Krieg und Frieden

Die osmanische Armee im Ersten Weltkrieg

„Die Bedingungen für den Nachschub – vor allem an der Ostfront, die vom Schwarzen Meer, Trapezunt und bis zum Vansee führte, also gut 900 Kilometer lang war, ungeheuer lang also – waren fürchterlich, es gab keine Straßen, keine Eisenbahn, der Munitionsnachschub, der Proviantnachschub, alles war schwierig. Man darf auch nicht vergessen, dass im Ersten Weltkrieg Pferde noch überaus wichtig waren, alles Material musste mit Pferden transportiert werden.

Nachdem die Armee des Zaren in der ersten Woche des Jahres 1915 mit ihrer blutigen Attacke begonnen hatte, wurde die Lage sehr, sehr schwierig. Und dann begannen die Leute von der Front zu fliehen. 2,8 Millionen Männer waren ausgehoben worden, mobilisiert worden, und während des Krieges hat sich eine halbe Millionen davon von der Front abgesetzt.

Diese Deserteure nahmen auf der Flucht ihre Gewehre mit; deshalb bildeten sich noch während des Ersten Weltkriegs in Anatolien verschiedene chetes, Banden, die raubten, sich bekämpften, Zivilisten töteten, stahlen. Dazu noch die Deportation von 1,5 Millionen Armeniern in die syrische Wüste und die Massaker an ihnen: Man kann sich vorstellen, was für ein Inferno in Anatolien herrschte.“

 

 

Ayhan Aktar ©  Anemon Productions
Ayhan Aktar
lehrt an der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Istanbuler Bilgi-Universität. Seit 1991 hat er sich schwerpunktmäßig den Beziehungen zwischen Staat und Minderheiten in der Neueren Geschichte der Türkei gewidmet. Seine weiteren Forschungen umfassen Türkei- und Mittlerer-Osten-Studien, die Genozid-Forschung, den türkischen Nationalismus, die Frühphase der Türkischen Republik, Gallipoli und den Ersten Weltkrieg.