Wirkung

Wie viele deutsche Philosophen marxistischer Orientierung hat Marcuse das philosophische Geschäft zunächst bei den gar nicht marxistischen Schulen der deutschen Geistestradition am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gelernt, im Falle Marcuses, in der phänomenologischen Werkstätte Edmund Husserls und beim Fundamentalontologen Martin Heidegger. Unter dem Eindruck der Werke von Hegel und Marx wandte er sich der marxistischen Gesellschaftstheorie zu und kam zunächst in Max Horkheimers Institut für Sozialforschung unter, mit dem er 1934 ins amerikanische Exil ging.

Seine akademische Karriere begann erst richtig in den USA. Vor allem die Verknüpfung der marxistischen Gesellschaftskritik mit Elementen der Psychoanalyse Sigmund Freuds hat ihn als Leitfigur für die Theorien der Protestbewegung der “68er-Studenten” attraktiv gemacht. Seine Kritik der Industriegesellschaften beiderseits des “Eisernen Vorhangs” und seine Ablehnung kapitalistischer Repressionsmechanismen sowie sein Eintreten für die Öffnung der Gesellschaft für Lustprinzip, Kreativität und eine “Neue Sensibilität” boten wirkungsvolle Sätze für Aktionsprogramme und den Protest auf der Straße. Innerhalb der Theorie freilich führte seine uneinheitliche Begrifflichkeit kaum weiter. Seine Sprache hatte den Hang, mehr Jargon als Inhalt zu sein, und sein Verfahren, Hegelsche Termini auf die bestehenden Verhältnisse anzuwenden, wurde weder dem Instrumentarium Hegels gerecht noch war es geeignet, die “Tatsachen” im Hegelschen Wortsinn “auf den Begriff zu bringen”.

Text: Ulrich Sand

Herbert Marcuse im Bibliothekskatalog

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