Auf der Suche mit Mischa Kuball
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Das Arbeiten mit einem festen Bildträger hat er lange verlassen und sich einem phänomenalen Material zugewandt, das weite Raumdistanzen mühelos überwindet, weithin sichtbar wirkt und sich deshalb hervorragend als öffentliches Kommunikationsmittel einsetzen lässt: Licht.
Dieser Artikel konzentriert sich auf die temporären Arbeiten, um ihm und seinem Medium näher zu kommen.
Megazeichen, Düsseldorf, 1990
Mannesmann war nie schöner. Das 23 Stockwerke hohe Bürogebäude der Düsseldorfer Aktiengesellschaft leuchtete in semiotischen Zeichen weithin in die Großstadtnacht. Die Fassade, die sich bei Tag wie eine Außenhaut aus endlosen Fensterquadraten um den rechteckigen Baukörper legt, gliederten nachts gleißend helle waagrechte und senkrechte Bänder aus Licht, ihrem eigenen visuellen Rhythmus folgend. Frappierend einfach dafür das technische Mittel – für sechs Wochen blieb nachts in bestimmten Büros und Fluren des Hochhauses das Licht an. Die erhellten Fenster verbanden sich zu den Megazeichen, so der Titel des Projektes von 1990, das heute Geschichte ist, wie Mannesmann selbst. Der Konzern verlor 2000, nach dem erfolgreichsten Geschäftsjahr seines Bestehens, die spektakuläre Übernahmeschlacht gegen das britische Telekommunikationsunternehmen Vodafone.
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Greenlight, Montevideo, 1999
Ein Lichtpunkt über dem Eingang eines Hauses kann die Anwesenheit seiner Bewohner markieren. Das Licht leuchtet für sie. In der Calle Democracia in Montevideo installierte Kuball einfache grüne Baulampen über den Türrahmen verlassener, zugemauerter Häuser des Straßenzuges. Das Viertel, in dem er liegt, der Barrio Reus, galt im letzten Jahrhundert als Zentrum jüdischer Emigranten. Die grüne Lichterkette entfaltete erst mit der Dämmerung ihre irrationale Wirkung vor den Fassaden des Verfalls, vor dem Zurücksinken in das Vergessen der Geschichte.
Leerstand, Leipzig, 1994
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Licht mit einem Prozess des Bewusst-Seins oder Bewusst-Werdens zu verbinden, ist nicht neu, sondern führt zurück zu den Grundlagen unseres westlichen Denkens - und Glaubens. Von der antiken Philosophie an gilt das Licht als Metapher für das kognitive Phänomen geistiger Wahrnehmung und Erkenntnis. Seit der Epoche der Aufklärung (im Englischen bezeichnenderweise „Enlightenment“) weisen wir diesen Prozessen des Denkens eine immer größere Bedeutung zu.
Zwei Abendräume für Köln, 2006 (Kooperationsprojekt in St. Peter und St. Cäcilien/Schnütgenmuseum)
Das Licht, das aus der Nacht und der Dunkelheit hervortritt, mit den metaphysischen Phänomena des Glaubens bis hin zur epiphanen Erscheinung zu verbinden, ist seit der Geburt Christi in der westlichen Religion verankert. Architekturschöpfungen wie die Hagia Sophia oder Chartres wurden in dieser Auffassung errichtet, und auch in jedem anderen mittelalterlichen Kirchenbau ist sie manifest. Die Apsis, das Halbrund, das den Altar umschließt, war als der heiligste Ort angesehen, als ein für die Christen des Mittelalters ganz konkreter Ort der Anwesenheit Gottes. Deshalb war dieser Teil der Kirche der hellste, der, dem die meisten Fenster vorbehalten wurden.
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| Mischa Kuball: ...in progress. Projekte 1980-2007. Hrsg. Florian Matzner. Hatje Cantz Verlag, 2007; Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-7757-1926-1 |
ist Kunstjournalistin und Editorin des Internet-Magazins nachrichtenkunst
Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion
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November 2007














