Kulturelle Bildung

Glossar

Abschlusspräsentation

Mit der Abschlusspräsentation werden Ergebnisse vorgestellt, bei denen es sich vereinzelt ebenfalls um Teilergebnisse handelt, die beispielsweise aus einem Workshop-Projekt hervorgegangen sind. Beide Formen signalisieren das Ende eines bestimmten Arbeitsprozesses und vergegenwärtigen die Resultate oder im Falle eines Workshops-Projekts den derzeitigen Entwicklungsstand des gemeinsam erarbeiteten Materials beziehungsweise den Weg und Entstehungsprozess. In der Schule hat die Methode der Präsentation längst Einzug gehalten, stößt auf rege Resonanz und findet auch in Form interessanter Ereignisse wie eines Events statt.

außerschulisch

Unter dem außerschulischen Lernen versteht sich die Möglichkeit an außerschulischen Lernorten anschaulich, abseits des Schulgebäudes oder Klassenraums, zu Lernen. Vorschulen sind ebenfalls Orte des außerschulischen Lernens. Sie sollen durch praxisnahes Arbeiten auf die Schule vorbereiten, sind jedoch freier gestaltet. Andere Einrichtungen sind in pädagogisch und nicht pädagogisch vorstrukturierte Lernorte einzuteilen. Einerseits gibt es Jugendclubs, Gedenkstätten oder Museen, die in den pädagogischen Prozess eingebunden werden, andererseits existieren außerschulische Lernorte wie die Bibliothek oder die Freiwillige Feuerwehr, welche keine pädagogischen Strukturierungen haben. Alle Einrichtungen agieren allerdings sinn- und zweckgerichtet, selten weisen sie informelle Lernsituationen auf. Sie sollen befähigen, kulturelle Prozesse sowie Gegebenheiten zu reflektieren und gesellschaftlich erforderliches Wissen in Beziehung zu setzen.

Evaluation

Um Prozesse und deren Ergebnisse systematisch auf ihre Wirkung, ihren Erfolg oder Misserfolg zu überprüfen, kann eine Evaluation zum nachvollziehen und reflektieren der angewendeten Maßnahmen behilflich sein. Ob angestrebte Ziele erreicht worden sind kann durch diese Methode, welche intern, extern oder in Zusammenarbeit durchgeführt werden kann, bewertet werden. Im kulturellen Bereich ist diese Form der Selbstkontrolle noch nicht stark ausgeprägt und könnte durch Befragungen mittels Fragebögen, Beobachtungen oder der Analyse von betreffenden Unterlagen, somit durch quantitativen und qualitativen Erhebungen ausgebaut werden. Die Bewertung der Ergebnisse ist allerdings eine methodologische Herausforderung.

ganzheitlich

Das Adjektiv ganzheitlich wird häufig in Verbindung mit den Substantiven Denken, Handeln oder Lernen gebraucht. Es verweist auf die Existenz einer umfassenden Gesamtheit, welche in ihrer Totalität und Ganzheit, ohne fehlende Teile, existiert und damit vollständig ist. Unter ganzheitlichem Handeln und Denken versteht sich demnach die umfassende Betrachtung einer Sache (Gegenstand, Verbindung, Thema) unter Einbezug möglichst vieler Zusammenhänge, Beziehungen, Eigenschaften und Aspekte. Durch die Berücksichtigung mehrerer Realitäten liegt eine Besonderheit darin, den Standpunkt sowie die Sichtweise flexibel verändern zu können und durch die Offenheit für Neues eine mögliche Hierachiebildung durch ein verflochtenes Wissenssystem auszuschließen. Neben den Auswirkungen des eigenen Handelns, sind die Mit- und Gegenwirkungen ebenfalls zu bedenken. Für die kulturelle Bildung ist das ganzheitliche Lernen von Kindern besonders wichtig, da sie durch ihre Sinne lernen und somit emotionale, gestalterische und kognitive Handlungsabläufe weitsichtig und nachhaltig wahrnehmen können.

Interdisziplinarität

Die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Disziplinen findet in der Wissenschaft des Öfteren disziplinübergreifend statt, sodass ein Austausch entsteht, der mehrere Fachbereiche mit ihren spezifischen Bestimmungen umfasst. Interdisziplinares Arbeit erfolgt durch das Überschreiten der zumeist streng definierten Grenzen einer Disziplin, ohne diese disziplineigenen Grenzen jedoch aufzuheben oder die Perspektiven maßgeblich zu verändern. Es werden Zusammenhänge in der disziplinübergreifenden Forschung beispielswiese durch die Aneignung von Methoden, die Verknüpfung verschiedener Ansätze und Betrachtungsweisen sowie das Entwickeln einer auf diesen Grundlagen basierenden Forschungsfrage hergestellt. Unter Interdisziplinarität versteht sich demnach ein horizonterweiterndes Handeln, Arbeiten oder Denken und die Auffassung, dass bestimmte Sachverhalte sich nicht nur durch von anderen Bereichen isoliert und gesonderten Wissenschaftsdisziplinen ergründen und beschreiben lassen.

Kompetenz

Es gibt vielzählige und vielfältige Definitionen von Kompetenz. Eine Definition von Franz Weinert (Lern- und Entwicklungspsychologe) begreift Kompetenz als das Vorhandensein der eigenen Bereitschaft sowie der Fähigkeit problemlösend zu arbeiten und zu denken. Diese Fertigkeiten sind jedoch erlernbar und sollten verantwortungsvoll eingesetzt werden. Die konventionellen Ziele der Bildungsinstitutionen haben sich durch die Entwicklung zur heutigen Wissens- und Informationsgesellschaft verändert und mit ihnen ebenfalls die Ansprüche und Erwartungen an die Vermittlung von Kompetenz. Durch die Komplexität und Vielzahl an verfügbarem Wissen ist das pädagogische Ziel nun nicht mehr nur das hohe Maß an Wissen zu erwerben, sondern den Schwerpunkt der Kompetenzvermittlung auf das selbstständige und –verantwortliche Handeln im Umgang mit relevantem Wissen zu legen. Laut europäischer Bildungspolitik wird unter Kompetenz ebenfalls Selbstständigkeit im Sinne der Selbstlernkompetenz sowie Eigenverantwortlichkeit und kommunikative, professionelle, fachliche sowie soziale Kompetenz verstanden. Auch Schlüsselkompetenzen sind allgemeine und erwerbbare Fähigkeiten, welche für den Beruf, die (kreative) Mitgestaltung der Gesellschaft sowie die eigene Entfaltung der Persönlichkeit äußerst wichtig sind. Die kulturellen und künstlerischen Kompetenzen sind insbesondere für die kulturelle Bildung wesentlich, welche zusammen mit der personalen Kompetenz und den Sozialen- beziehungsweise Methodenkompetenzen zu den vier Kernkompetenzen der kulturellen Bildung zählen.

Kontinuität

Im Allgemeinen versteht sich unter dem Begriff der Kontinuität die ununterbrochene Fortdauer beziehungsweise ein lückenloser, geschlossener Zusammenhang, welcher einen stetigen und gleichmäßigen Fortgang aufweist. Dieser Fortgang ist veränderlich, doch erfolgt eine Veränderung gleichmäßig und nicht abrupt oder sprunghaft (diskontinuierlich). Kontinuität ist ein grundlegender Bestandteil der Nachhaltigkeit und äußerst wichtig für die kulturelle Bildung.

Kulturelle Bildung

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, verweist darauf, dass Kulturelle Bildung der Ganzheitlichkeit, Kontinuität und Nachhaltigkeit bedarf: „Diese sind nur zu erzielen, wenn den ästhetischen Fächern auch in der schulischen Praxis sowie in der praktischen Bildungs- und Hochschulpolitik die Wertschätzung gegeben wird, die sie aufgrund ihres ganzheitlichen Ansatzes verdienen.“ Ebenso spricht sich der Deutsche Kulturrat dafür aus, "dass es einer intensiven Kooperation von politisch-historischer und kultureller Bildung bedarf, um durch zielgruppenspezifische Bildungsangebote und situationenbezogene Bildungsarrangements Kinder und Jugendliche dabei zu begleiten, ihren jeweils besonderen Platz in der Geschichte zu finden."

Kulturelle Identität

In Abhängigkeit zum Kulturbegriff, hat sich die Bedeutung und Definition von kultureller Identität verändert und verschiedene Deutungsweisen hervorgebracht: das homogene Kulturbild spricht von gemeinsamen Traditionen und Werten sowie einer Geschichte und Weltsicht, die die kulturelle Identität des Individuums formiere, die Postmoderne machte aufmerksam auf eine Kultur der Brüche und Neuerfindungen, während man heute vermehrt vom Konzept der hybriden (kulturellen) Identität spricht.

Kulturvermittlung

Der übergeordnete Begriff der Vermittlung steht für das Zugänglich machen von Informationen und allen damit verbundenen Tätigkeiten. Unter der Bezeichnung Kulturvermittlung finden sich unterschiedliche Formen kulturellen Agierens und Arbeitens sowie kultureller Erziehung wieder, welche Felder wie beispielsweise Kulturnutzung, Kunstvermittlung, kulturelle Bildung, Kulturmarketing oder Kulturwirtschaft in den Blick nehmen. Kulturvermittlung gilt als eine vermittelnde Brücke zwischen Produktion und Rezeption von Kunst und Kultur, welche Anregungen geben und Perspektiven erweitern kann. Die Definition über das Wort Kultur, bringt die Schwierigkeit mit sich, dass Kultur als ein ökonomisch, politisch, pädagogisch und sozial vermittelnder Gegenstand gedacht wird, wobei zu berücksichtigen ist, dass Kultur ebenso als ein fortlaufendes Produkt verschieden handelnder Akteure (auch außerhalb eines nationalen Wertekanons) verstanden werden kann. Mögliche kulturvermittelnde Akteure sind (Hoch-)Schulen (Lehrende sowie Studiengänge an sich), Kulturpolitiker, Kulturschaffende jedoch auch Akteure aus dem persönlichen Umfeld wie Eltern und Freunde. Bei Methoden bedient sich die Kulturvermittlung an Verfahren aus der Museumspädagogik, Kulturpädagogik, Musik- und Theaterpädagogik und teilweise an Beispielen des Eventmarketings. Eine Eingrenzung fällt aufgrund der vielen Perspektiven der Blickwinkel und Interessen auf Kultur schwer.

Kunstvermittlung

Die Kunstvermittlung umfasst die Arbeit mit Rezipienten, meist im Kontext eines Museums oder einer Ausstellungen und versucht einen Zugang beziehungsweise Austausch zwischen dem Publikum und den Objekten zu schaffen. Diese Form der Vermittlung soll ermöglichen, dass die Rezeption von Kunst für jede Person möglich ist. Es werden vermeintliche Hürden abgeschafft, um das häufig vorhandene Spannungsfeld zwischen Kunst (Objekt), Museum und Rezipienten als Mittler zu lockern und im besten Falle aufzuheben. Durch Bemühungen wie dem zielgruppenorientierten und an die gesamte Öffentlichkeit gerichteten Arbeiten, sollen bisher ferngebliebene Besucher erreicht werden. Des Öfteren auch als (ein Teil der) Museumspädagogik bezeichnet, versteht die Kunstvermittlung als ihre Aufgabe, ebenfalls Neugier und Interesse zu wecken um Fragen und Antworten im Kontext einer Dialogfähigkeit entwickeln zu können. Die individuelle Partizipation, Auseinandersetzung und Stellungnahme soll die gesellschaftliche Beteiligung fördern, Anstöße geben und dabei den individuellen Erfahrungshorizont berücksichtigen. Doch ist Kunst- und Kulturvermittlung nicht wertefrei, da die zu vermittelnde Information (damit die Kunst- und Kulturgüter) im Wertesystem der jeweiligen Institution stehen und durch den dort vorhandenen Vermittlungsrahmen kontextualisiert werden. Die Vermittlung zählt neben dem Sammeln, dem Bewahren und dem Ausstellen zu einen der vier Hauptziele einer Institution wie dem Museum.

Nachhaltigkeit/Zukunftsfähigkeit

Vielfach werden Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit synonym verwendet. Beides sind normative Zielbegriffe, die das zukunftsorientierte Handeln von Menschen auf der Basis von Vorsorge und Voraussicht auszeichnen und im Spannungsfeld von Kontinuität und Wandel stehen. Beide Begrifflichkeiten stützen sich auf Gerechtigkeit zwischen und innerhalb Menschen verschiedener Altersgruppen und denken die Zukunft bereits vom aktivem Heute aus mit. Diese Gerechtigkeit kann ebenfalls in einen globalen Kontext gesetzt werden, da globale Herausforderungen und Zusammenhänge wie beispielsweise der Klimawandel, jedoch auch kulturelle Fragen große Aufgaben der heutigen Zeit sind und das selbstständige Handeln und Wissen der Menschen für den Umgang mit der Bewältigung dieser Aufgaben für die Zukunft erfordern. So kann eine Gesellschaft (mit kulturellen und immateriellen Ressourcen) ebenfalls nach Nachhaltigkeit streben, weshalb Akteure der politischen sowie kulturellen Bildung gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen auf die Frage, wie heute gelebt werden sollte, um eine lebenswerten Umgebung für zukünftige Generationen zu sichern.

Partizipation

Partizipation ist eine zentrale Rahmenvoraussetzung für Beteiligung, Mitbestimmung, Teilnahme sowie Teilhabe und kann gegensätzlich zu Fremdbestimmung betrachtet werden. Diese Form der Mitwirkung schließt ebenfalls die Selbstverwaltung sowie Selbstbestimmung ein. Artikulationsfertigkeiten, der Zugang zur Wissensaneignung sowie die Kompetenz für Entscheidungen sind Aspekte die Partizipation befähigen und verhindern können. Auf freiwilligen und ernsthaften Niveau, kann Partizipation zur Identifizierung mit Projekten führen und ebenfalls die eigene Flexibilität der Reaktionen auf Veränderungen im Umfeld ausbauen. Bildung und Partizipation können einen wechselseitigen Zusammenhang aufweisen und sich dort überschneiden, wo beispielsweise Kulturelle Bildung die Teilhabe am kulturellen Leben ermöglichen soll. Im künstlerischen Bereich werden Projekte über Partizipation zur Herstellung von partizipatorischen Situationen konzipiert, um das Partizipationsprinzip erfahrbar zu machen. Häufig wird dabei der Frage nachgegangen, wie es überhaupt möglich ist, auf unterschiedlichen Ebenen teilzuhaben.

(gesellschaftliche) Teilhabe / Teilnahme

Als Form der Partizipation ist die (gesellschaftliche) Teilhabe/Teilnahme zu verstehen, wobei Mitsprache- und Gestaltungsrahmen Abweichungen aufweisen können. Es gibt zwei unterschiedliche Formen der Teilhabe. Anhand eines Projektes kann Teilhabe bereits im Vorfeld, beim Prozess der Entscheidungsfindung entstehen. Sie beinhaltet ferner, die Ausarbeitung von Lösungsansätzen, die Gewährleistung von Resultaten, als auch die Auswertung dieser. Die aktive Teilhabe jedoch, schließt ebenfalls eine bestimmte Form der Teilnahme ein, da diese die tatsächliche Anwesenheit voraussetzt. Einige Fertigkeiten und Kenntnisse sind durch die aktive Teilhabe am besten zu erlernen, da dieses Wissen durch die Selbstbeobachtung inkorporiert wurde und anders abrufbar ist als das kognitive Wissen. Der Ausschluss vom politischen, kulturellen oder sozialen Leben erfolgt, wenn die Möglichkeit der Teilhabe nicht existiert, wodurch wiederum gesellschaftliche Probleme entstehen können.