Neue Imagebroschüre: „21 gute Gründe für gute Bibliotheken“

Eine neue Imagebroschüre erklärt anschaulich, welchen Wert Bibliotheken für die Gesellschaft haben. Barbara Lison, die Präsidentin des Verbands Bibliothek & Information Deutschland (BID), stellt das neue Papier im Gespräch vor.
Frau Lison, seit Juli 2007 arbeitet die Arbeitsgruppe „Bibliothek 2012“ der BID an einem neuen Positionspapier zur Rolle der Bibliotheken in der Gesellschaft. Wie ist der aktuelle Stand der Arbeiten?
Zunächst einmal: Unser Positionspapier hat nun einen Namen. Es heißt „21 gute Gründe für gute Bibliotheken“. Darin wird in 21 Bildern dargestellt, was Bibliotheken bewirken können und warum sie für unsere Gesellschaft so wichtig sind.
Außerdem zeigen wir, was nötig ist, um die beschriebenen guten Leistungen überhaupt erbringen zu können. Das beginnt mit schlichten Dingen: mit Geldmitteln und gutem Personal. Aber wir fordern auch Gesetze für die einzelnen Bundesländer und – nach wie vor – eine BibliotheksEntwicklungsAgentur, also eine strategische Instanz auf nationaler Ebene.
An wen ist die Broschüre adressiert?
Die Leser sollen das breite Publikum sein: Bibliotheksnutzer und vor allem Nichtnutzer. Daneben wendet sie sich aber auch an Entscheider in den Bereichen Politik und Verwaltung. Wir wollen also mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Das Papier besteht aus zwei Teilen ...
Ja, neben diesem eher feuilletonistischen Teil gibt es noch einen, wie ich ihn gern nenne, Wirtschaftsteil. Hier finden Sie die harten Fakten. Neben einem Musterbibliotheksgesetz gehören dazu zwei Übersichten über die wesentlichen Dienstleistungs- und Ausstattungsstandards, die wir für öffentliche sowie für wissenschaftliche Bibliotheken fordern.
Der Faktenteil macht kurz und prägnant nachlesbar, was notwendig ist, damit wir vernünftig arbeiten können und damit die Politik unsere Dienstleistungen auch für ihre Interessen einsetzen kann.
Was soll das Papier leisten?
Wir wollen erreichen, dass die breite Öffentlichkeit versteht, welchen Nutzen Bibliotheken für jeden einzelnen Menschen dieser Gesellschaft haben. Bei der Beschreibung vieler der 21 guten Gründe steht eine konkrete Person im Vordergrund. Ein Student, der in der Bibliothek arbeitet. Ein Migrant, der sich integrieren möchte. Eine junge Türkin, die in der Bibliothek einen Zufluchtsort vor allzu strenger Familienkontrolle sieht. Ein Übersetzer, der gemeinsam mit den Bibliotheksmitarbeitern tiefergehende Recherchen anstellt.
Das Papier zeigt ganz plastisch: Die Menschen in dieser Gesellschaft haben bestimmte Bedürfnisse, sie wollen dieses und jenes für sich regeln und sie bekommen dafür in den Bibliotheken eine spezifische Unterstützung. Diese ganz stark realitätsbezogenen Beispiele sollen auch Politikern bei ihrer Argumentation für Bibliotheken helfen.
Die Broschüre ist ja der Nachfolger des Strategiepapiers „Bibliothek 2007“. Warum brauchen Sie – abgesehen davon, dass 2007 vorbei ist – ein neues Papier?
Wir sind von der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages angeregt worden, mit sehr viel konkreteren Forderungen, als in der „Bibliothek 2007“ formuliert sind, an die politische Öffentlichkeit zu gehen. Das soll nun der Faktenteil leisten.
Aber es gibt noch einen anderen Punkt. Die „Bibliothek 2007“ wurde von unserer Kollegenschaft nicht so akzeptiert, wie es sich die BID und die Bertelsmann Stiftung erhofft haben. Das liegt zu einem großen Teil sicherlich daran, dass die Kolleginnen und Kollegen damals nicht an dem Entwicklungsprozess beteiligt waren.
Wir haben nun bereits im Vorfeld einen Prozess mit breiter Beteiligung organisiert und hoffen, dass wir dadurch eine höhere Identifikation nicht nur mit den Inhalten, sondern auch mit der Veröffentlichungsform erreichen.
Wie wurden die Kollegen denn eingebunden?
Im Mai 2008 ist das Strategiepapier als Diskussionsentwurf vorgestellt worden und unter anderem auf dem Mannheimer Bibliothekartag diskutiert worden. Außerdem haben die einzelnen Bibliotheksverbände Diskussionen angeregt und Rückmeldungen entgegengenommen. Es wurden auch Blogs eingerichtet.
Wie waren die Reaktionen auf den ersten Entwurf?
Die meisten fanden es erst einmal toll, dass es überhaupt eine Imagebroschüre geben soll. Im Detail wurde dann einiges kritisiert, was hilfreich für uns war. Ein Beispiel war die als zu stark empfundene Polarisierung: Bibliotheken sind gut, Google ist schlecht. Auch einige Einstiege wurden als zu negativ kritisiert. Die Rückmeldungen zeigten ein großes Interesse an der Sache und wir haben den größten Teil davon aufgenommen und eingearbeitet.
Was unterscheidet das neue Papier von der „Bibliothek 2007“?
Die „Bibliothek 2007“ ist rein optisch gesehen eine Abhandlung mit viel Text. Wir wollten eine grafisch sehr ansprechende und freundlich aufgearbeitete Broschüre erarbeiten, die Lust aufs Durchblättern macht.
Und inhaltlich?
Die „Bibliothek 2007“ wurde bereits 2004 veröffentlicht und wendet sich ganz stark an die Bundesebene. Inzwischen hat die Föderalismusreform bewirkt, dass der Bund nur noch eine ganz minimierte Verantwortung im Kultur- und Bildungsbereich hat. Die Ansprache der nationalen Ebene stimmt nicht mehr mit den realen Verantwortlichkeiten überein.
Die neue Broschüre hat eine sehr offene Zielrichtung – sie wendet sich an die breite Öffentlichkeit und an Politiker aller Verantwortungsbereiche.
Sind Sie zufrieden mit dem vorläufigen Ergebnis?
Ich bin sehr zufrieden. Die Arbeitsgruppe, die ja aus Vertretern der unterschiedlichen Mitgliedervereinigungen der BID besteht, hat wirklich hocheffektiv gearbeitet.
Wir hatten de facto so gut wie keine Finanzmittel, um zusätzliche Aufträge zu vergeben. Für die Erarbeitung und Veröffentlichung von „Bibliothek 2007“ hat die Bertelsmann Stiftung sehr große Mittel investiert: es gab ein Expertenteam für die Erarbeitung der Grundlagen, demoskopische Umfragen und Spezialistenbefragungen, die dann journalistisch aufgearbeitet worden sind. Wir haben uns auf unser vorhandenes Material verlassen, haben es weiterbearbeitet und weiterentwickelt. Das Ergebnis zeugt von der guten Leistung der Arbeitsgruppe.
[Das Strategiepapier „21 gute Gründe für gute Bibliotheken“ soll am Tag der Bibliotheken, am 24. Oktober 2008, öffentlich vorgestellt werden.]
Sie arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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September 2008








