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Anwar Holid berichtet über seine Teilnahme an dem Workshop "Fotobuch“ des Goethe-Instituts Jakarta

 

Ich nahm an dem Workshop über den Herstellungsprozess von Fotobucheditionen am Goethe-Institut (GI) Jakarta teil. Unterstützt wurde dieser Workshop vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Baden-Württemberg, Deutschland. Teilnehmer des dreitägigen Workshops vom 29. bis 31. Januar 2008 waren vor allem professionelle Photographen, Designer, Studenten und Verleger, die sich häufig mit Büchern, die Photos enthalten, beschäftigen.

Es waren nicht sehr viele Teilnehmer; doch am 30. Januar kamen einige Mitarbeiter von Verlagen und Journalisten hinzu, denn wir begannen an diesem Tag mit dem Besuch der Druckerei Indonesia Printer (IP). Obwohl ihre Arbeit ausgezeichnet ist, weist die Druckerei noch typische Merkmale der dritten Welt auf: ein Teil des Betriebs wirkt chaotisch und ist vollgestellt mit Papiermüll. Aber einen Großteil der Räumlichkeiten nehmen Druckmaschinen erster Klasse ein – unter anderem eine POD-Maschine (Print on Demand).

 

Indonesia Printer druckt einige Franchise-Magazine, in erster Linie Cosmopolitan und Rolling Stone. Zur Zeit hat die Druckerei auch ein sehr spezielles Buch in Arbeit, es ist der Photographieband von Sigit Pramono, der von R & W Publishing herausgegeben wird. Dieser Band, so heißt es, wird zum Preis von Rp.1.000.000,- pro Exemplar verkauft. Phantastisch! Bei diesem Workshop spendete R & W Publishing einige Bücher für die Sammlung der Bibliothek des Goethe-Instituts Jakarta.

Neben dem Einsatz neuester Techniken wird eine große Anzahl von Büchern bei IP noch in Handarbeit gefertigt, auch zum Beispiel das Leimen der gebundenen Bücher. Hinterlassenschaften vergangener Zeiten finden sich unter anderem bei der Montage von Photos für die (Film-) Platten, die später gedruckt werden.

”Diese Filme lassen sich nur sehr schwer in digitales Material umwandeln, denn eine solche Technik ist längst überholt,” sagt Markus Hartmann, der Experte des Workshops. Er arbeitet bei dem deutschen Verlag Hatje Cantz, der sich auf die Herausgabe von Bänden über Photographie, Design und Bildende Kunst spezialisiert hat. ”Diesem Problem sehen sich alle Länder gegenüber,” fügt er hinzu. ”Es braucht enorm viel Zeit und Energie, wenn man diese Vorlagen in digitale Daten umwandeln will. Heutzutage sind sämtliche Geräte hochentwickelt und digital. Die Digitalisierung bringt gewisse Konsequenzen mit sich, zum Beispiel, dass Arbeitskräfte sehr spezialisiert sind und nur jeweils einen Arbeitsschritt bearbeiten. Häufig werden Digitalisierungsprojekte einfach beendet, weil sie zu hohe Kosten und Energien erfordern. Oft können Betriebe dies nicht auffangen. Dann werden Filme, Text- oder analoge Daten zu Geschichte.”

 

Markus Hartmann hat viel zu berichten. Er gibt freimütig Auskunft und sagt kein einziges Mal "off the record" oder „Betriebsgeheimnis“. Er informiert ausführlich. Ich betrachte ihn als einen Menschen, der wie ein Link fungiert, der sofort alles miteinander verbinden kann, was mit der Herstellung von Fotoeditionen zusammenhängt, angefangen von den Vorbereitungen und Projekten bis hin zu Produktionen. Er schildert Gegebenheiten, die in Indonesien nur schwer vorstellbar sind, zum Beispiel, dass Buchläden den Verlagslagern einen Schlüssel überlassen, damit deren Kuriere die bestellten Bücher zu jeder Zeit abliefern können, vor allem am frühen Morgen oder am Abend, wenn die Buchläden geschlossen sind.

Der Workshop verläuft gelöst, im Dialog, ausgestattet mit Wi-Fi und mehr als 180 Exemplaren der neuesten Bucheditionen aus Deutschland, die vom Deutschen Fotobuchpreis erfasst sind; Vom 31. Januar 2008 bis 8. Februar wurden diese Bände ausgestellt.

Es erscheint ungerecht, wenn ich die Situation des Buchwesens in Deutschland mit der in Indonesien vergleiche, oder die wirtschaftlichen Bedingungen, die Qualität oder die soziale Situation, selbst wenn viele Faktoren der Produktion gleich sind. Was müssen wir tun, um die Rückständigkeit wettzumachen? Einer der Teilnehmer schlägt vor, dass vielleicht dann eine gute Qualität erreicht werden könnte, wenn Photographen etwas Zeit bei den Druckereien verbringen würden. Auch wenn die Qualität des Drucks in der Verantwortung der Druckerei liegt und die Aufgabe des zuständigen Mitarbeiters darstellt. Der Markt für Photobände ist in Indonesien nach wie vor schwierig; eine Veröffentlichung ist häufig nur im Rahmen einer bestimmten Veranstaltung üblich und dann auch nur deshalb, weil ein Sponsor vorhanden ist.

Den Markt für Photobände in Deutschland bilden in erster Linie die Museen, Galerien, Design- und Werbeagenturen, andere Designer, Künstler, Architekten und Kuratoren. Der Erfolg eines Photographen ist sicherlich relativ; während einige sehr erfolgreich sind, verschwinden andere wiederum nach der Veröffentlichung von ein- oder zwei Büchern von der Bildfläche. Im Falle von Hatje Cantz veröffentlichen Photographen häufig Bücher für ihr Portfolio, so dass ihre Werke später von Museen oder Galerien hoch bewertet werden. Die von den Photographen erbetenen Freiexemplare können an Stückzahl sehr hoch ausfallen und werden häufig als Teil der Produktionskosten und der Tantiemen berechnet. Für wen sind diese Freiexemplare? Für Galerien, Dozenten, Kuratoren, Museen, für Veranstalter von Ausstellungen und andere. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Verlag in Indonesien derart viele Freiexemplare vergeben könnte.

Deutsche Verlage nutzen sehr geschickt bestimmte Zeiten, um die Vermarktung ihrer Produkte zu steigern, vor allem um Weihnachten und Neujahr herum. ”In Deutschland gehören Bücher in die Kategorie Geschenke, und diese Auffassung ist im Denken der Menschen tief verwurzelt,” betont Dinyah Latuconsina, Mitarbeiterin der Abteilung Information und Bibliothek des Goethe-Instituts. Die Verlage schlagen auch Verbindungen zu relevanten Themen, die als Mehrwert eines Buches aufgenommen werden können, zum Beispiel Fragestellungen zur Umwelt, zur globalen Erwärmung, zu Identität und ähnlichem.

Markus Hartmanns Informationen weisen auf Unterschiede hinsichtlich bestimmter Bedingungen und der Größenordnung hin: Fotoeditionen in Deutschland werden im Durchschnitt in einer ersten Stückzahl von 2000 Exemplaren für Künstler gedruckt. Die Auswahl des Papiers, des Umschlags, der Bindung und die Qualität der Werke sind im Allgemeinen aufeinander abgestimmt. Während des Workshops konnten wir sehen, tasten, beobachten und riechen wie verschiedenste Arten von Fotoeditionen in bester Qualität realisiert werden. Es sind Bücher mit Ledereinband, mit Japanischer Bindung und Spezialpapier. Markus Hartman zeigt feines Gespür für die Art des Papiers, der Druck- und Farbtechnik und für die Wertung der Ergebnisse. Wie ein Prüfer oder ein Kurator sagt er sehr offen, welches Buchprojekt Erfolg haben wird und welches nicht. Einige der Bücher steigern die Reputation des Photographen und machen ihn zu einem erfolgreichen Künstler, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch was Ruf und Kritik angeht.

Bei diesem Workshop gewann ich den Eindruck, dass die technischen Errungenschaften in Deutschland bereits in weiter Ferne liegen und nur schwierig einzuholen sind. Laut Markus Hartmann bestehen Schwierigkeiten für den Fortschritt unter anderem bei der Anerkennung - in Form von Interesse als auch in finanzieller Hinsicht -, der Bemühung nach Perfektion (Innovation), als auch bei der Experimentierfreudigkeit und beim Wettbewerb. ”Das hat nichts mit Arroganz zu tun, vielleicht ist es Redeerfahrung. Wir lernen, entdecken und suchen,” sagt er.

Soeben habe ich den Fortschritt eines Volkes gesehen. Auf der Fahrt nach Hause blitzte die Frage, die ich eben gestellt hatte, wieder auf: ”Was müssen wir tun, um die Rückständigkeit wettmachen?”

Anwar Holid
Berater für Buchforum/Forum-Buku
lebt und arbeitet in Bandung, Indonesien

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