Heiner Müller: Porträt

Den ersten dramatischen Texten von M., denen Herkunft und Geschichtsauffassung den Eintritt in den Kulturbetrieb der gerade gegründeten DDR erleichterten, war in den 50er und Anfang der 60er Jahre rascher Erfolg beschieden. Seine frühen Stücke, die teilweise in der Tradition des agitatorischen und didaktischen Theaters standen und deutlichen Brecht-Einfluß zeigten, begleiteten problem-, nicht lösungsorientiert, den Aufbau der sozialistischen Produktionsgesellschaft in den ersten Nachkriegsjahren … M. zeigte Furcht und Schrecken, um zu schockieren, und wollte über den Schock - und nicht wie bei Brecht durch kritische Distanz und Reflexion - zum Lernen anregen. Dieses Prinzip war bei M.s gesamter Theaterarbeit durchgängig.

Mit zwei umfangreicheren "Geschichten aus der Produktion", die M. Anfang der 60er Jahre zur Inszenierung anbot … hatte er dann die Grenzen des Erlaubten im DDR-Literaturbetrieb endgültig überschritten: …

Zwischen dem Mythos eines end- und aussichtslosen Kreislaufs der Gewalt und der Utopie einer Revolution, die jenen Alptraum beendet, oszillierten M.s Texte - Werke und Gegenwerke im dramatischen Dialog - seit Anfang der 70er Jahre . …Als markantes Beispiel gilt die Tragödie "Mauser" (1970), die sich in vielfältiger Weise auf Brechts Lehrstück "Maßnahme" bezog. In der Folge löste sich M. von dieser Dramenform und wich auf bekannte mythische Stoffe aus der Antike aus. Diese Hinwendung zu Adaptionen von Stoffen der Antike und damit zu einer synthetischen Herstellung von Fragmenten begründete M. mit der Kritik der SED an seiner Arbeit und dem Aufführungsverbot. M. entwickelte eine sinnlich bedrängende, den Zuschauer schockierende Bildsprache, zu deren Paten er Antonin Artands "Theater der Grausamkeit" erklärte, und löste sich zunehmend von der überlieferten Form des Dramas.

Die DDR hatte mit "Heiner, le diable" (Peter Hacks), über den sie zeitweise ein Berufsverbot verhängte, ihren Frieden längst gemacht. 1986 wurde er mit dem Nationalpreis 1. Klasse ausgezeichnet, und die offizielle Anerkennung schlug sich auch in der Bühnen- und Veröffentlichungspraxis nieder. Im Westen war M. seit Jahren schon meistgespielter zeitgenössischer Dramatiker
Mit freundlicher Erlaubnis des Verlages dem
„Munzinger-Archiv/Internationales Biographisches Archiv“ entnommen

Heiner Müller im Bibliothekskatalog

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