Feste und Bräuche

Weihnachten

Assorted chocolate Santas (c) picture alliance/foodcollectionAssorted chocolate Santas (c) picture alliance/foodcollectionDer Advent ist der Beginn des Kirchenjahres und die Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten. Er beginnt am ersten Sonntag nach dem 26. November, wenn die Häuser mit Tannenzweigen und Weihnachtsdekorationen geschmückt und die ersten Weihnachtsplätzchen gebacken werden.

Im Advent sieht man überall in Deutschland die traditionellen Adventskränze, die entweder an der Decke aufgehängt sind oder auf den Tischen liegen. Ein Adventskranz ist aus Tannenzweigen gemacht und mit vier Kerzen, oft auch mit Nüssen, Äpfeln, kleinen Holzfiguren oder Kugeln geschmückt. Die vier Kerzen stehen für die Sonntage vor Weihnachten. Am ersten Sonntag wird nur eine Kerze angezündet, am zweiten Sonntag zwei Kerzen, am dritten drei Kerzen und am letzten Sonntag schließlich alle Kerzen. Während die Kerzen brennen, wird nach altem Brauch manchmal folgendes Lied gesungen:

Advent, Advent

Ein Lichtlein brennt.

Erst eins, dann zwei

dann drei, dann vier.

Dann steht das Christkind

Vor der Tür.

Ein weiterer, vor allem bei Kindern sehr beliebter Adventsbrauch ist der Adventskalendar. Er wurde in München erfunden und ist inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet. Der Adventskalender hilft den Kindern, die 24 Tage bis Weihnachten zu zählen. Diese Tage werden ihnen dadurch "versüßt", dass sie an jedem Tag eine kleine Schachtel auf dem Kalender öffnen dürfen, die Schokolade, Süßigkeiten oder eine andere Überraschung enthält. Man kann diese Kalender fertig kaufen oder auch selber basteln. Manche Adventskalender sind aus bunt beklebten oder bemalten Streichholzschachteln, andere aus vergoldeten Nußschalen gemacht. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Zur Adventszeit sind vor allem die Weihnachtsmärkte in Deutschland sehr populär. Der älteste und wohl bekannteste Weihnachtsmarkt ist der Christkindlmarkt in Nürnberg, der bereits seit 1639 existiert. Heutzutage gibt es jedoch in fast jeder größeren Stadt einen Weihnachtsmarkt, eine Ansammlung von geschmückten Holzbuden und erleuchteten Weihnachtsbäumen, manchmal auch Karussellen für die Kinder. Dort werden eine Vielfalt verschiedener Geschenke und Weihnachtsdekorationen, aber auch Essen und Getränke angeboten. Dazu gehört der in Deutschland sehr beliebte Glühwein, ein heißer, gezuckerter Rotwein. Außerdem werden Bratwürste, Maronen, gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen und viele andere weihnachtliche Spezialitäten verkauft. Häufig wird auf diesen Märkten Weihnachtsmusik gespielt, was zur festlichen Atmosphäre und Vorfreude auf Weihnachten beiträgt.

Karussell auf dem Weihnachtsmarkt vor Fachwerkhaeusern in der Altstadt von Soest, merry-go-round on the Christmas market in the old city of Soest (c) picture alliance / blickwinkel

Der Tag im Advent, auf den die Kinder sich am meisten freuen, ist der Nikolaustag am 6. Dezember. Am Abend vorher stellen sie ihre Schuhe vor ihre Schlafzimmertür, damit Nikolaus sie mit Schokolade, Süßigkeiten, Nüssen, Plätzen und kleinen Überraschungen füllt. Allerdings erfüllt er diesen Wunsch nur, wenn die Kinder während des Jahres brav waren. Manchmal kommt St. Nikolaus sie auch persönlich besuchen. Ähnlich wie Father Christmas oder Santa Claus trägt er einen weißen Bart, einen roten Mantel, schwarze Stiefel, aber auch eine Mitra und einen Bischofsstab. In seinem Goldenen Buch hat er die guten und die schlechten Taten der Kinder aufgeschrieben. Häufig wird er von seinem Knecht Ruprecht begleitet, der die Kinder mit seiner Rute ermahnt, sich im kommenden Jahr zu bessern. Nikolaus wird die Kinder auch bitten, ein Gedicht aufzusagen oder ein Lied zu singen. Zur Belohnung holt er dann ein kleines Geschenk oder ein paar Süßigkeiten aus seinem Sack. Oft trifft man St. Nikolaus auch im Einkaufszentrum oder im Kaufhaus, wo er Geschenke an Kinder verteilt.

Anfang Dezember verfassen die Kinder einen Brief an das Christkind. Darin schreiben sie ihm, was sie sich zu Weihnachten alles wünschen. Deshalb nennt man diesen Brief den Wunschzettel.

Woman preparing biscuits with pastry cutter (c) picture alliance/Bildagentur-onlineZur Vorbereitung auf Weihnachten gehört auch das Backen. Eine bekannte deutsche Spezialität ist der Christstollen, ein Laib aus süßem Hefeteig, der mit Nüssen, Zimt, getrockneten Früchten, manchmal auch Marzipan gefüllt und mit Zuckerguss bedeckt ist. Auch sehr beliebt ist das sogenannte Hexenhaus oder Lebkuchenhaus. Dieses Haus ist dem Grimm'schen Märchen Hänsel und Gretel nachempfunden. Es besteht aus Honigkuchen und ist mit allerlei bunten Süßigkeiten und Zuckerguß bedeckt. Typische Zutaten für traditionelles Weihnachtsgebäck sind Nüsse, Honig, Zimt, Ingwer und Marzipan. Häufig werden die Kekse in Form von Mond, Sternen, Engeln oder Weihnachtsmännern gebacken, um an den festlichen Anlaß zu erinnern.

Heiligabend, der 24. Dezember, ist in Deutschland das wichtigste Ereignis in der Weihnachtszeit. Er wird vor allem im engen Familienkreis gefeiert, auch wenn man bisweilen Verwandte oder Freunde einlädt. An diesem Tag schließen die Geschäfte um 13.00 Uhr, damit genug Zeit für die Vorbereitung dieses besonderen Abends bleibt. Eine der wichtigsten Aufgaben ist das Schmücken des Tannenbaums.

Der Weihnachtsbaum ist erst seit dem letzen Jahrhundert weltweit verbreitet und von vielen Legenden umgeben. Alten Quellen zufolge stammt er aus Straßburg, wo er schon seit dem 17. Jahrhundert Tradition war. Der Weihnachtsbaum ist in der Regel eine mit roten Äpfeln, Nüssen, Strohsternen, Glaskugeln, kleinen Figuren und echten Kerzen geschmückte Tanne. Er wird in den meisten Familien hinter verschlossenen Türen vom Vater oder der Mutter geschmückt, um den Kindern eine Überraschung zu bereiten.

Unter dem Weihnachtsbaum liegen die Geschenke. Auch die in Deutschland sehr verbreitete Weihnachtskrippe ist hier aufgebaut. Die kleinen aus Holz, Ton oder Gips gemachten Figuren stellen die Geburt Christi im Stall zu Bethlehem dar: Maria und Joseph mit einer Wiege, in der das Neugeborene liegt, umgeben von Tieren, Hirten und den drei Heiligen Königen. Weihnachtskrippen werden auf dem Weihnachtsmarkt verkauft, oft aber auch in Schulen oder Familien selbst gemacht.

Bevor am Heiligabend die Geschenke ausgetauscht werden, gehen die meisten Familien in die Kirche. In der Regel findet der Gottesdienst um 18.00 Uhr statt. Es ist jedoch auch Tradition in Deutschland, in die Mitternachtsmesse zu gehen und dort den Abend in aller Ruhe zu beschließen. Auch die Kirchen sind mit Krippe, Weihnachtsbäumen und Lichtern geschmückt. Heiligabend werden Teile der Weihnachtsgeschichte verlesen und Weihnachts-Choräle gesungen.

Das wohl bekannteste Weihnachtslied in Deutschland ist "Stille Nacht, Heilige Nacht". Es wurde 1818 in einem kleinen Dorf nahe der österreichischen Grenze verfasst, ein paar Stunden vor Heiligabend. Durch Zufall erfuhren Tiroler Sänger von dem Lied, und da es ihnen gefiel, sangen sie es auf ihrer Tour durch Deutschland. Andere Tiroler Sängergruppen machten das Lied schließlich in den USA bekannt, wo es sich großer Beliebtheit erfreute. Inzwischen ist "Stille Nacht, Heilige Nacht" auf der ganzen Welt bekannt und in 44 Sprachen übersetzt worden.

Santa Claus gives presents to a young girl standing next to a christmas tree in Sieversdorf in the Oder-Spree district, Germany, 24 December 2014. PHOTO: PATRICK PLEUL/dpa (c) dpa

Wenn der Weihnachtsbaum geschmückt ist, die Kerzen brennen und alles vorbereitet ist, wird eine kleine Glocke geläutet. So wissen die Kinder, dass sie nun ins Wohnzimmer kommen dürfen und es Zeit für die Bescherung, den Austausch der Geschenke, ist. Vor der Bescherung wird jedoch oft die Weihnachtsgeschichte vorgelesen, und die Familie singt gemeinsam Weihnachtslieder. Nachdem die Geschenke ausgepackt worden sind, beginnt das Weihnachtsessen. Da der Heiligabend in katholischen Gebieten Teil der Fastenperiode war und die Mütter ohnehin meist keine Zeit haben, ein aufwendiges Gericht zu kochen, isst man traditionellerweise am 24. Dezember ein einfaches Gericht wie zum Beispiel eine Suppe, Kartoffel- oder Nudelsalat mit Bratwurst oder einen süßen Reisbrei mit Zimt. Das eigentliche Festessen wird am 25. Dezember eingenommen.

Der 25. und 26. Dezember sind in der Regel ruhige Tage, an denen man sich zuhause ausruht oder Verwandte besucht. Wie in den meisten christlichen Ländern sind beide Tage Feiertage in Deutschland, und die Geschäfte bleiben geschlossen. Nach dem Einkaufsstress der Vorweihnachtstage ist so Gelegenheit, die friedliche, stille Atmosphäre dieser beiden Tage zu genießen. Meistens wird viel Wert auf das Essen am ersten Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember, gelegt, an dem es in vielen Familien noch traditionelle Weihnachtsgerichte wie Karpfen, Weihnachtsgans oder Ente mit Rotkohl und Klößen zu essen gibt. Häufig werden zu diesem Essen Verwandte eingeladen.

Kölner Lichter 2014 (c) picture alliance

Nach Weihnachten

Anders als am Heiligabend gibt es Silvester keinen allgemein gültigen Ablauf. Die einen feiern mit Gesellschaftsspielen im Familienkreis, andere gehen ins Theater oder zum Tanzen. Um Mitternacht wird mit Lärm das neue Jahr begrüßt: mit Knallkörpern und kleinem Privatfeuerwerk, das sich in den Städten zu einem bunten Zischen, Knallen und Leuchten vereinigt. Die Kirchenglocken läuten, die Bewohner einer Straße kommen aus ihren Häusern und stoßen mit Sekt, Punsch oder Bowle auf das neue Jahr an. Man wünscht einander "ein glückliches neues Jahr" oder "Prosit Neujahr!" Alte Bräuche, die Zukunft vorauszusagen, wie das Bleigießen, sind aufs neue populär geworden.

Das Dreikönigs- oder Erscheinungsfest (Epiphanias) ist den Heiligen Drei Königen gewidmet, den "Weisen aus dem Morgenland", die - laut der Bibel - einem Stern nach Bethlehem folgten, um das Jesuskind anzubeten. Dreikönig spielt als Feiertag in Deutschland eine verhältnismäßig geringe Rolle im öffentlichen Bewußtsein, es ist auch in den meisten Bundesländern kein gesetzlicher Feiertag und damit nicht arbeitsfrei. Aber der 6. Januar schließt die Weihnachtszeit ab. Kurz danach enden die Schulferien. Die Weihnachtsbäume werden geplündert und weggeworfen, der - oft über Jahrzehnte gesammelte - Schmuck in Schachteln verstaut und weggeräumt. Vor allem von der katholischen Kirche wird die Tradition des Dreikönigssingens wiederbelebt: drei als die Heiligen Drei Könige verkleidete Jugendliche ziehen singend und für einen wohltätigen Zweck sammelnd von Haus zu Haus. Mit Kreide schreiben sie C+M+B an die Haustüren, was heute allgemein als die Initialen der Könige interpretiert wird. Dabei steht CMB für den lateinischen Segen "Christus mansionem benedicat" (zu Deutsch: "Christus segne dieses Haus").

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Religiöses Brauchtum

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