Außenansichten

Ergänzungen und Erweiterungen in der Kulturvermittlung

Durch die Wende in der theoretischen Fundierung des Umgangs geisteswissenschaftlicher, philologischer Zweige mit Kunstwerken und gesellschaftlichen Phänomenen bzw. dem Phänomen Gesellschaft werden in den letzten Jahren die germanistischen Institute in nichtdeutschsprachigen Ländern immer stärker zur Veränderung ihres bisherigen Profils gedrängt. Seitdem der Terminus 'Kultur', als Präfix oder eigenständig, immer bedeutender wurde, müssen auch sie, wie die germanistische Sprach- und Literaturwissenschaft für die Weiterentwicklung des Fachs, wichtige Impulse im kulturtheoretischen Vokabular suchen. Man soll und kann sich nun, den Literaturbegriff breit fassend (verstärkt Medien wie Theater, Film oder Fernsehen einbeziehend, die Grenzen zwischen der sog. Hoch- und Populärkultur beiseite lassend etc.), mit den gesellschaftlichen Normen und Abweichungen, mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen dem deutschsprachigen und heimischen Gebiet befassen. So nutzte die Abteilung für Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb die Reformen im Zuge des Bologna-Prozesses auch dazu, ihr Studienprogramm wesentlich zu modernisieren und zu erweitern. Unter anderem kann man jetzt, nach dem Prinzip des zweistufigen Studiensystems, hier im Diplom-Studium (Abschluss: Magister) zwischen drei unterschiedlichen, im Sinne der theoretischen und praktischen Kulturvermittlung aber gleichwertigen Studienrichtungen wählen: zwischen der Germanistik für Übersetzer und Dolmetscher, der Germanistik für das Lehramt und der kulturwissenschaftlichen Germanistik.

Als lehrender Projektassistent an dieser Abteilung kann ich mit Zufriedenheit feststellen, dass das Goethe-Institut Kroatien mit seinem Angebot und seinen Bemühungen den passenden Rahmen für einen solchen Studienplan bietet. Durch die sowohl mit der Primär- als auch mit der Sekundärliteratur gut ausgerüstete Bibliothek vereinfacht es den (nicht nur Germanistik) Studierenden und Postgraduierten wie mir das Studieren, während seine zusätzlichen Programme und Angebote Perspektiven eröffnen: Initiativen wie das auch vom GI geförderte Netzwerk TRADUKI für diejenigen, die sich für die übersetzerische Ausbildung entscheiden; die schon traditionelle Fortbildung der Deutschlehrer durch Mittel und Veranstaltungen im GI für das germanistische Lehramtsstudium; das eifrige Engagement des GI in kroatischen Kunst- und Kulturkreisen für die Studierenden der kulturwissenschaftlichen Germanistik.

ls Doktorand mit einem (fast) interdisziplinären Dissertationsthema und Teilnehmer der auf drei Jahre Dauer intelligent konzipierten multidisziplinären Zukunftswerkstatt Narrationen und Konstruktionen von Identität/Nationalität/Geschichte in Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Serbien im 20. und 21. Jh., der ich jetzt schon für einige Inspirationen sowie anregende Bekanntschaften dankbar bin, muss ich aber auch die innovativen Wege des Goethe-Instituts im Bereich der Wissenschaft erwähnen. So kann man aus meiner Sicht eine einfache Formel erkennen: Das Goethe-Institut Kroatien ergänzt und erweitert das Lehrangebot meines Fachbereichs, während die Abteilung für Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb die Programme und das Angebot des Goethe-Instituts ergänzt und erweitert. Als zwei die Kulturen und Gesellschaften verbindende und zwischen den Kulturen und Gesellschaften vermittelnde Medien haben sie also beide, sowohl in der Praxis als auch in der Theorie, heute relevante und unumgängliche Positionen inne.

Rikard Puh
Abteilung für Germanistik, Philosophische Fakultät der Universität Zagreb