Serambi Jazz: Freundschaft durch Musik
Der Beginn der deutsch-indonesischen Jazz-Freundschaft
Die Jazzszene Indonesiens ist mit der deutschen eng verbunden. Was viele nicht wissen: Diese Freundschaft entstand vor 40 Jahren, als der deutsche Jazz-Journalist, Produzent und Buchautor Joachim-Ernst Berendt nach Jakarta kam und dort den Chef von Irama Records, „den singenden Commodore“ Suyoso Karsono kennenlernte. Hier traf er auch Bubi Chen und Jack Lesmana, deren Arbeit er sehr interessant fand und sie daraufhin beim Berliner Jazz Festival 1967 auftreten ließ. Dies war die Geburtsstunde der Indonesian All Stars, zu denen neben Jack und Bubi auch Maryono, Yopie Chen, Benny Mustafa Van Diest und Tony Scott gehörten. Mit ihrem progressiven Ethno-Jazz, der seiner Zeit weit voraus war, verblüfften sie das deutsche Publikum. Kurz darauf nahm man in Deutschland mit „Djanger Bali“ ein historisches Album auf. Die deutsch-indonesische Jazz-Connection war damit aus der Taufe gehoben.
Die indonesische Jazzszene der Gegenwart und die Anfänge von Serambi Jazz
Jazz erfreut sich in Indonesien zunehmender Beliebtheit. Es gibt hier viele junge ambitionierte Talente, die derzeit mit viel Mut nach vorne durchstarten. Einige haben im Ausland studiert und sind danach nach Indonesien zurückgekommen, andere haben ihre Karriere direkt in ihrer Heimat begonnen. Die Musikszene ist offener geworden, die Jazzmusiker mit ihrem Idealismus werden hier mit offenen Armen empfangen. Dazu gibt es gute Ausbildungsmöglichkeiten und hochkarätige Konzerte – die Chancen stehen also gut, dass die hiesige Jazzszene sich auch weiterhin prächtig entwickelt.
Für die indonesische Jazzszene war es natürlich eine große Freude, als das Goethe Institut Jakarta und der Kurator, Komponist und Pianist Riza Arshad 2009, also vier Jahrzehnte nach der ersten deutsch-indonesischen Jazz-Begegnung, das Projekt Serambi Jazz ins Leben riefen, um den beidseitigen Beziehungen eine Art Verjüngungskur zu verabreichen. Die Jazz-Konzerte dieser Reihe finden nun alle zwei Monate unter regelmäßiger Beteiligung deutscher Musiker statt. Diese kommen nicht nur für das Konzert hierher, sondern richten auch gemeinsam mit indonesischen Musikern Workshops aus. Das Programm findet nun schon im fünften Jahr in Folge statt und kann auf viele Erfolge zurückblicken. Aus der Vision Riza Arshads, mit Serambi Jazz dem Alternative Jazz ein Forum zu geben und das Hauptaugenmerk nicht auf kommerzielle, sondern künstlerische Aspekte zu legen, ist ein wichtiger Event für Jazzbegeisterte mit einer loyalen Anhängerschar geworden.
Nach den Auswahlkriterien müssen alle Musiker, die in der Reihe Serambi Jazz auftreten, einen unverkennbaren eigenen Stil haben, der sie in der Jazzszene einzigartig macht. Die Musiker aus Deutschland sollten darüber hinaus aber auch in der Lage sein, Inhalte zu vermitteln, um dem Bildungsaspekt des Projekts ebenfalls Rechnung zu tragen.
Die einzigartige Atmosphäre der Konzerte und Workshops der Serambi Jazz Reihe haben die Jazzszene Indonesiens ungemein bereichert. Viele hiesige Talente haben viel von den deutschen Musikern gelernt, indem sie live erleben konnten, wie diese ihre Ideen umsetzen oder ihre Workshops besucht haben. Aus diesen sind sogar einige bekannte Bands hervorgegangen, etwa die Shadow Puppets, die sich nach dem Workshop von Henning Sieverts formierten, und Nilakandi, die sich bei Max von Mosch von max.bab zusammenfanden.
Dieser Ort des Lernens bringt nicht nur die indonesische Jazzszene voran, sondern stellt auch für die Musiker aus Deutschland eine enorme Bereicherung dar. Max von Mosch zeigte sich extrem beeindruckt von dem ausgeprägten Miteinander, das die Teilnehmer an den Tag legten: „Es ist toll, wie respektvoll diese talentierten Musiker miteinander umgehen und zusammenarbeiten. Wir hatten alle sehr viel Spaß, all diese herausragenden Werke, allesamt Eigenkompositionen der Teilnehmer, zu bearbeiten und das Konzertfinale vorzubereiten, das am Ende ein Riesenerfolg wurde. Selbst zwei Wochen später habe ich einige der Melodien immer noch vor mich hin gesummt!“
Seit 2010 ist das Projekt sogar erweitert worden: Serambi Jazz fand inzwischen auch seinen Weg nach Bandung und Yogyakarta, bald steht auch Surabaya auf dem Programm. Unter der Obhut von Serambi Jazz werden also sicherlich auch noch viele weitere spannende Jazzbands geboren werden.
Jazzrichtungen und interkulturelle Einflüsse
Bei der Ausrichtung der Veranstaltung ist es dem Goethe Institut und dem Kurator von Serambi Jazz sehr wichtig, eine möglichst vielfältige Bandbreite an Künstlern zu präsentieren. So hat man hier bisher die unterschiedlichsten Klänge vernommen, von Bebop, Straight-Ahead über Post Bop bis hin zu Swing, Fusion, Funk und sämtlichen Mischformen. Auch für indonesische Ethno-Klänge und europäischen Folk ist hier Platz. Was die deutschen Acts, die bislang hier aufgetreten sind, auszeichnet, ist die bemerkenswerte Verbindung aus Können und Kreativität. So hat Henning Sieverts für die berühmte vor 100 Jahren von einer Künstlervereinigung geschaffene Bildersammlung „Der Blaue Reiter” eine Art impressionistische musikalische Leinwand geschaffen und das Werk damit zu neuem Leben erweckt. Kristiina Tuomi hat ein spannendes Projekt inszeniert, das die Kunst klassischer Dichter wie Shakespeare, Edgar Allan Poe und Rainer Maria Rilke aus sich selbst heraus erfahrbar macht. Max.bab überraschte mit seinem experimentellen Mix aus Klassik, Bebop und zeitgenössischen Klängen, Wolfgang Haffner nahm die Broken Beats des Nu-Jazz in sein Schlagzeugrepertoire auf, und Yakou Tribe präsentierten ihren Nocturnal Shimmering „nächtlich schimmernden“ Jazz gewürzt mit einer Prise American Funk.
Serambi Jazz aus der Sicht von Musikern und Jazzexperten
Laut des renommierten Gitarristen Venche Manuhutu sind solche Projekte „sehr wichtig, um die Jazzlandschaft Indonesiens zu fördern.“ Nicht nur in Indonesien, auch in Deutschland gibt es viel positive Resonanz. „Wir wissen nicht sehr viel über die Jazzszene in Indonesien und auch nicht besonders viel über das Land an sich“, gab Henning Sieverts 2009 zu. „Darum ist es großartig, dass das Goethe Institut deutsche Künstler in das Land holt und so einen Austausch schafft“, so Sieverts, der inzwischen selbst schon in Indonesien war. Kristiina Tuomi, die 2010 das Land besuchte, befand: „Es war sehr interessant, von anderen Menschen als exotisch angesehen zu werden. Die Indonesier waren sehr freundlich und machen offenbar für ihr Leben gerne Fotos.“
Der Einfluss von Serambi Jazz war auch beim Jazzahead! Festival am 28. April 2011 in Bremen spürbar, wo Riza Arshads außergewöhnliches progressives Ensemble simakDialog mit seinen Kendang-Trommeln für außergewöhnliche Klangerlebnisse sorgte. Die Formation wurde vom Goethe Institut gesponsert, was, so Riza Arschad „mit Sicherheit der Serambi Jazz Reihe zu verdanken ist.“
Auch die 2006 gegründete Salamander Big Band aus Bandung ist ein Beispiel für das große Engagement des Goethe Instituts in der indonesischen Jazzszene. Gründer und Kopf der Band Devy Salamander ist überzeugt, dass es ihm erst durch Serambi Jazz ermöglicht wurde, dank seiner Big Band einer besseren Zukunft entgegenzublicken. Thorsten Wollman, der schon als Leader diverser europäischer Big Bands von sich reden machte und im März 2013 ein gemeinsames Konzert mit der Salamander Big Band gab, ist sich sicher: „Ohne das Goethe Institut wäre das nicht möglich gewesen."
Katrin Sohns, Leiterin des Kulturprogramms der Goethe-Institute in Südostasien, Australien und Neuseeland, weiß um die Bedeutung von Serambi Jazz und ist sehr bemüht um den weiteren Fortbestand des Projekts. Die Programmgestalterin und Koordinatorin von Serambi Jazz Dinyah Latuconsina, freut sich darüber, dass das Programm immer vielfältiger und die Zahl der Workshop-Teilnehmer und Fans gleichermaßen wächst. „Diesen Standard möchten wir beibehalten, sowohl was die Qualität als auch die Bandbreite betrifft,“ so die Organisatorin. 2013, verrät sie, soll die Zusammenarbeit zwischen indonesischen und deutschen Jazz-Musikern noch intensiviert werden: „Schließlich hat sich Serambi Jazz zum Ziel gesetzt, einen Raum zu schaffen, in dem Wissen und Erfahrung geteilt werden können.“
Blick in die Zukunft
Im April 2013 bewies sich dieses Modell der Zusammenarbeit erneut - diesmal mit zwei wahren Musikgenies aus verschiedenen Welten: Kurator und Tastenvirtuose Riza Arshad sowie der Gitarrist Kai Brückner. Riza Arshad hat in der Rhythm Section seiner Formation simakDialog das Schlagzeug durch sudanesische Kendangs und Metallspielzeug ausgetauscht. „Es mag komisch klingen, doch die starke, universelle Kraft des Jazz wird das Ganze zu einem spannenden Zusammenspiel machen“, so Riza. „International Projekte wie diese sind sehr selten”, bestätigt Kai Brückner, „wenn eine Band andere Länder bereist, präsentiert sie meistens dort ihr Repertoire. Hier aber entwickeln wir ein ganz neues Konzept und spielen unsere eigene Musik einmal in einem völlig ungewohnten Umfeld. Die Instrumentierung ist neu für uns, und wir werden Klänge erleben, die wir noch nie zuvor gehört haben. Ich freue mich schon sehr auf diese sicherlich enorm spannende Zusammenarbeit.“
Auch aus anderen Teilen Europas sollen innerhalb des Projekts Musiker zusammenkommen. 2012 waren mit Trio Cédric Hanriot, Eric Legnini Trio und Franck Amsallem bereits drei fränzösische Bands bzw. Künstler vertreten. Weitere internationale Kooperationen sind bereits in Vorbereitung. Serambi Jazz ist zum Aushängeschild des Goethe Instituts geworden, das auf der ganzen Welt deutsche Kultur fördert. Handverlesene Musiker, ein künstlerischer Jazz-Ansatz und ein zusätzliches musikalisches Bildungsangebot – das ist das außergewöhnliche Konzept, das die Konzertreihe so erfolgreich gemacht hat. Serambi Jazz verbindet nicht nur Musikfreunde, sondern fördert gleichsam durch den Jazz Frieden, Harmonie und Verständnis zwischen zwei Völkern.
Gründer/CEO of Jazzuality.com
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