Lesetipps 2006

04/06  Mirko Bonné: Der eiskalte Himmel

© Schöffling & Co
Man schreibt das Jahr 1914. Der 17-jährige Waliser Merce Blackboro befindet sich als blinder Passagier an Bord der „Endurance“ und fiebert seiner Entdeckung entgegen. Dies ist seine zweite grosse Schiffsreise, und sie wird ihn für 635 Tage in eine andere Welt entführen, die er aus Büchern zu kennen glaubt. Scotts Tagebücher hat er mit seinem Bruder zusammen gelesen, aber seine Bewunderung gilt Sir Ernest Shackleton, der als erster zu Fuß den antarktischen Kontinent überqueren will.

Merces Freund William Bakewell befindet sich an Bord der „Endurance“ und er hat ihn als blinden Passagier dort versteckt. Die Entdeckung des Jungen ist das erste unvorhergesehene Ereignis auf dieser Reise, auf der nichts so verlaufen wird, wie geplant. Wer sich nicht mit der Sprache der Seefahrt auskennt, wird etwas Zeit brauchen, um sich in dieses Buch einzulesen, das die berühmte Expedition in die Antarktis aus der Sicht des Schiffsjungen beschreibt, der zum Vertrauten Shackletons wird.

Obwohl Merce natürlich nicht erwartet, mit offenen Armen aufgenommen zu werden, ist er doch sehr erstaunt über die heftige Reaktion Shackletons und die offene Abneigung, die ihm einige der Männer entgegenbringen, vor allem Green, der Koch, und John Vincent, der Bootsmann. Er wird lange brauchen, bis er herausfindet, warum das so ist. Langsam lernt Merce, dass in der Welt des Eises nichts unwichtig oder belanglos ist. Der eiskalte Himmel ist gleichermaßen eine eiskalte Hölle, die das Durchhaltevermögen der 28 Mann Besatzung auf eine harte Probe stellt, nachdem das Scheitern der Expedition feststeht. 5000 Grammophonnadeln befinden sich an Bord der „Endurance“, aber keine einzige Tube Entwurmungsmittel für die Schlittenhunde, von denen viele von einer rätselhaften Krankheit dahingerafft werden.

Einfühlsam und bis ins kleinste Detail beschreibt Bonné, was Shackleton seinen Männern und nicht zuletzt sich selbst abverlangt, und welche Bewunderung ihm Merce entgegenbringt. Nachdem die „Endurance“ im Packeis stecken bleibt und schließlich zerbirst, lebt die Besatzung noch eine Weile wie auf dem Schiff, nur ohne es. Erst, als die letzten Schlittenhunde erschossen werden müssen, beginnt sich alles zu ändern und die Männer beginnen zu zweifeln.

Merce, der genau beobachtet und ein guter Zuhörer ist, erfährt nicht nur eine Menge über die anderen. Er wird erwachsen auf dieser Reise und braucht seinen Glückbringer – einen kleinen geschnitzten Fisch, den ihm seine Freundin Ennid mitgegeben hat, gar nicht. Dem Autor gelingt das Kunststück, dass man sich in die Männer der „Endurance“ hineinversetzen kann, ihre Sorgen und Querelaien versteht, ihren Mut und ihre Abenteuerlust nur bewundern kann.
Ein Buch von besonderem Interesse für Leser in Irland.

IS

Bibliografische Angaben
Deutsch Übersetzung auf Englisch

Gebundene Ausgabe:
Bonné, Mirko Der eiskalte Himmel. Schöffling, Frankfurt am Main, 2006
ISBN 3-89561-401-7
EUR 24,90

Gebundene Ausgabe:
Noch nicht verfügbar.

Taschenbuch:
Noch nicht verfügbar.
Taschenbuch:
Noch nicht verfügbar.
Audio-CD:
Bonné, Mirko Der eiskalte Himmel. Jumbo, Hamburg, 2006
ISBN 3-8337-1585-5
EUR 24,95
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