"Was weh tut, muss Sprache werden": Martin Walser, ein Chronist des Alltagsbewusstseins
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Martin Walser |
"Wenn die Welt uns entsprechen würde, gäbe es keine Literatur. Natürlich auch keine Religion. Die Welt entspricht uns zutiefst nicht." Mit diesen Worten beginnt der Essay Sprache, sonst nichts (1999) und mit diesen Worten sagt Martin Walser zugleich, warum er seit über sechs Jahrzehnten schreibt.
"Das Schreiben ist die schönste Bewegung, in die man geraten kann"
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'Ehen in Philippsburg' |
Seither häuft Walser Auszeichnungen an. Für sein Romandebüt Ehen in Philippsburg erhält er 1957 den Hesse-Preis, dann den Hauptmann-Preis und den Schiller-Gedächtnispreis. 1981 wird er mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet: "Für sein vielgestaltiges und erfindungsreiches Werk, das mit raschem Witz und stürmischer Sprachkraft in unermüdlichem Bemühen das Gesicht seiner Zeit und ihrer Menschen zu ergründen sucht." Walser ist Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland und Träger des Ordens Pour le Mérite. 1998 bekam er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
"Ich habe mich da nicht zeitgeistgünstig verhalten"
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'Tod eines Kritikers' |
Martin Walser wurden vom Feuilleton immer schon Etiketten an die Brust geheftet. Wurde er in den 50er und 60er Jahren als Kommunist abgestempelt, so drängte man ihn nach seinem Bekenntnis, dass er die deutsche Teilung als unerträglich empfinde, 1988 in die Ecke der Rechtskonservativen. Dabei hat sich Walser selbst nie als politischer Schriftsteller verstanden. "Ich habe in der Öffentlichkeit immer nur versucht, auszudrücken, was mich bewegt, wie es mir geht."
"Der Roman als die Geschichtsschreibung des Alltags"
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'Unglücksglück' |
Es ist der Realismus der Darstellungen, der an Walsers Prosa fasziniert, sein mitleidslos entlarvender, teils ironischer Blick. Als "Chronist des Alltagsbewusstseins" wird Walser daher vielfach mit John Updike verglichen. "Walser schreibt modern, aber für jedermann verständlich, spannend, aber nicht trivial, handfest, aber auf weltliterarischem Niveau, witzig, aber nicht zynisch, empfindlich, aber nicht weinerlich", so beschreibt etwa Joseph von Westfalen im Neuen Handbuch der deutschen Gegenwartsliteratur seit 1945 Walsers Stil. Und für Thomas Steinfeld ist Walsers Erzählwerk ein "Kolossalgemälde der Bundesrepublik".
"Für mich ist Schreiben Leben"
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'Das geschun-dene Tier' |
Walsers Œuvre wächst also weiter – schon allein, weil die Welt ihm auch in Zukunft nicht entsprechen wird. "Es gibt viele Motive zu schreiben: Selbstvergewisserung, Selbstverteidigung, Selbstbetäubung", sagte er im September 2005 in einem Interview für die "Welt". "Mir fällt ein, was mir fehlt. Wenn alles so wäre, wie ich es wollte, könnte ich nicht schreiben. Aber da das nie passieren wird, bleibt mir nur das Schreiben."
arbeitet als freie Publizistin in Bonn
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März 2007













