Kunst gegen das Vergessen

Holocaust im Film

Foto Jewish Film Festival
von Luka Rinčić

Foto Damir ZizicDer Holocaust erscheint als Thema in der Filmindustrie unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Der erste Spielfilm, der sich mit dieser Thematik befasst, ist der polnischen Film "Die letzte Etappe", der an authentischen Orten – nämlich in den Konzentrationslagern – gedreht wurde.

Die Dokumentarfilme von George Stevens aus dem Jahr 1945 waren so authentisch, dass sie als Beweismittel in den Nürnberger Prozessen verwendet wurden. In den nächsten sieben Jahrzehnten wurde jedes Jahr ein Spiel- oder Dokumentarfilm gedreht, in dem die Gräueltaten des nazistischen Regimes und seine Opfer dargestellt werden. Einige darunter – wie "Sophies Entscheidung", "Schindlers Liste", "Der Pianist" oder "La vita è bella" –, wurden inzwischen zu Klassikern. Viele namhafte Regisseure haben durch ihre Filme zum Thema Holocaust Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen: Orson Welles, Andrzej Wajda, Agnieszka Holland, Joseph Sargent, Steven Spielberg, István Szabó, Costa-Gavras, Roman Polanski, Stefan Ruzowitzky – um nur einige zu nennen.

Film als eine Form der Vergangenheitsbewältigung

Einer der wichtigsten Gründe, warum Filme über dieses Thema gedreht werden, ist auch eine Botschaft, die sich auf die Holocaustopfer bezieht: Um nicht zu vergessen! Filme über den Holocaust spielen heute in der Bildung von Schülern und Erwachsenen in zahlreichen Bildungs- und Kultureinrichtungen weltweit eine bedeutende Rolle. Da der Film heutzutage eines der wichtigsten und verbreitetesten Medien ist, kann man über Filme auch viele Menschen erreichen. Bei der Produktion von Filmen über den Holocaust steht Deutschland an erster Stelle (da dies auch eine Form der Vergangenheitsbewältigung ist), die USA an zweiter und Frankreich an dritter Stelle. Unter den Spielfilmen aus dem ehemaligen Jugoslawien sind folgende zu erwähnen: "Deveti krug" (Neunter Kreis) des slowenischen Regisseurs France Štiglic aus dem Jahr 1960, "Hranjenik" (The Fed Ones) des kroatischen Filmemachers Vatroslav Mimica aus dem Jahr 1970 sowie "Okupacija u 26 slika" (Okkupation in 26 Bildern) des kroatischen Regisseurs Lordan Zafranović von 1978, und unter den Dokumentarfilmen "Jasenovac" von Gustav Gavrin und Kosta Hlavaty. Der erste Spielfilm über den Holocaust, der in Kroatien gedreht wurde, war "Lea und Darija" aus dem Jahr 2011.

20 Jahre seit "Schindlers Liste"

Das Festival der Toleranz wurde erstmals 2007 unter dem Titel „Festival des jüdischen Films Zagreb“ veranstaltet. Filme über den Holocaust waren damals der Zentralpunkt des Programms, und so ist es bis heute geblieben, obwohl das Festival nunmehr auch weitere Themen umfasst. Anlässlich des 20. Jahrestages von "Schindlers Liste" wird die 8. Festivalausgabe diesem Film gewidmet sein, der sieben Oscars gewonnen hat und dessen Produzent Branko Lustig ist (Leiter des Festivals und Holocaustüberlebender). Herr Lustig war auch an der Entstehung einiger Filmsets für bedeutende Filme zum Thema Holocaust beteiligt, die teils auch in Kroatien gedreht wurden, wie "Sophies Entscheidung" und "Die Blechtrommel". Unter den Filmen, die dieses Jahr im Rahmen des Festivalprogramms gezeigt werden, wären vor allem das Remake des unvollendeten Dokumentarfilms von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1945 "Night Will Fall" und der diesjährige Oscar-Gewinner in der Kategorie Kurzer Dokumentarfilm "The Lady in Number 6: Music Saved My Life" zu erwähnen.

Sie reihen sich in das lange Verzeichnis der Holocaust-Filme ein, die bereits auf dem Festival gezeigt wurden, von den genannten Filmen "Neunter Kreis" und "Die letzte Etappe" bis zu den sehr erfolgreichen neuen Filmen wie "Sarahs Schlüssel", der die 6. Festivalausgabe eröffnet hat und "John Rabe", der zwei Jahre zuvor gezeigt wurde. Immer werden auch Filme aus Kroatien und der Region gezeigt, die sich mit dieser Thematik befassen, wie der Dokumentarfilm "Lea und Darija – ein Kinderreich" von Branko Ivanda oder Spielfilme wie "Kad svane dan" (Bei Tagesanbruch) von Goran Paskaljević oder "Treće poluvrijeme" (Dritte Halbzeit) von Darko Mitrevski.

Der Eintritt für diese Filme ist frei, da allen Interessierten ermöglicht werden soll, mehr über diese tragische Epoche der Zeitgeschichte zu erfahren und zugleich auf die Notwendigkeit hingewiesen werden soll, Verständnis und Toleranz für Unterschiede und Andere zu entwickeln, um sich so gegen Diskriminierung und Vorurteile in der heutigen Gesellschaft zu positionieren. Diese Filme sind auch der Dreh- und Angelpunkt des Programms für Schüler aus ganz Kroatien (und anderen Ländern), in denen in erster Linie Nächstenliebe und positive Werte vermittelt werden.

Luka Rinčić, geboren 1982 in Zagreb, ist Koordinator des Bildungs- und Filmprogramms des Festivals des jüdischen Films in Zagreb. Nach dem Abitur am 1. Gymnasium studierte er Politikwissenschaften und schloss 2006 sein Studium an der Fakultät für Politikwissenschaften in Zagreb ab. Den Wehrersatzdienst absolvierte er in der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation GONG. Seit 2009 arbeitet er als Journalist für die Zeitschrift „Poslovni dnevnik“, und ist seit April 2001 Koordinator des Bildungsprogramms im Rahmen des Festivals des jüdischen Films. Er hat sechs erfolgreiche Bildungs-Filmmatineen im Rahmen des Festivals des jüdischen Films in Zagreb sowie drei Tourneen durch kroatische Städte veranstaltet. Seit 2012 gehört er zum Team des Filmprogramms und ist beteiligt an Anträgen und Ausschreibungen.
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