Martin Tom Dieck

Martin Tom Dieck

Martin Tom Dieck

  • 1963 geboren in Oldenburg
  • 1986-92 Studium der Illustration in Hamburg
  • lebt und arbeitet in Hamburg
  • zurzeit Professor für Illustration an der Muthesius Kunsthochschule Kiel

Auszeichnungen und Preise:

  • 1994 Max- und Moritzpreis für die Beste deutschsprachige Comic-Publikation („Der unschuldige Passagier“)
  • 2000 Max- und Moritzpreis als Bester deutschsprachiger Comic-Künstler

Ein wichtiges Element, das in fast allen Comics des Hamburgers Martin tom Dieck auftaucht, ist Wasser. Er benutzt die Materie als Metapher für die Veranschaulichung der inneren Gefühls- und Gedankenwelt seiner Protagonisten, die sich, indem sie sich vom Leben treiben lassen, dem Strudel der Entscheidungen zu entziehen versuchen. So zum Beispiel in dem Comic Der unschuldige Passagier (1993), in dem ein Reisender eine Kursänderung erreichen will und der bei seiner Suche nach dem Kapitän durch das Schiff von der Kommandobrücke bis hinunter in den Maschinenraum, irrt. Bei seiner Erkundung trifft er auf eine führerlose Mannschaft, die weiterhin treu auf ihrem Posten verweilt, und andere Passagiere, die sich ihrem Schicksal fügen. Doch niemand ist bereit, das Ruder in die Hand zu nehmen.

Das Nachfolgealbum Hundert Ansichten der Speicherstadt (1997) ist sowohl narrativ als auch grafisch von dem Grundelement Wasser beherrscht. In wortlosen einseitigen Bildern treibt der Betrachter durch die Hamburger Speicherstadt, einer inzwischen stillgelegten Hafenanlage zum Löschen von Schiffsladungen. Der Protagonist, der äußerlich und in der Mimik an Buster Keaton erinnert, bewegt sich durch einen undefiniten und sich scheinbar auflösenden Raum. Denn tom Dieck lässt seine Figur im, unter, durch und über das Wasser gleiten. Dabei ist jedwede Darstellung, ob von menschlichen Figuren, flüssigen oder festen Materien, in wirbelnden oder geraden, feinen oder groben Strichen gezeichnet. Mit der Folge, dass alles Abgebildete fließend ineinander übergeht und eine dramatische Synergie entwickelt. Auch Monsieur Lingus’ Wissen über Wasser (2001) handelt, wie schon im Titel angekündigt, von dem nassen Element. Doch die Geschichte ist in Wort und Bild weitaus kryptischer und wird von traumwandlerischen und surrealen Sequenzen beherrscht.

In Salut Deleuze (2000) und Neue Abenteuer des unglaublichen Orpheus (2001) setzen sich tom Dieck und Jens Balzer mit Gilles Deleuzes Werk Differenz und Wiederholung auseinander. Diesmal symbolisiert das Wasser den Übergang vom Leben in das Totenreich, den Hades. Im ersten Band wird fünfmal in den gleichen Bildern das Übersetzen von Deleuze mit dem Fährmann Charon und Deleuzes Begrüßung altvertrauter Bekannter, wie Roland Barthes, Michel Foucault und Jacques Lacan am anderen Ufer geschildert. Während sich der bildliche Ablauf stetig wiederholt, unterscheiden sich die Dialoge, da sie sich sowohl auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beziehen. Das Folgealbum versammelt die zuvor in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) abgedruckten Strips, in denen das Autor-Zeichner-Duo das Denken der oben genannten Philosophen auf vielfältige Probleme des Lebens beziehen. Martin tom Dieck ergründet, angetrieben von dem Bedürfnis einer Umwertung des tradierten Zeichengebrauchs, die darstellerischen und narrativen Möglichkeiten des Comics.

Seine Illustrationen werden regelmäßig in Tages- und Wochenzeitungen veröffentlicht, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, Libération und Die Zeit. Zurzeit ist er als Professor für Illustration an der Muthesius Kunsthochschule Kiel tätig.

Matthias Schneider
ist Kulturwissenschaftler, freischaffender Kultur-Journalist und kuratiert Filmprogramme und Ausstellungen zum Thema Comic.

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März 2009

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