Elfriede Jelinek: Porträt

Wie keine andere deutschsprachige Autorin ist Elfriede Jelinek seit den frühen achtziger Jahren zu einem „Medienereignis” gemacht worden. Zahllose Gespräche, Interviews, gepaart mit Elfriede Jelinek-Bildern und Zitaten, Porträts, fotografisch oder filmisch, traten neben das Werk. Die Medien des vermeintlich Authentischen wurden gleichsam zu einer zweiten Ebene der Äußerung, die von Jelinek hochbewußt gehandhabt wird. ...

Anfang der achtziger Jahre wurden Künstlerinnen und die Bedingungen, unter denen sie Kunst schaffen, zu einem zentralen Thema im Werk Jelineks. 1983 erschien der Roman „Die Klavierspielerin”, mit dem Elfriede Jelinek zur „Erfolgsautorin” und zum umstrittenen Star der Literatur-Feuilletons wurde. Aufsehen erregte die präzise Darlegung eines neurotischen Mutter-Tochter-Kriegs, in dem die Tochter einseitig zur künstlerischen Hochleistung gezwungen und gleichzeitig als sexuelles Wesen unterminiert wird.

Vom Erscheinen dieses Romans an war das Interesse der Medien an der ,Privatperson’ Jelinek geweckt. Ausgehend von einer kolportagehaften Verkürzung des Inhalts wurde die persönliche, vermeintlich authentische Stimme der Autorin befragt und präsentiert.

Jelineks frühe Texte, die in der Hochzeit studentenbewegter Rede am Ende der sechziger und in der ersten Hälfte der siebziger Jahre entstanden, werden der Pop-Literatur zugeordnet und übernehmen vieles aus der experimentellen Literatur insbesondere der Wiener Gruppe um H. C. Artmann, Gerhard Rühm, Oswald Wiener, Konrad Bayer und Friedrich Achleitner. Elemente der Trivialkultur, des TV-Kitsch, des Pop, des Comic gehen eine hemmungslose Mixtur ein, die der gespenstischen Unwirklichkeit einer massenmedialen Konsumgesellschaft gilt.

„Die Liebhaberinnen” ist das erste Buch Jelineks, das ein großes Lesepublikum fand. Es gilt, neben Christa Reinigs ein Jahr später erschienenem Roman „Entmannung”, als das wohl einzige ästhetisch ernst zu nehmende literarische Werk der ,neuen’ Frauenbewegung, die damals auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung war. Das Buch war heftig umstritten. Zum einen wurde es ob seiner sprachlichen, kompositorischen und analytischen Brillanz gerühmt und mit Preisen bedacht, zum anderen wurden dem Buch und seiner Autorin, vor allem aus Kreisen der frauenbewegten Leserschaft, fehlende Solidarität mit den Figuren, „Zynismus” und eine besondere „Kälte des Blicks” vorgeworfen.
Mit freundlicher Erlaubnis des Verlags aus dem
„Kritischen Lexikon der Gegenwartsliteratur“ entnommen.
© edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG

Elfriede Jelinek im Bibliothekskatalog

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