Gideon Obarzanek

Nachdem Gideon Obarzanek den Abschluss seines wissenschaftlichen Studiums aufschiebt, studiert er an der Australian Ballet School. Er tanzt
beim Queensland Ballet und der Sydney Dance Company ehe er als freier Tänzer und Choreograf mit verschiedenen Ensembles und unabhängigen Projekten in Australien und im Ausland arbeitet.
1995 gründet Gideon Chunky Move und ist bis heute dessen künstlerischer Leiter. Obwohl das Ensemble hauptsächlich seine Stücke aufführt, vergibt es auch Aufträge an andere australische Choreografen und lädt internationale Tanzkünstler zu Workshops nach Melbourne ein. Obarzaneks Arbeiten für Chunky Move unterscheiden sich stark in Form und Thematik. Sie umfassen Bühnenproduktionen, Installationen, ortsspezifische Projekte und Filme. Seine Stücke wurden auf Festivals und in Theatern weltweit gezeigt, etwa in Europa, Asien, den USA und in Südamerika.
Künstler-Statement
„Wenn ich zurückblicke auf die Arbeit, die ich in den letzten fünf oder sechs Jahren geleistet habe, erkenne ich zwei Hauptinteressen.
Erstens meine Beschäftigung mit Technologie, um visuelle Arbeiten zu schaffen, die untersuchen, wie wir unseren eigenen Körper und den Raum um uns herum wahrnehmen. Ich nutze Technologie, um Eindrücke von Schichten zu geben, die wir nicht sehen, aber fühlen können oder von denen wir wissen, dass sie existieren. Meine Arbeit mit Frieder Weiss zum Beispiel entwickelt einen Sinn für die Dinge, die aus dem Körper hervorgehen und ihn umgeben oder mit ihm verbunden sind. Die Arbeiten sind nicht erzählerisch. In der Kombination aus Bewegung und Komposition wird die Technologie zu einem integralen Bestandteil des ästhetischen und kinästhetischen Stimulus, den die Zuschauer erleben.
Der zweite Strang meiner Arbeit ist komplett anders. Produktionen wie Tense Dave und Two Faced Bastard behandeln menschliches Verhalten und wie Menschen miteinander auskommen oder auch nicht. In beiden Stücken geht es darum, wie Menschen oft nur mit mäßigem Erfolg versuchen, in Kontakt zu treten. Das Motiv der Einsamkeit ist beiden Werkgruppen in meiner Arbeit gemeinsam. Ich liebe formelle Inszenierungen, die den Körper im Raum als kinetische und räumliche Form der Komposition betrachten. Allerdings tendiere ich dazu, mich selbst zu untergraben, wenn ich versuche, rein formelle Stücke zu machen. Für mich werden Körper im Raum sehr schnell als Menschen in einer Situation oder in irgendeiner Art Beziehung offensichtlich. Menschen auf der Bühne können nicht absolut abstrakt sein. Mein Dilemma mit dieser inhärenten Flüchtigkeit des menschlichen Körpers sowohl als Form als auch als Person ist gleichzeitig eine Schwäche und Stärke. Einerseits kann ich nicht die Abstraktion erreichen, die ich auf der Bühne sehen möchte, andererseits schaffe ich Arbeiten, mit denen sich das Publikum identifiziert, weil es erkennbare Menschen mit Charakteren und Gefühlen gibt.“
Gideon Obarzanek
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Kurzportrait
Keine Lust, sich festzulegen: Ein Choreograf mit diverser Ästhetik
Gideon Obarzanek ist künstlerischer Leiter von Chunky Move, einem der produktivsten zeitgenössischen Tanzensembles Australiens. Ansässig in Melbourne, ist Obarzanek ein Hauptakteur in der lebendigen Tanzszene der Stadt, wo in dem eindrucksvollen Studio seiner Company Klassen stattfinden und Aufführungen von Chunky Move sowie nahe stehenden Künstlern gezeigt werden. Seine diverse Ästhetik und sein Widerwillen, sich auf eine einzige Form oder Thematik festzulegen, eröffneten ihm ein breites Spektrum an Kooperationen und Arbeitsmöglichkeiten in Australien und verhinderten gleichzeitig lange, dass die Company auf dem internationalen Gastspielmarkt Fuß fassen konnte. Obarzanek hat Filme gemacht, die in Nachtclubs spielen und eine Drehbühne einsetzen, wobei er Text und „reinen Tanz“ verwendete. Aber erst mit seinem erfolgreichen Tanz- und Technologiesolo Glow begann er auch international Anerkennung zu finden. 2008 brachte Obarzanek Mortal Engine heraus, ein Gruppenstück mit einer ähnlich virtuosen Anwendung von Technologie. Seitdem ist das Ensemble fast ununterbrochen auf Tournee.
Obarzanek ist ein Choreograf, dem Zusammenarbeit leicht fällt. Seine Tänzer werden stets als bei der Erarbeitung von Stücken Beteiligte genannt. Mit Auszeichnungen bedachte Kooperationen mit Klangkünstlern, Designern, Filmemachern und Theaterintendanten demonstrieren Obarzaneks Fähigkeit, ständig neue Einflüsse aufzunehmen. Er spielt eine führende Rolle in der australischen Tanzszene, betreut als Mentor junge Künstler, tritt bei öffentlichen Foren als Redner auf und unterstützt freie Choreografen durch Programme wie The Next Move, das Stücke von Künstlern produziert, die Chunky Move nahestehen, und Choreolab, einer Forschungsinitiative, die bekannte internationale Choreografen wie Xavier Le Roy dazu einlädt, in Melbourne zu arbeiten. /Sophie Travers
Gideon Obarzanek
Interview: Gaby Lingke (August 2009)
Regionaler Tanzgipfel: Die Umwandlung der Tradition
Dauer: 5:15 Minuten
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Produktionen (Auswahl)
Two Faced Bastard (2008), mit der Choreografin Lucy Guerin
Mortal Engine (2008)
Glow (2006), mit dem Programmierer Frieder Weiss
I Want to Dance Better at Parties (2004)
Tense Dave (2003), mit den Choreografen Lucy Guerin, Michael Kantor


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