Ungarn

Nationalsozialismus und Holocaust im Schulunterricht

Holocaust und Nationalsozialismus stehen in den meisten Schulen auf dem Lehrplan und werden in Schulbüchern behandelt. Doch beim internationalen Vergleich fallen große Unterschiede in der historischen Darstellung und Einordnung des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs auf.

Schulalltag und Projektarbeit mit Schülern in Veszprém/Ungarn

Über die Praxis im Holocaustunterricht

Foto Lovassy Lázló Gimnázium Gemäß einer Entschließung des Ungarischen Parlaments aus dem Jahr 2000 wird ab 2001 alljährlich am 1. April an ungarischen Schulen der Holocaust-Gedenktag begangen, um an den Tag im Jahr 1944 zu erinnern, als in Ungarn erstmals Ghettos für ungarische Juden eingerichtet wurden, um sie von dort aus weiter zu deportieren.

Der Holocaust nimmt einen bedeutenden Platz im Unterrichtsplan unserer Schule ein. So werden unseren Schülern über Holocaust-Denkmäler und Gedenkstätten im Lande, die von ganzen Schulklassen besucht werden, Informationen über den Holocaust vermittelt.

Bei Gedenktagen und im Unterricht über den Holocaust werden zum einen Kontakte zu den örtlichen und landesweiten jüdischen Gemeinden und Organisationen hergestellt und mit ihnen über dieses Thema gesprochen. Darüberhinaus kann durch das Verständnis der Geschichtsereignisse und ihre Auslegung das Bewusstsein über die Gefahr vor jeglicher Form des Extremismus geschaffen werden.

Unsere Schule legt großen Stellenwert auf die Erziehung zur Toleranz sowie auf die Achtung von Menschen- und Minderheitenrechten als Grundwerte unserer Gesellschaft. Dies ist besonders an unserem Gymnasium wichtig, wo wir eine deutsche Minderheit haben. Die Berufung auf die Kollektivverantwortung nach dem Zweiten Weltkrieg kann auch als lehrhaftes Beispiel bei der Thematisierung von zwischenethnischen Konflikten pädagogisch eingesetzt werden. Ein wichtiger Punkt sind auch die Folgen des Fremdenhasses und seine Einordnung in den historischen Kontext.

Unsere Stadt Veszprém blieb vom Holocaust nicht verschont. Im Mai 1944 wurde das Areal um die Synagoge zum jüdischen Ghetto. Von dort wurden am 19. Juni 1944 etwa 600 Veszprémer Bürger jüdischer Abstammung in das Konzentrationslager Sárvári verbracht, von wo aus sie am 7. Juli in Viehwagons in das Todeslager Auschwitz deportiert wurden. Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust und im Rahmen der Erinnerungskultur arbeiten unsere Schüler jedes Jahr an Projekten, die am Holocaust-Gedenktag präsentiert werden, wie z.B.
http://www.lovassy.hu/online/egyeb/e-dok/hang/2013_holocaust_emleknap.mp3

Eines unserer Ziele ist es, dass die Schüler, indem sie die örtliche Geschichte erforschen, auch die Geschichte und Kultur der jüdischen Gemeinde sowie ihre Denkmäler kennen lernen. Das internationale Projekt des Goethe-Instituts „Doppelte Last: Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust in Europa“ fügt sich in diese Konzeption ein.

Dr. Katalin Takács und László Lendvai, Lovassy-László-Gymnasium/Veszprém
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