Der Blick von außen
Wenn in der künstlerischen Arbeit überhaupt eine demokratische Praxis im Interesse der Öffentlichkeit eine Rolle spielt, so besteht sie in der entschlossenen Umkehrung der Wirkung der Massenmedien, ihrer Werbestrategien und der von ihnen transportierten Ideologien. Die Kunst bietet dem Zuschauer die Möglichkeit, sich von solchen Botschaften zu distanzieren und damit die Freiheit seines Blicks, seiner eigenen Meinung und seines eigenen Urteils zu bewahren. Es gibt nicht nur die eindeutige Wahl zwischen einer Theaterästhetik der Unterhaltung, des Beifalls der Gleichgesinnten und des reinen Genusses auf der einen und der Bekämpfung gerade dieser Haltung auf der anderen Seite.
Die Art und Weise, wie sich das Theater gegenüber den Theaterschaffenden und seinen Besuchern verhält, welche Inhalte mithilfe welcher ästhetischer Verfahren verhandelt werden, das alles – das Soziale – unterscheidet sich nicht von den entsprechenden Vorgängen 'draußen' in der Gesellschaft.
Das Autorentheater hat auf allen Ebenen seines künstlerischen Prozesses die Möglichkeit, das, was aktuell in Gesellschaft und Politik verhandelt wird, zu untersuchen und mit seinen Mitteln zum Ausdruck zu bringen. Hierbei ist die Position des Autors keine abgeleitete, er steht nicht für jemand oder etwas anderes. Niemand und nichts nimmt ihm die Verantwortung für seine Arbeit ab. Gemeinsam mit seinem Team muss er vor der Öffentlichkeit, dem Urteil des Publikums, der Kritik und den anderen Theaterschaffenden bestehen. Analog dem demokratischen Individuum in politischen Entscheidungen trägt der Zuschauer im Theater die Verantwortung für seine Wahl, für seine Unterstützung von Theaterprojekten oder allgemeiner: performativen Werken.
Das Theater, von dem hier die Rede ist, lässt sich nicht in ein enges geografisches oder kulturelles Korsett zwängen. Es existiert nur durch seine Offenheit und seinen kontinuierlichen Dialog mit dem europäischen Theater; es realisiert sich, indem es Anregungen fruchtbar macht und den Theaterraum vergrößert und damit Theater zugänglicher und verständlicher macht.
Die Kriegs- und Nachkriegszeit der 1990er-Jahre hat das kroatische Theater in die Isolation und Krise geführt: Es gab keinen Informationsfluss, die Außenansicht wie auch die Möglichkeit des Vergleichs fehlten, das gemeinsame Abenteuer der Suche nach der zeitgenössischen Theatersprache im Kontext des gesamten europäischen Theaters fand ohne uns statt.
Das Junge Theater Zagreb (ZKM) und das 2003 gegründete Festival des Welttheaters streben sowohl die Annäherung des kroatischen an das europäische als auch des europäischen an das kroatische Theater an und wünschen sich, dass aus spannenden Begegnungen neue künstlerische Erfahrungen entstehen. Nicht nur dabei war das Goethe-Institut behilflich. Es hat auch geholfen, diese Art von Begegnung und die gegenseitige Befruchtung der zwei Theaterwelten überhaupt erst zu ermöglichen. Wir wollen das Theater zu einem Raum individueller Freiheiten machen, gestärkt durch das einzigartige Gefühl, an einem gemeinsamen Abenteuer teilzunehmen, physische und mentale Erfahrungen auszutauschen. Wir wollen das Theater zu einem Ort der Begegnung, der Berührung und des Kampfes für eine demokratische Kultur machen.
Junges Theater Zagreb (ZKM) und Festival des Welttheaters







