Lern- und Erinnerungsorte

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora / Foto Petra Vidović
von Joachim König

Foto Damir ŽižićDie Gedenkstätte Buchenwald gehört zur von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Thüringen zu gleichen Teilen finanzierten Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Der Ort ist heute zugleich Friedhof, Verbrechensbeweis, Trauer- und Erinnerungsstätte für die Opfer und ihre Angehörigen, zeithistorisches Museum sowie ein Ort der außerschulischen historisch-politischen Bildung für Jugendliche und Erwachsene.
Dabei ermöglichen Ausstellungen und pädagogische Materialien die Beschäftigung vor allem mit dem nationalsozialistischen Konzentrationslager Buchenwald 1937-1945 und den dort begangenen Verbrechen, sowie mit den Themen des sowjetischen Internierungslagers „Speziallager Nr. 2“ 1945-1950 und der Erinnerungskultur (zu Zeiten der DDR und aktueller nach der deutschen Wiedervereinigung).

Historisch-politische Bildungsarbeit

In der historisch-politischen Bildungsarbeit realisiert die Gedenkstätte Buchenwald ein breites Angebotsspektrum. Es reicht vom Verleih von Multimediaguides zur selbständigen Erkundung des ehemaligen Lagergeländes über Überblicksführungen für Einzelbesucher und Gruppen bis hin zu Tagesprojekten und mehrtägigen Projekt- und Seminarveranstaltungen mit deutschen und zunehmend internationalen Gruppen. Dabei werden entsprechend der Interessen der Besuchergruppen und in enger Abstimmung mit ihnen differenzierte, adressatenspezifische Bildungsprogramme realisiert. Ausgangspunkt für das historisch-politische Lernen ist der historische Ort, sind die Lagerüberreste, die durch Zeitzeugenberichte, Originaldokumente, Sammlungsgegenstände und weitere anschauliche Materialien ergänzt werden. Fragen werden durch die Betrachtung des Ortes aufgeworfen und durch möglichst eigenständiges, forschendes Lernen in museologischer und Kunstsammlung, Archiv und Bibliothek sowie während archäologischer Grabungen und der Bearbeitung von Fundstücken in der Restaurierungswerkstatt der Gedenkstätte thematisch weiterverfolgt. Diese Methodenvielfalt integriert beispielsweise auch künstlerische Auseinandersetzungen und archäologische Arbeit in die Bildungsprozesse.

Dialogfähigkeit fördern und Kontroversität verhandelbar machen

Jugendliche wie auch die meisten Erwachsenen erinnern die Geschichte nicht mehr direkt; Empathie und Gedenken brauchen das vermittelte Wissen. Die Wissensvermittlung zielt darauf, an historischen Beispielen zu lernen, wie man im Sinne unteilbarer Humanitas und unteilbarer Menschenrechte nicht handelt. Die Ausbildung eines selbstreflexiven Geschichtsbewusstseins soll die kritische Auseinandersetzung und die Aufmerksamkeit für Gefährdungen demokratischer, menschenrechtlicher Kultur in Gegenwart und Zukunft schärfen. Erfahrungen und Gegenwartsbeobachtungen der Seminarteilnehmer sind daher ein wichtiger Ausgangspunkt für Lernprozesse; keinesfalls soll eine moralische Überwältigung stattfinden, die eine selbständige historisch-ethische Urteilskraft ausschließen würde. Ebenso wenig geht es um falsche Analogiebildungen. Ein demokratischer und offener Bildungsprozess soll Dialogfähigkeit fördern und Kontroversität verhandelbar machen. In diesem Sinne gehören besonders internationale und interkulturelle Programme, die sich z.B. mit europäischen Dimensionen der Erinnerungskultur beschäftigen, zum Hauptbestandteil der pädagogischen Arbeit.

Nach einem Studium der Fächer Geschichtswissenschaften und Geographie in Bochum und Bordeaux absolvierte Joachim König ein Referendariat in der Lehrerausbildung für Gymnasien und Sekundarschulen. Während des Studiums erfolgte eine Mitarbeit bei verschiedenen Trägern der außerschulischen Jugendbildung, u. a. im deutsch-französischen Bereich. Seit 1999 arbeitet Joachim König als pädagogischer Mitarbeiter in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte der Gedenkstätte Buchenwald. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind neben der Erarbeitung und Durchführung von Programmen mit deutschen Gruppen vor allem die internationale Bildungsarbeit und die Weiterentwicklung von didaktischen Konzepten und Methoden.
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