Lesetipps 2004

01/04  Julia Schoch: Im Körper des Salamanders

© Piper

Julia Schochs Buch Der Körper des Salamanders besteht aus neun Erzählungen, die alle eines gemeinsam haben: Den "Osten" als thematischen Überbegriff und Handlungsort der Geschichten. Schochs Heldinnen und Protagonisten, deren Geschichten Gratwanderungen zwischen Alltag und Träumen, Vergangenheit und Gegenwart darstellen, sind in Rumänien, Bulgarien und der ehemaligen DDR beheimatet, oder dort zumindest übergangsweise zu Besuch. Die politisch und wirtschaftlich zerfallenen ehemaligen "Oststaaten" dienen als Hauptkulisse für die Traumwelten der Heldinnen und Helden.

Cinema Aurora, die letzte Geschichte des Bandes, schildert den stetigen Zerfall des Lichtspielhauses Aurora nach der Wende. Während der kulturelle Anspruch immer mehr durch wirtschaftliche Ergiebigkeit ersetzt wird, versucht der Filmvorführer Kaatsch zu retten was noch zu retten ist. Mit gleichbleibender Konsequenz sabotiert er die Modernisierung, in dem er vor den Vorführungen die Filmrollen vertauscht, nicht wahrnehmend, dass das Ausbleiben der Besucher den finanziellen Ruin des Lichtspielhauses bedeutet. Aber Kaatsch handelt im Sinn der Erhaltung des Altgewohnten und der Kunst, d.h. alter "Marlene Dietrich"- und russischer Kunstfilme.

In Der Körper des Salamanders der Titelgeschichte des Bandes weigert sich die Heldin weiterhin am verhassten Rudertraining ihrer Sportgemeinschaft teilzunehmen. Sie hofft nicht nur, dass das Training wegen des kalten Februarwetters ausfällt, sondern sie nimmt die Angelegenheit selbst in die Hand: Als Steuerfrau lenkt sie ihr Boot beinahe über die Flussgrenze nach Westberlin, worauf es wenig später mit einem Ausflugsdampfer kollidiert.

Die Heldinnen und Helden in Schochs Erzählband geben sich ihren Träumen und Fantastereien hin und wirken oftmals entfremdet von ihrer Geschichte und Gegenwart. Sie sind Randexistenzen einer Gesellschaft deren Wandel vieles zu versprechen schien, die Versprechen aber nicht einhalten konnte. Den Geschichten geben die geschaffenen Eigenwelten einen fantastischen, oftmals geheimnisvollen Charakter, in denen vor allem eins deutlich wird, nämlich das "Auf-Sich-Gestellt-Sein" des Einzelnen in der "realexistierenden" Außenwelt.

Die Autorin Julia Schoch wurde 1974 in der DDR geboren, Der Körper des Salamanders ist ihr Debütband. Als Studentin lebte sie mitunter in Rumänien, wo auch zwei der Geschichten stattfinden.

AK

Bibliografische Angaben
Deutsch Übersetzung auf Englisch

Gebundene Ausgabe:
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Taschenbuch:
Schoch, Julia: Im Körper des Salamanders. Erzählungen.Piper, München, 2002
ISBN 3-492-23733-9
EUR 7,90
Taschenbuch:
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Audio-CD:
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