Im Gedenken an die Opfer – 50. Jahrestag des Berliner Mauerbaus

Am 13. August 1961 begann die damalige DDR-Führung mit dem Bau der Berliner Mauer. Die wiedervereinigte deutsche Hauptstadt begeht den 50. Jahrestag mit zahlreichen Veranstaltungen, die vor allem den Opfern des Grenzregimes gewidmet sind.Es ist eines der traurigsten Kapitel in der jüngeren deutschen Geschichte: In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 gab der damalige Vorsitzende der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Walter Ulbricht, den Befehl, die Sektorengrenze in Berlin abzuriegeln. DDR-Streitkräfte und Grenzpolizisten rissen Straßen auf und blockierten den Ostteil der Stadt mit Barrikaden aus Pflastersteinen, Asphaltbrocken und Stacheldraht. Die Berliner Bevölkerung trafen diese Maßnahmen vollkommen unvorbereitet, viele erfuhren an jenem strahlend schönen Sonntag erst durch die aktuellen Nachrichten davon.
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“
Dabei hatte Ulbricht noch am 15. Juni 1961 bei einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin auf die Frage von Journalisten bekräftigt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Dennoch ersetzten Bautrupps ab dem 18. August die zunächst provisorischen Absperrungen durch eine Mauer aus Hohlblocksteinen. Und dabei blieb es nicht: Bis zum friedlichen Fall der Mauer 28 Jahre später am 9. November 1989 wurde das Überwachungssystem immer weiter ausgebaut.
Am Berliner Wahrzeichen, dem Brandenburger Tor, das mitten in dem ausgefeilten Abriegelungssystem stand, das die DDR-Führung unter dem Schutz der Sowjetunion rund um West-Berlin auf einer Strecke von über 160 Kilometern baute, konnte man von Podesten auf der West-Berliner Seite aus in den streng bewachten und schier unüberwindlichen Grenzbereich hinter der Mauer hineinschauen: Der „Todesstreifen“ war eine verminte Wüste, mit Selbstschussanlagen gesichert und zudem von bewaffneten Soldaten in Wachtürmen kontrolliert. In der Nacht war dieser Bereich mit Flutlicht taghell beleuchtet. Mit dem vom DDR-Regime als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichneten Mammut-Bauwerk sollte die eigene Bevölkerung eingeschüchtert und von der Flucht in den Westen abgehalten werden. Denn seit der Gründung der DDR im Jahr 1949 hatten bis 1961 weit über zwei Millionen Menschen ihre ostdeutsche Heimat, häufig über West-Berlin, verlassen: Die wirtschaftliche Situation verschlechterte sich immer weiter, der Flüchtlingsstrom Richtung Westen nahm täglich zu. Zudem bauten die Staaten des Ostblocks ihre Machtposition gegenüber den westlichen Alliierten – den USA, Frankreich und Großbritannien – im geteilten Berlin aus.
Symbol für den „Kalten Krieg“
Das aufwendige Bauwerk zerteilte nicht nur die Stadt, es trennte unter dramatischen Umständen Familien und Freunde voneinander, unterbrach jäh Straßenzüge, Nahverkehrsverbindungen oder auch Wasserläufe. Es zementierte im wahrsten Sinne des Wortes die Teilung Deutschlands und Europas und wurde weltweit zum Symbol für den „Kalten Krieg“ zwischen dem „Ostblock“ unter der Führung der Sowjetunion und den Staaten des Westens unter Führung der USA. Zugleich steht die Mauer für eine Art vorauseilender Bankrotterklärung des totalitären Regimes im Osten, das seine Existenz nur durch das Einsperren der eigenen Bevölkerung sichern konnte – ein Umstand, der in den 1980er-Jahren zum Kollaps dieses Systems und etwas später zur Auflösung der DDR und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte.
Heute erinnert eine in die Straßen eingelassene Doppelreihe aus Kopfsteinpflaster an den „Eisernen Vorhang“. Außerdem kann der „Mauerweg“, der den ehemaligen Verlauf des Bauwerks symbolisiert, zu Fuß oder mit dem Fahrrad erschlossen werden. Mauer-Reste können beispielsweise an der Niederkirchnerstraße in Berlin-Mitte auf dem Gelände des Dokumentationszentrums „Topografie des Terrors“ oder an der „East Side Gallery“ an der Mühlenstraße in Friedrichshain besichtigt werden. In der Bernauer Straße, an der Grenze der Berliner Bezirke Wedding und Mitte, wo die Mauer verlief und sich zahlreiche Fluchttragödien abspielten, befindet sich die Gedenkstätte Berliner Mauer. Sie präsentiert diesen Teil deutsch-deutscher Geschichte mit einem Teilstück der Grenzanlagen inklusive Wachturm und entschärftem „Todesstreifen“, einem Dokumentationszentrum sowie der „Kapelle der Versöhnung“. Zum 50. Jahrestag des Mauerbaus wird eine Erweiterung der Ausstellung eingeweiht, die sich mit den Folgen des Mauerbaus für die Menschen in diesem Teil der Stadt beschäftigt. An diesem historischen Ort finden auch die zentralen Gedenkfeierlichkeiten statt – sie sind den Opfern der Berliner Mauer gewidmet.
Gedenken an die Opfer
„Republikflucht“ wurde denkbar streng geahndet: Bei „ungesetzlichem Grenzübertritt“ galt für die DDR-Grenzeinheiten der Schießbefehl. Wie viele Menschen genau an der Berliner Mauer starben, ist nicht bekannt, wissenschaftlichen Schätzungen zufolge waren es mindestens 136, manchen Berechnungen zufolge mehr als 200. Bereits während der ersten Tage wurde etlichen Flüchtlingen der Versuch, die Barrieren zu überqueren, zum Verhängnis: Günter Litwin war am 24. August das erste Fluchtopfer, das von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde. Das letzte Opfer des Schießbefehls war am 5. Februar 1989 der 20-jährige Chris Gueffroy.
Trotz der massiven Gefahr versuchten zahlreiche DDR-Bürgerinnen und -Bürger, die schwer bewachten Grenzanlagen zu überwinden oder zu unterwandern, sei es zu Fuß, durch selbst gegrabene Tunnel, in Heißluftballons, im Kofferraum von Autos oder auch mit der brachialen Gewalt eines Panzers – damit gelang 1963 dem ehemaligen NVA-Soldaten Wolfgang Engels, der zwei Jahre zuvor noch selbst am Bau der Mauer beteiligt war, die Flucht.
Die Geschichten dieser Menschen stehen im Mittelpunkt der zahlreichen Gedenkveranstaltungen rund um den 50. Jahrestag am 13. August 2011. Neben Ausstellungen, Lesungen und Andachten gibt es eine Fülle von Filmprogrammen, Theater- und Tanzperformances, Gesprächsrunden mit Zeitzeugen sowie Stadtführungen unter anderem auch zum kulturellen Leben im geteilten Berlin zu jener Zeit der Eskalation des „Kalten Krieges“.
ist Kulturjournalistin in Berlin; jüngere deutsche Geschichte ist eines ihrer Schwerpunktthemen.
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August 2011
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