Carolin Walch

Vier Fragen an: Carolin Walch

Carolin Walch, Jahrgang 1982, hat in der deutschen Manga-Szene als Zeichnerin von „Magic Mütze" angefangen. Kurzgeschichten von ihr wurden in „Ballroom Blitz“ oder „Orang“ veröffentlicht. Carolin Walch ist weder verwandt noch bekannt mit der gleichnamigen Synchronsprecherin. Für bizarre Töne und Kuriositäten hat die Münchner Künstlerin allerdings einiges übrig: Auf ihrer Homepage finden sich Fotos wartender Hunde, trashiger Musikbands sowie Schnappschüsse der Großeltern.

Du hast den Manga „Magic Mütze“ produziert und diverse kleinere Comics, jetzt hast Du eine Celebrity-Graphic-Novel gezeichnet. Kannst Du Deinen Weg von den ersten Zeichnungen bis zu „Roxanne & George“ beschreiben? 

2005 zeichnete ich zusammen mit meiner Schwester Romina die Kurzgeschichte Magic Mütze, um sie bei einem Manga-Wettbewerb einzureichen. Gewonnen haben wir nicht, aber der Verlag Schwarzer Turm wurde dadurch auf uns aufmerksam und veröffentlichte die Geschichte in seiner Manga-Anthologie Paper Theatre. Auf Comicfestivals lernte ich andere Zeichner kennen und die Leute von Reprodukt. Nachdem ich 2007 mein Praxissemester beim Verlag absolviert hatte, hielt ich sie mit Skizzen und Zeichnungen auf dem Laufenden.

Selbstporträt Carolin Walch

Wie entstand „Roxanne & George“? Wie viel hat sich im Laufe der Jahre verändert? 

Roxanne & George fing 2009 als Bachelor-Projekt an der Hochschule München an. Wenn man die ersten Charakterskizzen mit den heutigen Zeichnungen vergleicht, sieht man den krassen Unterschied. Während des Studiums war ich noch nicht sicher, welche Technik ich für den Comic verwenden sollte, ursprünglich war das ganze in Bleistift und Graustufen geplant. Allerdings wurde mir diese Arbeitsweise zu anstrengend und zu schmuddelig, da während des Zeichnens die Zeichnungen ständig verwischten. Also kehrte ich zu meinem altbewährten Manga-Stil mit Feder und schwarzer Tusche zurück.

Da ich relativ langsam zeichne, war von vorne herein klar, dass ich eine gute Geschichte schreiben muss, die mich selbst lange genug interessiert. Zur Recherche zog ich mir sämtliche MTV Reality Shows rein und alle Staffeln von The Osbournes. Dazu noch Dokumentationen über abgehalfterte Rockbands, Biografien diverser Bands und tonnenweise Fotos von Hipstern, It-Girls, Fashion Bloggern etc. (der Recherche-Ordner auf meinem Laptop beinhaltet 3.456 Dateien). 

Glamour und Prominenz: Erstrebenswert oder beängstigend? 

Carolin WalchIch persönlich habe im Leben andere Ziele als Glamour und Prominenz. Den Gedanken, dass jede Speckrolle zu viel und jede Partynacht in den Medien seziert wird, finde ich nicht besonders prickelnd. 

Was tust Du gegen die Angst vor dem weißen Blatt? 

Die Angst vor dem weißen Blatt wurzelt ja eigentlich im eigenen Perfektionismus und in zu hohen Erwartungen an die Zeichnung. Ich umgehe das, indem ich zuerst die Panels einzeichne und dann mit Bleistift erstmal ganz grob hässliche Männchen hinein kritzele. So ist das Blatt schon einmal entweiht und ich kann ohne Hemmungen weiter zeichnen. 

  • Roxanne & George, Reprodukt Verlag, Berlin 2011
Rieke Harmsen
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März 2012
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