchen, die man »selania« nannte, wohl aus Ceylon; und all das war so spottbillig, und ich kaufte sogar etwas, wenn es mir mein Wochentaschengeld erlaubte. Mich beeindruckten jene Kettchen mit den daran gehängten Silberschächtelchen, die irgendwelche kleine Papierchen in arabischer Schrift enthielten und die, wie mir ein Goldschmied erklärte, für die Kopfsteuer bestimmt waren, eine Steuer, die damals die Türken den Griechen der Insel auferlegten, und wenn jemand diese Steuer nicht bezahlte, wurde ihm der Kopf abgeschnitten. Auf diesen Schachteln waren Szenen vom Kopfabschlagen abgebildet; ich schaute sie mir lange Zeit an, aber ich habe niemals eine gekauft. Jahre später sah ich in einem Museum eine solche Schachtel. Sie stellte Johannes den Täufer dar. Die Geschichte mit der Kopfsteuer könnte also ein Märchen gewesen sein. Eins dieser Märchen, die in sehr alten Städten entstehen. Es gab auch viele silberne Eheringe; viele Frauen haben in der Kriegszeit des Jahres ’40 ihre goldenen Eheringe abgegeben und bekamen dafür silberne, worauf geschrieben stand »BEFR. KAMPF 1940«. Die meisten Goldschmiede waren Griechen, die nach 1963 von dort weggegangen sind und sich in alle Winde verstreuten. Einen von ihnen, Eteokles, traf ich Jahre später. Er hat versucht, das Geschäft wieder aufzumachen, doch es hat sich nicht gelohnt; man brachte nun fertigen Schmuck von auswärts, und Handgemachtes wurde nicht mehr gekauft. So machte er eine Taverne auf, aber was heißt hier Taverne! Eine kleine Theke war sie, in einem alten Haus, wo er mit seiner spanischen Frau wohnte. Er ist zum Alkoholiker geworden.

Als die Zeit der ersten Flirts mit den Jungen kam, fanden die ersten Verabredungen auf den Kuppeln der Hagia Sophia statt. Ich stieg die schmale Treppe des Minaretts hinauf, und ganz Nicosia breitete sich vor meinen Füßen aus bis an die Bergkette des Pentadaktylos. Vom einen Minarett galoppierte Sindbad der Seefahrer und vom anderen entschwebte Jane Austen. Ich las unaufhörlich.

Ich ging weiterhin in den türkischen Teil, sogar noch als Wachtürme auf beiden Seiten gebaut wurden. Ein junges Mädchen mit einem Fahrrad; niemand dachte daran, mich aufzuhalten.

Die Demarkationslinie teilte die Stadt genau in der Mitte, auf der Hermesstraße. Es war die Gegend, die meine Mutter und ich täglich passierten, es gab unendlich viele lang gestreckte Läden mit Glaswaren, Tellern, Trinkgläsern, Spielsachen, ein Wasserfall der Farben, die ersten Plastiksachen, die mich mit ihren Farben entzückten, Blechschüsselchen aus China mit bemalten Fischen. Die Gegend vereinsamte, die Geschäfte wurden woandershin verlegt, ganz verstreut, am Kafenio Spitfire kann man kaum noch die Aufschrift lesen, eine alte Vespa in einem vermoosten Schaufenster, Sandsäcke, Schützengräben.

Aus Nicosia bin ich 1965 weggegangen. Der Weg führte mich nach Berlin zum Studium, dort erlebte ich ein anderes Nicosia: die Sehnsucht danach. Als ich 1970 zurückkehrte, fand ich eine recht veränderte Stadt vor, aber auch ich hatte mich verändert, ich war aus meinem Fahrwasser geraten, ich konnte nunmehr weder schreiben noch malen. Ich schrieb Artikel in Zeitungen »Über die neuen Tendenzen des europäischen Sozialismus«, aber ich war angesteckt von der nordeuropäischen Traurigkeit. Ich hatte meine Stifte verloren. Einzig die schwülen Mittage von Nicosia halfen mir, mich zu erinnern, wer ich war. Die Untätigkeit und die Palmen am Horizont. Und das Meer.

Vor der Invasion von 1974 war Nicosia fast eine Stadt am Meer. In zwanzig Minuten warst du am Meer, das Auto stieg den Berg hinauf, und die Straße fiel senkrecht nach Kerynia ab, zum Meer; einem Zaubermeer. Oft schließe ich die Augen und mache im Traum diese Reise zum Meer. Es sind nun sechsunddreißig Jahre vergangen. Um zu einem vergleichbar würdigen Meer zu gelangen, brauchst du heute zweieinhalb Stunden. Das Meer ist aus dem Alltag der Stadt verschwunden. Wenn ich nach Norden zum Pentadaktylos, der das Meer versteckt, schaue, sehe ich eine riesige türkische Fahne am Berghang gezeichnet. Ich vermeide es, nach Norden zu schauen.

Ich gehe oft in die Altstadt, in die verbliebene, halbe. Alle Wege führen zu Wachttürmen. Ich laufe die Ledrasstraße hinunter, die alte Hauptgeschäftsstraße, die zu einer Fußgängerzone geworden ist. Im Hintergrund schimmern die Minarette der Hagia Sophia, die während des Ramadans mit bunten Lampions miteinander verbunden werden. Die Phaneromeni-Kirche; das Emerke-Hamam, das Bad im Viertel mit den Bordellen. »Emerke« hat seinen Namen von dem benachbarten Ömeriye Cami, der Moschee, bekommen, das bedeutet Heiligtum des Ömer Kalifen. Das ehemalige Klostergebäude der Augustiner–Mönche wurde zu einem heiligen Ort der Muslime, als hier, nach einer alten Überlieferung, der Kalif Omar einmal übernachtet hatte. Aber auch für die Lateiner war das Kloster ein heiliger Ort. Alte Chronisten berichten, dass dort der unvergängliche Leib von John Montfort begraben sei. Er ist im Sommer des Jahres 1248 in Zypern gelandet, zusammen mit dem Heiligen Ludwig, um den Kreuzzug zu den Heiligen Orten vorzubereiten. Sie blieben auf Zypern den Winter über, und eine Epidemie hat das Heer weggemäht. Der Heilige Ludwig verlor dabei über 250 seiner Ritter. In jenem Winter ist auch John gestorben und man hat ihn im Kloster der Augustiner begraben. Es wird sogar erzählt, dass eine deutsche Reisende, die auf dem Weg aus dem Heiligen Land eine Nacht des Gebets beim Heiligen verbrachte, ein Stück aus seiner Schulter abgebissen habe, um es als heilige Reliquie mitzunehmen. Ihr Schiff aber habe den Anker nicht lichten können, bis sie ihre Tat gestanden und das Stück Fleisch zurückgebracht hatte, das sofort mit dem toten Leib zusammengewachsen sei.

Nicosia ist voller solcher Geschichten wie alle alten Städte, die die Erinnerungen in schichtenartigen Ablagerungen bewahren. Etwas weiter abwärts ist das Herrenhaus des Dragomanen Chatzigeorgakis Kornessios. Die Altstadt schmückt eine Reihe alter, herrlicher Kirchen mit Ikonen von besonderer Schönheit. Oft war am unteren Rand der Ikonen das Portrait des Stifters abgebildet: holländische Händler, lateinische Frauen mit Spitzen, wunderschöne tote Mädchen in purpurroten Kleidern mit auf der Brust gekreuzten Händen, Kinder mit kuriosen Hüten. In diesen Kirchen finden in der Karwoche ergreifende Gottesdienste statt, mit Epitaphen, die die Mädchen mit Rosen und Blumen aus der Nachbarschaft schmücken, uralte Sitten des Adoniskultes in Erinnerung rufend. Nur in der Altstadt verfolge ich gern die Gottesdienste der Osterzeit. Da versammeln sich alle. Der Mann mit dem altgriechischen Profil schaut sich die Sechsflügeligen Cherubim an, die Römer, die fränkischen Frauen mit dem Haarnetz auf dem Kopf, die Sarazenen, die Kopten, die Nestorianer, Markos den Diakon, das Schwarz tragende junge Mädchen, den Theologen mit dem altmodischen Anzug, alle verzückt mitten in Gold und Samt »aus Furcht vor den Agarenern«.

Das Kreuz des Misirikos, eine Moschee, die sich etwas weiter unten befindet, zeigt das heillose Durcheinander, das diese Stadt ausmacht: Eine alte byzantinische Kirche des Heiligen Kreuzes, mit gotischen, italienischen und fränkischen architektonischen Elementen; »des Misirikos«, bedeutet vielleicht »aus Misir«, aus Ägypten also, und mit Minarett!

Die Bewohner sind aus den Häusern, die an die Green Line angrenzen, fortgezogen, diese Linie, die die Stadt entzweit. So sind diese Häuser zu Werkstätten geworden, Gabriilis der Blechschmied, das Lager von Petros dem Straßenhändler, der dort seine Wägelchen aufbewahrt, um sie morgens je nach Jahreszeit zu beladen, mit Zitronen, Melonen, Osterkerzen, daneben hackt der einarmige Pavlos Holz, Stephanos der Bademeister und Herr Spyros, der Schuster. Auf der Außenwand mit Ölfarbe das Wort »SEVASMOS«, Respekt.

Abends leeren sich die Straßen, und wer auf den Mauern mit den Palmen weilt, ahnt im Graben das Meer oder zumindest einen Fluss, doch Nicosia hat keine Wasseroasen, welche die Sommerhitze der Messaoria mildern könnten, dieser Ebene, die sich um die Stadt herum ausbreitet, gelb die meiste Zeit des Jahres. Und es ist in der Gluthitze des Sommers die Zeit, in der mir Nicosia am besten gefällt, wenn abends ein lauer Westwind aufkommt und die angesengte Stadt aufatmet. Alle gehen dann in die Gärten hinaus und auf die Balkone.

Als am Anfang des 20. Jahrhunderts Nicosia so groß wurde und es innerhalb der Mauer aus allen Nähten platzte, wurden die ersten Viertel außerhalb der Mauern gebaut. Schöne klassizistische Häuser, solche im Kolonialstil mit prächtigen Gärten. Das sind auch die schönsten Gegenden der Stadt, die glücklicherweise erhalten geblieben sind. Denn die neuen Gegenden, welche die letzten Jahre bebaut wurden, haben es nicht geschafft, zu wohnlichen Vierteln zu werden. Während der letzten Jahre ist viel Geld nach Nicosia geflossen. Nach der Invasion sind viele Zyprer, die Haus und Arbeit verloren hatten, in die arabischen Länder gezogen, haben dort hart gearbeitet, kehrten zurück und erbauten den Ort neu. Man sieht den Reichtum in diesen neu sich ausbreitenden Gegenden deutlich. Häuser, deren Besitzer sich von Fernsehsendungen anregen ließen und sich – sobald sie in ihnen wohnten – unwohl darin fühlten. Diese Gegenden sind farblos, die neuen Häuser mit prunkenden Säulen und Swimmingpools könnten überall und nirgends stehen.

Denn es ist die alte Stadt, die mich bestimmt, und das Gefühl der Geschichte, das jede grasbedeckte Wand mit sich trägt. Da habe ich auch das Gefühl der geographischen Lage von Nicosia zum Osten hin. Und je mehr die Jahre vergehen, desto weniger empfinde ich die Not wegzureisen, ich, die eine passionierte Reisende war. Es gibt Stunden, in denen ich glaube, dass die ganze Welt sich in meinem Garten eingefunden hat, dort wo ich Rosen pflanze.

In Gesellschaft der grünen Blattraupe und der Kieferspinne
pflanzte ich heuer Rosen im Garten
statt Gedichte zu schreiben.
Die hundertblättrige vom Trauerhaus in St. Thomas,
die sechzigblättrige, die Midas aus Frygien brachte,
die Banksiane, die aus China kam,
Triebe der einzigen Mouchette,
die in der Altstadt überlebte,
doch vor allem die Rosa Gallica,
von den Kreuzrittern herübergebracht,
die auch Damaskusrose genannt wird,
mit ihrem herrlichen Duft.
In Gesellschaft der grünen Blattraupe und der Kieferspinne
aber auch der Feldgrille, des Bienenwolfs und der vierfleckigen Libelle,
dem Puppenräuber, dem Goldkäfer und der
Gottesanbeterin, die alles frisst,
teilen wir uns Gräser, Blätter und Himmel
in diesem unvorstellbaren Garten
wo alle, sie und ich
auf der Durchreise sind.

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1 EOKA: Nationale Organisation der Zyprischen Freiheitskämpfer.

2 Rupert Gunnis: Historic Cyprus – A Guide to its Towns and Villages, Monasteries and Castles (1936).

 

© Niki Marangou
Niki Marangou aus Zypern
Niki Marangou, geb. 1948 in Limassol / Zypern, gestorben 2013. Studium der Soziologie in West-Berlin (1965-70); arbeitete zunächst als Dramaturgin im zypriotischen Staatstheater; auch als Malerin tätig, nahm an zahlreichen Ausstellungen in Zypern und im Ausland teil; unter anderem übersetzte sie 1999 das Werk von Joachim Sartorius „Alexandria”; freie Schriftstellerin (Erzählungen, Romane, Gedichte, Märchen); zahlr. Buchveröffentlichungen u.a: , Είναι ο πάνθηρας ζωντανός, Roman (Athen 1998), Selections from the Divan, Gedichte (Nikosia 2001), Γιατρός από τη Βιέννη, Roman (Athen 2003), Divan, Gedichtanthologie (Athen 2005), Ο Δαίμων της πορνείας, Erzählungen (Athen 2007); in deutscher Übersetzung liegen vor: Und sie feierten Hochzeit vierzig Tage und vierzig Nächte lang, Märchen aus Zypern (Köln 2001), Von Famagusta nach Wien, Die Geschichte eines Arztes aus Zypern, Roman (Klagenfurt 2008). Sie erhielt unter anderem den Preis der Athener Akademie für Dichtung (2006) und den Kavafi-Preis (1998).

 

Eine Übersetzung von Niki Eideneier
Niki Eideneier, geb. 1940 in Kilkis / Griechenland; in den 60er Jahren Studium der griechischen Philologie  und Byzantinistik in Thessaloniki und München. Seit 1964 Arbeit für das griechische Programm des Bayrischen Rundfunks, der sich gegen die  Militärjunta Griechenlands richtete. Seit Mitte der 70er Jahre Lehrbeauftragte für neugriechische Sprache und Literatur an der  Universität Frankfurt am Main. Übersetzung griechischer Schriftsteller  wie Giannis Ritsos, Vassilis Alexakis, Manolis  Anagnostakis, Jorgos Chimonas, Alekos Fassianos  ins Deutsche und deutschsprachiger Schriftsteller wie Peter Handke, Günter Grass, Ingeborg Bachmann und Sevgi Özdamar ins Neugriechische. 1982 Gründung des Romiosini Verlags für griechische Literatur in deutscher Sprache. 1998 Verleihung des türkisch-griechischen Preises Abdi-Ipekci für Frieden und Völkerverständigung an sie und Arzu Toker für die Herausgabe des dreisprachigen Lesebuches Kalimerhaba.

 

Eine Übersetzung (Gedicht) von Ingrid Parth-Dombros
Ingrid Parth-Dombros, geb. 1940 in Rostock/Deutschland als Tochter des Schriftstellers und Journalisten Wolfgang W. Parth; Studium der Malerei und Kunstgeschichte in München und Arbeit als Redakteurin bei der Münchner Zeitschrift MADAME heiratete 1961 den griechischen Diplomingenieur und Schriftsteller Apostolos Dombros; lebt seit 1964 in Athen; 1984 Veröffentlichung einer Sammlung ihrer Kurzgeschichten unter dem Titel Ρίζες και κλαδιά (Wurzeln und Zweige); Auszeichnung einiger ihrer Geschichten mit Literaturpreisen von PARNASSUS und anderen Literaturgesellschaften; arbeitet als Übersetzerin von Poesie und Prosa vom Griechischen ins Deutsche und umgekehrt; gründete mit ihrem Mann 2005 in Kenia das Hilfswerk GREEK COMMITTEE FOR EDUCATION OF KENYAN YOUTH, KOSTAS DOMBROS und verbringt jedes Jahr 4 Monate in Afrika.