VBI DJENGGOTTEN

VBI DJENGGOTTEN

VBI DJENGGOTTEN

  • studierte Architektur.

VEBY SURYA WIBAWA, alias VBI DJENGGOTTEN

Für jeden Strich und jede Farbe übernimmt man die Verantwortung

Die meisten Künstler verlieben sich bereits während ihrer Kindheit in das Medium Comic. Bei Veby war es anders: Erst seine spätere Ehefrau brachte ihn auf die Idee, sich ernsthaft mit der Comic-Kunst zu beschäftigen. Im Unterschied zu den meisten anderen Künstlern, die sich in aller Regel der Manga-Schule verpflichtet fühlen, entwickelte Veby von Anfang an einen eigenen Cartoon-Stil. Ein großer runder Kringel als Kopf und darauf viele kleinere Kringel als Haare – das ist Vebys Markenzeichen seit der Veröffentlichung seines ersten Buches Aku Ber-Facebook Maka Aku Ada (Ich bin in Facebook also bin ich). Um seine Technik zu vervollkommnen und den eigenen Stil zu treffen, übe er jeden Tag ein oder zwei Stunden, erklärt Veby.

Veby besitzt ein feines Gespür für gesellschaftliche Veränderungen. Er thematisiert lokale Sitten und Gebräuche ebenso wie Bildungsfragen, Problemen der Urbanisierung oder der Kommerzialisierung traditioneller Märkte. Das ist ungewöhnlich, weil Veby auf keine formale Ausbildung im Comic-Bereich zurückblicken kann, sondern Architektur studiert hat.

In Aku Ber-Facebook Maka Aku Ada aus dem Jahr 2009 wendet er das bekannte Zitat des französischen Philosophen Descartes Cogito ergo sum (Ich denke, also bin ich) auf die Facebook-Generation an. Auch in Indonesien hat das soziale Netzwerk die Kommunikation und die Sprechweise zwischen den Menschen verändert. Auf dem globalisierten Markt wird jeder zum Verkäufer, der sich selbst als Produkt bewirbt. „Dabei ist Facebook nur eines von vielen Instrumenten, mit denen wir auf bestimmte Lebensprozesse einwirken. Aber nicht auf das Leben selbst“, kommentiert Veby sein erstes Werk. Vebys Beobachtungen sind zwar nicht neu in der Comic-Welt. Aber mit seinem Werk hat er bewiesen, dass er sie in einer besonderen und ausgereiften Form darstellen kann. Man erkennt sofort Vebys Handschrift.

Ist sein Erstlingswerk noch das Ergebnis von Beobachtungen im unmittelbaren Umfeld, so wird er in Married with Brondong (2010) autobiografisch. Gemeinsam mit seiner Frau Mira Rahman hat er dafür die Geschichte ihres Kennenlernens aufgeschrieben und dann als Comic umgesetzt.

Bemerkenswert an der Geschichte ist, dass Veby sie aus der Perspektive eines Mannes erzählt, der jünger ist als seine Ehefrau. Tatsächlich ist Brondong ein umgangssprachlicher Ausdruck für dieses Altersgefälle, mit dessen Akzeptanz sich die traditionelle indonesische Gesellschaft immer noch schwertut.

Dabei gehe es doch gar nicht um den Altersunterschied, meint Veby: „Es geht vielmehr darum, warum man eine Ehe eingeht. Außerdem ist die Altersfrage im Islam bereits vor rund 14 Jahrhunderten geklärt worden. Immerhin hat der Prophet Mohammed eine viel ältere Frau, nämlich Khadijah, geheiratet.“

Überhaupt ist Religion für Veby ein wichtiges Thema: Seine Leser will er dafür sensibilisieren, dass die Lehre des Islam universell ist. Die Comic-Kunst empfindet er als geeignetes Medium für die Vermittlung seiner Anschauung. „Auch nicht-muslimische Leser mögen meine Comics und empfinden die Inhalte up-to-date. Meine Kunst wird nicht ausschließlich in Verbindung mit dem Islam wahrgenommen“, erzählt er.

In seinem dritten Buch 33 Pesan Nabi (33 Botschaften des Propheten) beschäftigt sich Veby freilich explizit mit dem Islam. Dem Werk liegen tausende Verse von Überlieferungen, sogenannte Hadis, aus dem Leben der Islamgelehrten Muslim und Bukhari zugrunde. 33 dieser Geschichten hat er ein neues Gewand gegeben, indem er sie mit dem modernen Alltagsleben verknüpft und sie damit noch verständlicher macht. Die fiktiven Geschichten basieren auf Erfahrungen, die jeder Mensch erleben und nachvollziehen kann. Sie sind schlüssig und berührend erzählt, die Dialoge sind witzig. Nicht zuletzt tragen Qualität und künstlerische Ausdruckskraft der Zeichnungen dazu bei, dass man dieses Buch als Vebys bedeutendstes Werk bezeichnen muss.

33 Pesan Nabi zeigt auch, wie stilsicher Veby die Kunst und Technik des Comics beherrscht. Sein Werk ist angereichert mit Zeichnungen von indonesischen landscapes und settings: Kleidung, Alltagsleben, Sandalen, Transportmittel, Wohnungseinrichtung, Architektur, Möbel, Batik und Handwerk, sogar traditionelle Berufe, wie den Sate-Verkäufer, den Becak-Fahrer und den Straßenhändler kann man entdecken.

Mit der Darstellung islamischer Lehren hat Veby aktuell einen besonderen erzählerischen Weg eingeschlagen. Er möchte seine Sicht "kontextbezogen und mit Leichtigkeit vermitteln", und fügt hinzu: "Ich hoffe, meine Comics können 'einige Fragen erhellen', statt sie noch komplizierter zu machen. Und ich hoffe, sie können unsere Emotionen anfachen, statt unseren Hass schüren ...“

Surjorimba Suroto
Kuratorleiter, Comiconnexions ist der Gründer von www.komikindonesia.com und richtet hin und wieder das Progressive Rock Radio aus. Er arbeitet als freier Autor vor allem zu den Themen Musik und Comic.

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September 2011

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