Csurka meint, es sei eine Schande, was sich bisher abgespielt hat

Im ausführlichen Interview, das István Csurka der Wochenzeitung Heti Válasz gegeben hat, spricht er davon, dass er ein ungarisches Theater, eine ungarische Schauspielschule haben will. Hier einige Auszüge aus dem Interview, redigiert von Berta Tóth. Das vollständige Interview ist in der online Ausgabe der Heti Válasz nachzulesen.
Herr Vorsitzender oder Herr Künstler?
Herr Redakteur. Mein Lebtag hat man mich so genannt, wie übrigens alle großen Schriftsteller - aber nicht, dass Sie jetzt glauben, ich würde mich zu ihnen zählen. Selbst auf der Pferderennbahn werde ich so angesprochen.
Wir wiesen darauf hin: Nach dem Niedergang der MIÉP können Sie sich im Új Színház (Neues Theater) nun wieder mit künstlerischen Angelegenheiten auseinandersetzen.
Ich bin der geistige Vater der Bewerbung und des Theaters - im Einvernehmen mit György Dörner. Ich finde es ungeheuerlich, dass das Ungarische Drama nirgendwo eine Heimstatt hat- und damit meine ich auch mein eigenes Schicksal. Ich will das Új Színház also dem schon existierenden ungarischen Drama und dem neuen, die heutige Zeit ins Auge fassenden ungarischen Drama öffnen.
Zwei Ihrer neueren Stücke werden sich auf dem Spielplan finden, auch planen Sie ein Drama über Ferenc Gyurcsány.
Das wird nicht von mir geschrieben. Wir veranstalten einen Wettbewerb.
Soll man die Lügenrede auf die Bühne bringen?
Sein ganzes Leben. Seine persönliche Bereicherung, sein Verrücktwerden und das Milieu, dem er angehört. Am wichtigsten ist, dass das Drama wirkt und dass die jungen Schriftsteller eine Möglichkeit bekommen, sich zu beweisen.
Bedarf es für ein gutes Drama unbedingt der Politik und der ungarischen Schicksalsfragen?
Die Dramen, die ich in letzter Zeit geschrieben habe, befassen sich wahrlich mit Schicksalsfragen. In erster Linie das Stück Der sechste Sarg (A hatodik koporsó). Aber es bedarf vielerlei Sachen, allerlei ungarischer Sachen.
Haben sie das geniale Theaterstück von Zoltán Egressy, „Portugal“, gesehen?
Ich werde es mir jetzt mal anschauen. Wir werden diese jungen Leute kontaktieren, die Dramen schreiben können. Und wir werden ihre Stücke spielen.
Als es mit MIÉP vorbei war, begann man auch Sie zu spielen: In Sopron wurden 2006 „Verreckte Minen“ (Döglött Aknák), dieses Jahr im Karinthy Theater das Stück „Ursprünglicher Ort“ (Eredeti helyszín) angesetzt.
Das stimmt so nicht. Keines meiner Dramen wurde aufgeführt, ehe das Turai Ida-Theater vor fünf Jahren Verreckte Minen spielte, mit Dénes Ujlaki und Gábor Koncz in den Hauptrollen, das wurde dann auch in Sopron gezeigt. Das Karinthy-Theater freilich spielte das Stück Ursprünglicher Ort, ohne auch nur ein Wort daran zu ändern. Dieses Stück hab ich 1975 geschrieben. Das sind zwei private Theater. Aus den anderen war ich verbannt.
Wenn Sie nicht den Parteivorsitzenden gegeben hätten, hätte man Ihre Stücke vielleicht gespielt und Sie hätten auch neue geschrieben. Tut es Ihnen nicht leid um die Zeit, die Sie in der Politszene verbracht haben?
Ich hab doch auch geschrieben, als ich Parteivorsitzender war. Den Roman Ästhet (Esztéta), in dem ich meine Angelegenheit in Kistarcsa verarbeite, aber auch zwei Erzählbände und fünftausend Seiten an Artikeln, Aufsätzen. Aber ein Drama schreiben, wenn du dir sicher sein kannst, dass man es sowieso nicht aufführen wird, das geht nicht. War es vielleicht irgendwo gesetzlich festgeschrieben, dass Stücke von Politikern nicht aufgeführt werden dürfen? Das war ein ungeschriebenes Gesetz, das man extra für mich verabschiedet hat. War Árpád Göncz denn kein Politiker? (….)
Ein Staatspräsident ist doch ein bisschen etwas anderes als ein rechtsradikaler Führer.
Ach was! Ihn hat man gespielt, die ganzen ungarischen Autoren aber wurden in die Studiotheater verbannt. Göncz wurde sogar in New York, in Washington gespielt. Wissen Sie, wer ihm dazu verholfen hat? Die Person, die auch die Casinostadt in Sukoró bauen wollte. Lauder. Der Vorsitzende vom Jüdischen Weltkongress. Ein schmutziger, kleiner SzDSz-Trick war das ganze. Damit sich solche wie ich niemals in Sicherheit fühlen können, damit die Leute nicht sehen, dass die auch heute nix anderes sagen, als ich vor langer Zeit geschrieben habe.
Sie haben derzeit keinen Grund, sich zu beschweren. Worauf wird es in Ihrem Theater denn ankommen? Auf weltanschauliche Nähe, oder wollen Sie gute Dramen? Sollte György Spiró ein Drama schreiben, würden Sie das bei Ihnen auf die Bühne bringen?
Gerade ihm fehlt es nicht an Theatern, von denen er gespielt wird, er wird sicher nicht unter den ersten sein, die wir um ein Stück ersuchen. „Jetzt kommen die Übermagyaren, sie kommen aus Scheiße und Dung...“ Wie ging noch mal das Gedicht, wegen dem man ihn aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen hat? Wir wollen lieber ungarische Autoren spielen.
Ist Spiró kein ungarischer Autor?
Ich weiß es nicht. Als Schriftsteller hat er mir nicht bewiesen, dass er Ungar wäre.
Er schreibt Ungarisch für Ungarn.
Ákos Kertész hat in der amerikanischen Népszava auch Ungarisch geschrieben. Aber nicht als Ungar. Glauben wir nur nicht, dass das ein Zufall ist. Sie wollen, dass irgendetwas ausbricht. Sie wollen ein, zwei Judenopfer. Das war eine bewusste Provokation der amerikanischen Népszava, für die ja die halbe SzDSz schreibt. (....)
Ist es nach einem Zweidrittelsieg nicht eigenartig, von einer Unterdrückung der Ungarn zu schreiben - wie es in der Bewerbung für das Theater steht?
Nein. Der Großteil des Ungarntums steht auch heute unter dem Druck der Liberalen. Das Übergewicht liberaler Fernsehstationen zweifelt keiner an, und das ungarische Drama leidet darunter.
Bezüglich PR-Plänen lesen wir in der Bewerbung, dass Sie auf „Zeitungen und Medien mit nationalem Inhalt“ abzielen. Also werden auch in Ihrer Zeitung, dem Magyar Fórum, Anzeigen geschaltet?
Selbstverständlich.
Und schmerzt es Sie nicht, dass die Fachjury Ihre Bewerbung im Verhältnis 6-2 abgelehnt hat?
Ich hätte mich geschämt, wenn unsere Bewerbung von dieser Tamás Ascher-Jury ausgewählt worden wäre. Eine in Bälde gesündere Kulturpolitik kann der Schande, wie sie sich bisher hier abgespielt hat, ein Ende bereiten.
Was hätten Sie gern an deren Stelle?
Ungarisches Theater, eine ungarische Schauspielschule.
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Copyright der deutschen Übersetzung: Goethe-Institut Budapest
November 2011
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