Lern- und Erinnerungsorte

Das Historische Museum von Bosnien und Herzegowina

Foto HMBIH
von Amar Karapuš

Das Historische Museum von Bosnien und Herzegowina wurde am 13.11.1945 mit dem Ziel gegründet, die Errungenschaften des Nationalen Befreiungskampfes (NOB) und der revolutionären Tätigkeit zu sammeln, zu erforschen, aufzubewahren und zu präsentieren. Auch der alte Name des Museums (Museum der Revolution) spricht dafür.

Wie die meisten Wissenschafts-, Kultur- oder Bildungseinrichtungen musste auch dieses Museum einen strengen Kurs verfolgen und sollte die Errungenschaften der Revolution, der Brüderlichkeit und Einheit, der Solidarität und des Sozialismus a priori propagieren. Die meisten Ausstellungen und Bildungsveranstaltungen folgten dieser Orientierung. Den heutigen Namen trägt das Historische Museum von Bosnien und Herzegowina seit Juni 1993, als die Tätigkeiten auf das Sammeln, die Pflege, die Erforschung und Präsentation des kulturellen und historischen Erbes Bosnien-Herzegowinas von der Ansiedlung der Slawen bis zum heutigen Tage ausgedehnt wurden. Nach der Unterzeichnung des Daytoner Friedensabkommens war das Historische Museum (zusammen mit anderen Einrichtungen) mit dem Problem der ungelösten rechtlichen Statusfrage konfrontiert, aus dem zahlreiche andere Probleme wie der unregelmäßige Zufluss von Finanzmitteln oder die erschwerte Verwaltung des Museums etc. hervorgingen.

Während des Krieges kam es zu einer Reorganisation des Museums, sodass es ungeachtet aller Schwierigkeiten gelungen ist, nicht nur das kulturelle und historische Erbe zusammenzutragen, sondern es auch vor der Vernichtung und dem Verfall zu bewahren, um den Bürgern den Zugang zu den Kulturgütern zu ermöglichen. Heute wird das einst zur Propagierung der Errungenschaften des Nationalen Befreiungskampfes genutzte Material zu ganz anderen Zwecken genutzt und die Geschichte umgedeutet.

Amar Karapuš, 1981 in Sarajewo geboren, arbeitet im Historischen Museum von Bosnien-Herzegowina als Kurator. Er absolviert derzeit den postgraduellen Studiengang zur Geschichte des Mittelalters an der Philosophischen Fakultät der Universität Sarajewo, wo er 2006 auch das Diplomstudium der Geschichtswissenschaften abgeschlossen hatte. Seit 2007 arbeitet er im Historischen Museum, wo er zahlreiche Ausstellungen organisierte und an vielen Workshops sowie regionalen und internationalen Konferenzen teilnahm. Er befasst sich aktiv mit der neueren Geschichte Bosniens und Herzegowinas, wozu auch der Zweite Weltkrieg in Jugoslawien gehört, mit der Auslegung umstrittener Geschichtskapitel sowie einzelner Ereignisse in der Öffentlichkeit. Außerdem kümmert er sich um präventive Schutzmaßnahmen für Exponate, vor allem 3-D-Exponaten des Historischen Museums, und die Erforschung und Inventarisierung der Sammlung.
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