„Neue Kunstbewegungen“
Neue Kunstbewegungen erheben stets Anspruch darauf, Initiatoren neuer Paradigmen zu sein, sie suchen neue Grundlagen der Kunstproduktion. Mit ihrem Anspruch auf Neuheit geht eine Prise Universalismus einher.
Neue Bewegungen präsentieren sich stets als etwas Anderes, schließen aber ebenso die Forderung nach Gleichberechtigung und Gleichgewicht ein. Selten begnügen sich solche Bewegungen mit lokalen Rahmen, denn die Dynamik lokaler Produktionsbedingungen ist häufig geprägt von gewohnten oder institutionalisierten Modellen der Arbeitsteilung und Arbeitsspezialisierung. Daher suchen neue Bewegungen ihre Bestätigung erst im internationalen Präsentationskontext, der es ihnen ermöglicht sich letztlich auch im lokalen Produktionsrahmen zu etablieren. Heute ist es unmöglich zu definieren, woher innovative Tendenzen hauptsächlich stammen. Vor dem Fall des Sozialismus galt der Westen als zeitgenössisch, der Osten hinkte hinterher. Diese Perspektive setzt sich in den Erkenntnissen über die osteuropäische Zeitgeschichte fort. Die künstlerischen Bewegungen der 60er und 70er Jahre, die überwiegend nach innen wirkten und einem bestimmten politischen Kontext verhaftet waren, erhalten heute, da der Kontext als primär ökonomisch wahrgenommen wird, rückwirkend einen Marktwert. Aber bedeutender als ihre Kommerzialisierung, ist die theoretische Aufwertung der radikalen Kunst der vergangenen Jahrzehnte, deren abstrakte Phantasie nicht auf der diskontinuierlichen Modernisierung Osteuropas basiert, sondern auf der Neubeschreibung der Geschichte nach den Kontinuitätskategorien der dominanten Perspektive.
Unterdessen entstehen weiterhin neue Kunstbewegungen und präsentieren sich auf dem Wege des asymetrischen Produktionsaustauschs. Was den Unterschied markiert, ist jedoch die Krise des Zentralismus und die dadurch entstehende Verbindung von Punkten des künstlerischen Schaffens in generischen Systemen, Systemen ohne Peripherien. Die Universalität solcher peripherieloser Netze erzeugt eine Verknüpfung von zentralistischen Positionen mit Schwellen-, Übergangs- und Randpositionen. Die Probleme, mit denen sich die unabhängige Kulturszene in Berlin und Brüssel konfrontiert sieht, sind strukturell nicht anders als jene in Zagreb oder Tallinn. Der Erfahrungsschatz unterschiedlicher künstlerischer Bewegungen unterscheidet sich jedoch - insbesondere im Feld der Selbstorganisation, sowie des Anschlusses an den privaten, öffentlichen und politischen Raum - einzig im Ausmaß ihres Glaubens an die Materialität der Beziehungen zwischen diesen Sektoren.
Kulturelle Mittler wie das Goethe-Institut, aber auch andere präsentatorische Kooperationsnetze, erzielen minimalste Ergebnisse durch kulturellen Repräsentationismus, das heißt allein durch Vermitteln von Resultaten. Ihre Rolle ändert sich drastisch, wenn sie ihr Wirken im Feld der Beschleunigung, der Verkürzungen, des Ausbaus von Übertragungswegen, die eine Vermittlung, aber auch das Lernen durch Lehren ermöglichen, mit anderen Worten wenn sie ihr eigenes Wirken als Produktion, und nicht nur als bloße Übertragung von Wissen sehen.
CDU- Zentrum für dramatische Künste, Zagreb







