Ariela Kristantina

Ariela Kristantina

Ariela
Kristantina

  • Studierte Informationstechnologie (cum laude) und im Anschluss daran Digitale Animation
  • Mitbegründerin des Studio Seven Blue Art Land
  • Zur Zeit arbeitet sie an ihrem Master-Abschluss in Sequential Art am Savannah College of Art and Design, Georgia, USA

Niemals aufhören zu experimentieren und sich weiterzuentwickeln ...

Ariela Kristantina – besser bekannt unter ihrem Spitznamen Rie – ist eine der wenigen Frauen unter den indonesischen Comic-Künstlern. Die experimentierfreudige Zeichnerin benutzt gern ungewöhnliche Werkzeuge und Untergrundmaterialien für ihre Arbeiten. So hat sie bereits auf Mauerwänden, Holzbrettern, Stoffbahnen oder auch auf dem Boden von Fußgängerzonen gezeichnet. Die Beschaffenheit der Oberflächen ist unwichtig, oft entscheidet sie sich für ein bestimmtes Material, weil es gerade vorhanden ist. „Ich nehme es als Herausforderung, um meine Fähigkeiten im Zeichnen auszuloten und zu erweitern. Außerdem möchte ich aus dem Wohlfühlbereich – nämlich Papier zu verwenden – heraustreten“, sagt sie.

Die Ergebnisse erstaunen, vor allem, wenn man bedenkt, dass Rie niemals eine formale Grafikausbildung genossen hat. Vielmehr studierte sie erfolgreich (cum laude) Informationstechnologie. Danach aber konzentrierte sich Rie nur noch auf das Zeichnen. Sie schrieb sich für den Diplomstudiengang Digitale Animation ein und besuchte parallel zahlreiche Lehrveranstaltungen zu grafischen Themen. Während dieser Zeit entwickelte sie ihren Anime-Stil weiter. Gemeinsam mit anderen Absolventen des Studiengangs, die im Gegensatz zu ihr aus der Manga-Richtung kamen, gründete sie das Studio Seven Blue Art Land, von dem die vierteljährlich erscheinende Anime-Zeitschrift Splash veröffentlicht wurde.

In diesem Rahmen musste sie sich nun auch um Aufgaben jenseits des künstlerischen Schaffens kümmern: Es galt technische Fragen zu klären, Konzepte zu erstellen, zu recherchieren, potenzielle Auftraggeber zu suchen und mit ihnen zu verhandeln, Kundenaufträge zu koordinieren und Fristen einzuhalten. Anfänglich fühlte sie sich sowohl gestalterisch als auch in Managementfragen ihren Mitstreitern unterlegen. Außerdem war sie die einzige in der Gruppe, die kein Wort Japanisch sprach. Doch sie setzte alles daran, zu lernen, was sie noch nicht beherrschte, und gewann mehr Selbstvertrauen.

Im Jahr 2005 nahm Rie mit ihrer Arbeit Moon, Jumba and I zum ersten Mal an einem Comic-Wettbewerb teil. Sie wurde Fünfte und „war die einzige Frau, die überhaupt ausgezeichnet wurde”, erinnert sie sich stolz. Der prämierte Comic besteht aus 32 Seiten und kommt ganz ohne Dialog aus.

Kontinuierlich arbeitete sie weiter an der Hauptfigur The Midnight Bunny. „Obwohl ich wie die meisten Jugendlichen viele Manga-Comics gelesen habe, fühlte ich mich von diesem Stil nicht inspiriert. Arbeiten von Neil Gaiman, Tim Burton, Quentin Blake, Linda Bergvist, Martha Dahlig oder Stephanie Pui-Mun Law sprachen mich mehr an und ich kannte sie auch besser“, sagt Rie. „Diese Einflüsse kombiniert mit meinen geringen Kenntnissen der japanischen und speziell der Manga-Kultur waren der Anstoß für mich, mit dem Manga-Stil zu experimentieren.“ Und weiter erzählt sie: „Ich wollte wissen, ob die Leser meine Experimente als Manga-Stil wiedererkennen. Deshalb habe ich The Midnight Bunny mit Knopfaugen statt der spitz zulaufenden Manga-Augen ausgestattet. Knopfaugen machen den Hasen ausdrucksarm, obwohl die Bildfelder ansonsten dem Manga-Vorbild folgen. So wurde ich süchtig nach dem Experimentieren. Mittlerweile muss ich allerdings nichts mehr beweisen. Vielmehr will ich mich ständig weiterentwickeln, um nicht gefangen zu sein im Wohlfühlbereich.“

Und was möchte sie eigentlich erreichen? „Zufriedenheit“, antwortet sie. „Ich bin dann zufrieden, wenn ich weiß, dass ich eine Herausforderung bewältigen kann, auch wenn ich dafür an meine Grenzen gehe oder sogar darüber hinaus. Die Frage, ob ich damit die Leser zufrieden stelle, stellt sich mir nicht. Ich will mich immer weiter entwickeln. Im Moment ist der richtige Weg für mich, verschiedene Stile zu erkunden.“

Rie gehört zu den wenigen Künstlern, die der Präsentation ihrer Arbeiten bereits während des Entstehungsprozesses besondere Aufmerksamkeit schenken. Ein Kunstwerk müsse als „Gesamtpaket“ dargeboten werden, meint sie. Ihr Konzept der Einheit von Kunst, Medien und Präsentation erweist sich als Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Comic-Künstlern. Denn die Ergebnisse ihres Schaffens sind Kunstwerke und nicht Massenprodukte – auch weil Rie die meisten ihrer Arbeiten nur in begrenzter Auflage herstellt und vertreibt.

Besonders "indonesisch" müssen Mangas für Rie nicht sein: "Ich sehe keine Notwendigkeit, besonders viele Aspekte der indonesischen Kultur in meinen Arbeiten zu integrieren, nur um die Leser zu erfreuen." Die europäische Szenerie in trails.of.the.midnight.bunny habe sie gewählt, weil sie zur Geschichte passe. „Wenn ich in meinen Arbeiten einen lokalen Kontext visualisiere, dann nur, weil es die Geschichte verlangt“, sagt sie. Sulis, Wati dan Kopi spielt vor dem Hintergrund der javanischen Kultur der 80er und 90er Jahre, und dies erkenne man "an der Kleidung, den Möbeln oder an der Architektur der Häuser.“ Irritierend findet sie hingegen, wenn Kollegen kulturelle Elemente nur aus dem Grund einbauen, damit ihre Arbeiten indonesisch wirken.

Zur Zeit arbeitet Ariela Kristantina an ihrem Master-Abschluss in Sequential Art am Savannah College of Art and Design, Georgia, USA.

Surjorimba Suroto
Kuratorleiter, Comiconnexions
ist der Gründer von www.komikindonesia.com und richtet hin und wieder das Progressive Rock Radio aus. Er arbeitet als freier Autor vor allem zu den Themen Musik und Comic.

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September 2011