Ringier-Medien: Népszabadság, Blikk, Nemzeti Sport

Die Schweizer Ringier-Gruppe ist Herausgeberin der größten politischen Tageszeitung Ungarns, Népszabadság, des meistgelesenen Boulevardblattes Blikk (181.000 verkaufte Exemplare, vE), und des meistgelesenen Sportblattes Nemzeti Sport (62.000 vE). Népszabadság (Online-Ausgabe: nol.hu) war bis zur Wende die Tageszeitung der Staatspartei, und über den symbolischen Anteil einer Stiftung am Blatt besteht bis heute eine Verbindung zur sozialistischen Partei (MSZP). Die Herausgeberin definiert ihr Produkt als unabhängiges Blatt, und unter dem aus der alten Zeit geerbten Namen (Népszabadság bedeutet ’Volksfreiheit’) steht nur: überregionale Tageszeitung. Népszabadság wurde 1990 von der Bertelsmann-Gruppe übernommen, die Ringier-Gruppe wurde erst 2003 Haupteigentümerin. Die frühere legendäre Auflagenhöhe von 700.000 Exemplaren (1985) schrumpfte bis heute auf weniger als ein Zehntel (April 2011), dennoch ist Népszabadság nach wie vor die meistgelesene überregionale Tageszeitung Ungarns.Magyar Nemzet, Hír Tv

Magyar Nemzet ("Ungarische Nation") ist die wichtigste konservative Tageszeitung Ungarns (47.000 vE). Sie wurde 1938 als konservatives, aber antinazistisch gesinntes Tagesblatt gegründet. In den Jahrzehnten des zentral gesteuerten Pressewesens fungierte das Blatt bis in die 1980er Jahre als Sprachrohr der Macht, kurz vor der Wende dann wurde es zum wichtigen Forum der Regimekritik in der breiteren Öffentlichkeit. Nach der Wende orientierte sich das Blatt wieder nach rechts. Seit 2000 wird es, in seiner Gesinnung der damaligen und jetzigen Regierungspartei Fidesz nahe stehend, vom Verlag „Nemzet Lap- és Könyvkiadó Kft.” herausgegeben. Magyar Nemzet und Hír Tv ("Nachrichten-TV") gehören im Wesentlichen zur selben Mediengruppe. Obwohl die Eigentumsverhältnisse schwer durchschaubar sind, gibt es im Management und unter den Mitarbeitern, die für die Inhalte verantwortlich sind, mehrere Übereinstimmungen. Hír Tv ist ein thematischer Nachrichtensender, der morgens, tagsüber und abends stündlich Nachrichten bringt und abgesehen von den Stunden zwischen Mitternacht und früh morgens ganztägig sendet.Infocenter-csoport: Heti Válasz, Lánchíd Rádió, Class FM

Die Mediengruppe ist mehrheitlich im Eigentum von Fidesz-nahen Privatpersonen, eine Minderheitsbeteiligung hat eine dänische Risikoinvestmentgesellschaft. Teil des Portfolios sind das während der ersten Orbán-Regierung gegründete politische Wochenblatt Heti Válasz ("Wöchentliche Antwort", 18.000 vE) sowie der ebenfalls rechtskonservative Radiosender Lánchíd Rádió ("Radio Kettenbrücke"). Beide wurden 2009 durch die Infocenter Zrt. (Zrt.: geschlossene Aktiengesellschaft) übernommen. 2010 kam noch ein überregionaler kommerzieller Musiksender, Class FM zum Portfolio, der in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 schnell zum meistgehörten Sender wurde und seine Funkfrequenz dadurch erwerben konnte, dass die Nutzungsrechte des Senders Danubius Rádió für diese Frequenz nicht verlängert wurden. Im April 2010 vereinbarte die Mediengruppe über den Ankauf von Anteilen am überregionalen kommerziellen Fernsehsender mit den höchsten Einschaltquoten, Magyar RTL Klub mit einem seiner Eigentümer, nachdem aber Infocenter den Kaufpreis bis zum festgelegten Termin nicht beglich, kam das Geschäft schließlich doch nicht zustande.CEMP-média: Index.hu, InfoRádió, Napi Gazdaság, portfolio.hu

Das Unternehmen Central European Media & Publishing (CEMP) ist Eigentümer von index.hu, das zu den einflussreichsten Online-Nachrichtenportalen Ungarns zählt. Im bunten Medienportfolio des Unternehmens befinden sich über das gemäßigt liberale Index-Portal und die mit ihm verknüpften thematischen Webseiten hinaus Anteile am politisch eher neutralen Tagesblatt Napi Gazdaság ("Tägliche Wirtschaft") sowie an der E-Zeitung für Wirtschaft und Börse portfolio.hu, aber auch am gemäßigt konservativen Nachrichtensender InfoRádió, den man in der Hauptstadt und in ihrer Umgebung empfangen kann. Index und die mit ihm verknüpften Sites verzeichnen durchschnittlich mehr als 1.230.000 Einzelbesucher pro Tag (Webaudit Mai 2011). Die Mediengruppe, die auch die Online-Buchhandlung bookline.hu betreibt, ist im Eigentum einheimischer Privatinvestoren.Magyar Telekom-Medien: [origo] & Co
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Die Eigentümerin von Origo Zrt., die Magyar Telekom Nyrt. (Nyrt: offene Aktiengesellschaft) betreibt das Webportal origo.hu, das die größte Konkurrenz für index.hu darstellt. (Magyar Telekom ist die ungarische Tochter der Deutschen Telekom, ihre Aktien werden an der Budapester Börse gehandelt.) Neben origo.hu bietet die Telekom-Gruppe noch zahlreiche Online-Dienste an, so den kostenlosen Maildienst freemail.hu, das in Ungarn entwickelte soziale Netzwerk iwiw.hu und die Videosharing-Site videa.hu. Das Nachrichtenportal origo.hu bringt weniger subjektive und mehr sachliche Beiträge als Index, und zwar in wesentlich neutralerem Ton. Die Zahl der durchschnittlichen Besucher pro Tag liegt bei über 1.410.000 (Webaudit, Mai 2011).Magyar Hírlap, Echo TV

Magyar Hírlap ("Ungarisches Nachrichtenblatt") galt seit seiner Gründung im Jahr 1968 als halboffizielle Tageszeitung der kommunistischen Regierung. Nach der Wende profilierte es sich zuerst als liberal, und vor allem seine Meinungssparte brachte neue Farben in das ungarische Zeitungswesen. 2006 übernahm der Miteigentümer der Elektrofirma Videoton, Széles Gábor, das Blatt, und er vollzog eine Wende nach rechts. Obwohl er anfangs versprach, Magyar Hírlap zu einer gemäßigt konservativen Zeitung zu machen, ist das Blatt inzwischen zu einer radikal rechtsgesinnten Tageszeitung geworden (12.000 vE), wodurch Magyar Nemzet wieder in das Mittelfeld rücken konnte. Als zweite Säule des Széles-Imperiums sendet seit 2005 der politische Talk-Sender Echo TV.WAZ-Medien: HVG, Pannon Lapok

Der deutsche Medienkonzern WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) investierte in zwei größere Unternehmen in Ungarn. Ihr Verlag für regionale Presseprodukte, die Pannon Lapok Társasága Kiadói Kft. (Kft: "GmbH"), gibt 4 westungarische Komitatszeitungen und eine städtische Zeitung samt ihrer Online-Versionen sowie kostenlose Wochenblätter für lokale Themen und Inserate heraus. Die HVG-Gruppe wiederum verlegt das Wochenblatt Heti Világgazdaság (abgekürzt hvg, "Weltwirtschaftswoche", 67.000 vE) und betreibt auch einen Buchverlag. Unter den Online-Magazinen der Gruppe sind das gemäßigt linksliberale hvg.hu und Hírszerző (hirszerzo.hu) die wichtigsten.Axel-Springer-Medien: Komitatszeitungen

Die Axel Springer Magyarország Kft. gibt 110 verschiedene Periodika heraus, darunter Frauen-, Jugend- und Automobilmagazine, Fernsehzeitungen und Rätselhefte, die insgesamt Auflagen in Millionenhöhe erreichen. Ein weiterer wichtiger Teil des Portfolios sind die 8 Komitatszeitungen sowie das Sonntagsblatt Vasárnap Reggel ("Sonntag morgen"), das in 18 verschiedenen Komitatsausgaben erscheint. Die Tageszeitung für Wirtschaft Világgazdaság ("Weltwirtschaft") gehört ebenfalls Springer. Die geplante Zusammenführung der ungarischen Töchter der deutschen Springer- und der Schweizer Ringier-Gruppe wurde im letzten Augenblick vereitelt, nachdem sich das ungarische Kartellamt im April 2011 gegen eine solche Fusion entschied.Sanoma-Medien: Magazine und Internet

Das Medienunternehmen Sanoma Media Budapest Zrt. betreibt neben der Herausgabe von unterhaltenden Wochen- und Monatszeitungen verschiedene Online-Magazine sowie einen Fernsehsender. Unter den Magazinen dominieren die für Frauen (Nők Lapja ist das meistgelesene Produkt der Gattung), neben ihnen gibt es noch eine Fernsehzeitung, ein Automobilmagazin, und bis April 2011 gab es auch ein Wirtschaftswochenblatt (Figyelő) im Portfolio. Sanoma gehört zu den drei größten Anbietern auf dem Onlinemarkt. Neben origo.hu und index.hu gelten Startlap.hu und die Nachrichtenseiten um startlap.hu (fn.hu, hir24.hu) als das dritte große „Kraftzentrum”. startlap.hu bietet statt eigenen Beiträgen eine immense Linkssammlung mit ständig erneuertem Titelblatt.Inform Média

Inform Média ist Eigentum einer österreichischen Investorengruppe, und das Medienimperium des Unternehmens in Nord- und Nordostungarn basiert auf drei regionalen Tageszeitungen. Inzwischen sind auch Sonntagszeitungen, kostenlose Wochen- und Inseratenblätter (unter ihnen das für die ungarische Hauptstadt bestimmte Budapesti piac mit einer Auflage von einer Million) sowie zahlreiche Online-Nachrichtenportale und -Magazine im Portfolio von Inform Média zu finden. Das Unternehmen ist nicht nur in Ungarn, sondern auch in Rumänien und der Ukraine tätig, das Hauptquartier ist in Debrecen.Wichtigere Medienunternehmen mit je einem Produkt:

Hinter den linken und linksliberalen Zeitungen stehen meist keine große Verlage oder größere Medienportfolios. Zu ihnen gehört die sozialdemokratisch ausgerichtete Népszava ("Volksstimme", 20.000 vE), die älteste Tageszeitung Ungarns, die zugleich als das halboffizielle Blatt der Ungarischen Sozialistischen Partei MSZP gilt. Das Wochenblatt 168 óra ("168 Stunden", 21.000 vE) ging vor der Wende aus einer Wochenendsendung zum öffentlichen Leben des Ungarischen Rundfunks hervor, und es wird nach wie vor von den Redakteuren der inzwischen eingestellten Sendung redigiert. Das unabhängige Wochenblatt für Literatur und Publizistik Élet és Irodalom ("Leben und Literatur", kurz: ÉS, nicht auditiert [n.a.], ca. 15.000 vE) und das ebenfalls unabhängige Wochenblatt für Politik und Kultur Magyar Narancs ("Ungarische Apfelsine", n.a., ca. 12.000 vE) gehören ebenfalls hierher und sind sowohl ihrer linksliberalen Orientierung als auch ihrem Wirkungskreis nach (höher angestellte großstädtische Intellektuelle) ähnlich. ÉS entstand 1956 anstelle der im Aufstand involvierten Irodalmi Újság ("Literarische Zeitung"), und sie bringt Dokureportagen von literarischem Rang, publizistische Beiträge und literarische Erstveröffentlichungen, wobei inzwischen der gesellschaftlich-politische Teil den größeren Raum einnimmt. Magyar Narancs wurde als Wochenblatt der einst liberalen Fidesz gegründet, doch die Wege trennten sich bald: Das Wochenmagazin wurde für seinen radikalen Ton und sarkastischen Humor bzw. die Behandlung von Themen bekannt, die in anderen Presseprodukten selten zu Wort kommen.Der Fernsehmarkt

In Ungarn ist der Anteil nationalsprachiger Fernsehsender im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr hoch (91 Sender, November 2010), und das bedeutet, dass der Wettbewerb unter den Teilnehmern selbst in derselben thematischen Sparte groß ist. Der Publikumsanteil der beiden überregionalen kommerziellen Sender (Magyar RTL Klub, TV2) und der öffentlich-rechtlichen Sender insgesamt liegt über 50 Prozent, das heißt, die Sendungen des marktführenden Magyar RTL Klub, seines Konkurrenten TV2 und des weit hinter ihnen liegenden M1 werden gleichzeitig etwa von der Hälfte aller Zuschauer verfolgt. (Die Einschaltquoten von M2 und Duna TV, das eine Art ungarische Ausgabe der Deutschen Welle darstellt, fallen in der Gesamtbilanz des Marktes kaum ins Gewicht. Selbst M1 kann nur ein Drittel der Einschaltquoten verzeichnen, die die beiden großen kommerziellen Sender je allein zählen.)
Magyar RTL Klub ist mit seinen vielfältigen thematischen Kanälen Mitglied der luxemburgischen RTL Group, während Tv2 zum deutschen Medienkonzern ProSiebenSat.1 Media gehört. Beide starteten 1997 ihr Programm. Der drittmeistgesehene Fernsehsender Viasat3 ist Tochter des Medienkonzerns Modern Times Group (MTG), der vor allem in den baltischen Staaten und in Skandinavien tätig ist, und seit 2009 wird auch die ungarische Tochterfirma von England aus geführt. Das Programm von Viasat3 entspricht dem der Kanäle mit allgemeiner Thematik, nur dass es keine Nachrichten und politische Sendungen enthält.Der Hörfunkmarkt

Der ungarische Hörfunkmarkt ist ähnlich stark segmentiert wie der Fernsehmarkt, nur konnte hier der öffentlich-rechtliche Sender seine Popularität besser bewahren, und die lokalen, städtischen kommerziellen Sender sind oft beliebter als selbst die meistgehörten überregionalen kommerziellen Sender. Im Publikum über 15 Jahren zählt der erste öffentlich-rechtliche Sender Kossuth Rádió landesweit die meisten Zuhörer, in der Altersgruppe zwischen 18 und 49 hingegen, die ja für Werbungen so wichtig ist, der überregionale kommerzielle Sender Class FM, mit anderen Worten, das Stammpublikum des öffentlich-rechtlichen Senders setzt sich aus den älteren Generationen zusammen. Der öffentlich-rechtliche Sender Magyar Rádió verfügt über drei große Kanäle: Kossuth Rádió sendet Nachrichten, überregionale, regionale und kommunale Informationssendungen, Petőfi Rádió strahlt Musik für das jüngere Publikum, und Bartók Rádió ist der Sender für klassische Musik und Literatur. (Die drei Sender wurden nach einer umfassenden Neugestaltung im Jahr 2006 unter Beibehaltung ihrer Namen mit Ziffern versehen – MR1-Kossuth, MR2-Petőfi, MR3-Bartók –, die dann von der jetzigen Leitung wieder entfernt wurden.)
Die zwei beliebtesten kommerziellen Sender mit überregionaler Reichweite, Class FM und Neo FM, begannen im November 2009 zu senden, und zwar auf den früheren Funkfrequenzen von Danubius Rádió und Sláger Rádió, nachdem die zuständige Medienbehörde die Nutzungsrechte für die Betreiber dieser Sender nicht verlängert hatte. Der Sieg des Konsortiums hinter Class FM (in seinem Hintergrund mit der Infocenter-Gruppe) wurde von der Fidesz, der des Konsortiums hinter Neo FM (in seinem Hintergrund mit der Est Média-Gruppe) von der MSZP unterstützt. (Der damalige Präsident der Medienbehörde trat zum Protest gegen diese Hintergrundverhandlungen von seinem Posten zurück.) Die Est Média-Gruppe, die unter anderem am Unternehmen hinter dem Sziget-Festival und seinen begleitenden Veranstaltungen sowie an einem Unternehmen für kostenlos verteilte Programmhefte (Pesti Est-Lapok) beteiligt ist, verkaufte im April 2011 ihre Anteile an Neo FM. Der Sender Klubrádió, der durch seine Redakteure eng mit der politischen Linke verbunden ist, begann einst sein Programm mit Verkehrsnachrichten für die Hauptstadt, nach 2001 jedoch agierte er als Meinungs- und Nachrichtensender weiter und wurde von einem als linksliberal bekannten Unternehmer finanziert. Während der sozialistisch-liberalen Regierung erwarb er mehr und mehr Anteile an regionalen Sendern bzw. die Frequenznutzungsrechte für diese, so dass er landesweit immer mehr Zuhörer erreichte. Nach dem Regierungswechsel 2010 begann Lánchíd Rádió seinen überregionalen Wirkungsradius in ähnlicher Weise zu erweitern. Klubrádió hingegen geriet nach 2010 in eine recht schwierige Lage: Die auslaufenden Nutzungsrechte für seine Frequenz in der Hauptstadt bereiten ihm ebenso Sorgen wie der radikale Rückgang seiner Einnahmen aus Inseraten. Um die Redakteure bezahlen zu können, bat Klubrádió seine Zuhörer um Spenden.
Übersetzung: Lajos Adamik
Copyright: Goethe-Institut Budapest
Juni 2011
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
redakteur@budapest.goethe.org
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