Feste und Bräuche

Karneval: Eine Übersicht

Niedersachsens Ministerpräsident, Stephan Weil (SPD), bekommt am 12.02.2015 in seinem Büro in Hannover (Niedersachsen) von einem Funkenmariechen die Krawatte abgeschnitten. Am 12. Februar 2015 feiern die Karnevalisten die Weiberfastnacht. Foto: Ole S(c) dpaKarneval bezeichnet die vielen verschiedenen Festivitäten, die vor der österlichen Fastenzeit stattfinden. Im Karneval wird dem grauen Alltag Farbe verliehen: Kinder wie Erwachsene verkleiden sich, gehen zu Karnevalsumzügen oder Kostümfesten und denken so wenig wie möglich an Schule, Arbeit und andere unangenehme Dinge.

Niedersachsens Ministerpräsident, Stephan Weil (SPD), bekommt am 12.02.2015 in seinem Büro in Hannover (Niedersachsen) von einem Funkenmariechen die Krawatte abgeschnitten. Am 12. Februar 2015 feiern die Karnevalisten die Weiberfastnacht. Foto: Ole S(c) dpaKarneval wird in ganz Deutschland gefeiert, aber die größten Veranstaltungen finden in den vorherrschend katholischen Gebieten wie dem Rheinland und Süddeutschland statt. Wie bei so vielen deutschen Traditionen heben sich die Gebräuche in den einzelnen Regionen deutlich voneinander ab. In manchen Gebieten, wie zum Beispiel Köln, gehört Karneval zur Geschichte der Stadt und ist das vielleicht wichtigste Fest des Jahres. In Städten wie München gehört Karneval ebenfalls zur lokalen Tradition, wird aber eher privat als öffentlich gefeiert. In Städten protestantischer Prägung wie Berlin wird Karneval zwar inzwischen auch gefeiert, hat aber keine echte Tradition.

In den verschiedenen Regionen gibt es unterschiedliche Bezeichnungen für den Karneval. In Köln sagt man Fastelovend, in Mainz Fassenacht. In Schwaben benutzt man Fasnet oder Fasent, und in Bayern spricht man von Fasching. Auch bei dem offiziellen Beginn der Karnevalszeit gibt es Unterschiede. Im Rheinland beginnt Karneval am 11.11. um 11.11 Uhr. Der schwäbisch-alemannischen Tradition zufolge fängt Karneval am 6. Januar an. Da die Karnevalszeit sich über mehrere Monate erstreckt, nennt man sie oft auch die "fünfte" Jahreszeit.

Karneval in Köln (c) picture alliance

Die wichtigsten Tage in der Karnevalszeit sind Weiberfastnacht und Rosenmontag. Die Daten, an denen sie gefeiert werden, sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich, da ihre Festlegung von Ostern abhängig ist, einem beweglichen Fest. Weiberfastnacht feiert man am Donnerstag und Rosenmontag am Montag vorm Faschingsdienstag (Shrove Tuesday). Weiberfastnacht ist der Tag, an dem die meisten Deutschen in irgendeiner Form Karneval feiern: sei es auf der Arbeit, in der Schule, in Vereinen und Verbänden oder zuhause mit Freunden. Das Wichtigste an allen Aktivitäten im Karneval ist, dass der normale Alltag auf den Kopf gestellt wird: Jeder kann sich verkleiden wie er möchte, darf die üblichen Konventionen und Regeln außer acht lassen und sich nach Herzenslust amüsieren.

Schüler gehen verkleidet in die Schule, und wer nicht mitmacht, gilt als Spielverderber. In kleineren Orten treffen sich die Schüler manchmal nach der Schule und singen in Geschäften und bei Nachbarn Karnevalslieder. Zur Belohnung erhalten sie Geld oder Süßigkeiten. Wenn sie in einer Bäckerei singen, bekommen sie häufig Karnevalsgebäck fürs Singen (oder um damit aufzuhören).

Fresh donuts on colorful plate (c) picture alliance/chromorange


Rosenmontag ist der Tag, an dem die großen Karnevalsumzüge veranstaltet werden. Die größten und bekanntesten Umzüge finden in Köln, Düsseldorf und Mainz statt. Die Umzüge bestehen aus großen bunten dekorierten Karnevalswagen, riesigen Puppen (meist Karikaturen bekannter Politiker), Gruppen von Clowns, Bands, Kapellen, tanzenden Funkemariechen und kostümierten Corps. Wenn die Prozession an den (ebenfalls verkleideten) Zuschauern vorbeifährt, werfen die Leute auf den Wagen Bonbons und Schokolade in die Menge. Die dekorierten Karnevalswagen tragen oft ein bestimmtes Motto. Da Karneval traditionsgemäß eine unkonventionelle Zeit ist, werden besonders Politiker und ihre Politik häufig Zielscheibe satirischer Kritik.

Am Aschermittwoch ist der Karneval offiziell zu Ende.

Karneval in Köln (c) picture allianceIn der Regel werden zwei Erklärungen für die Herkunft des Worts Karneval gegeben. Nach der einen ist es aus den lateinischen Wörtern "carne" (Fleisch) und "levare" (wegstellen, wegtun) entstanden und spielt damit auf die dem Karneval folgende Fastenzeit an. Der anderen Erklärung nach ist das Wort Karneval aus den Wörtern "carrus navalis" (Schiffswagen) hervorgegangen. Demnach würde es sich auf die Frühlingsfeste beziehen, die zu Zeiten der Römer im Rheinland abgehalten wurden, um das Stapellassen neuer Schiffe zu feiern. Das "Narrenschiff" wurde 1494 nach der Veröffentlichung des gleichnamigen Romans von Sebastian Brant zur bekannten Metapher für menschliche Schwäche und Laster. Noch heute sind Karnevalswagen oft wie ein Schiff dekoriert.

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