Bildungswesen

Erasmus: Das Mobilitätsprogramm der EU zieht immer weitere Kreise

Erasmus-Logo ; © EU-KommissionErasmus-Logo; © EU-KommissionEs gibt Erasmus-Parties, Erasmus-Cafés, eine Erasmus-Gedenkmünze und natürlich auch eine Erasmus-Gruppe bei Facebook. Erasmus von Rotterdam, der vor 500 Jahren die satirische Rede über das „Lob der Torheit" veröffentlichte, hätte sich wohl kaum träumen lassen, dass nahezu alle Studenten seinen Namen kennen.

Kaum ein anderes von der Europäischen Union aufgelegtes Programm kann ein derart starkes Echo aufweisen wie das Erasmus-Programm. Seit seiner Einführung im Jahr 1987 haben sich bereits mehr als 2,2 Millionen Studierende und 250.000 Hochschullehrer beteiligt. Das Jahresbudget liegt bei über 450 Millionen Euro, mehr als 4.000 Hochschuleinrichtungen nehmen teil – aus allen 27 EU-Mitgliedstaaten plus Island, Norwegen, der Türkei und Liechtenstein. Mit der Aufnahme Kroatiens und der Ehemaligen Jugoslawischen Republik Mazedonien in das Programm im Jahr 2009 stieg die Zahl der teilnehmenden Länder auf 33.

Nach den neuesten Zahlen, die Mitte 2010 veröffentlicht wurden, bekamen fast 200.000 Studierende Fördermittel aus einem Erasmus-Programm für einen Studienabschnitt oder einen berufspraktischen Aufenthalt im Ausland. Das sind mehr als jemals zuvor in einem Studienjahr. Nach Angaben der EU-Kommission erhöhte sich 2008/2009 der durchschnittliche monatliche Förderbetrag für Erasmus-Studierende von 255 auf 272 Euro. Er wird „zielunabhängig“ gezahlt, das heißt: Wer in Sofia studiert, bekommt genauso viel wie jemand, der an der Universität in Stockholm seinen Auslandsaufenthalt verbringt. Erasmus-Studierende sind von Studiengebühren befreit, können auf Unterstützung bei der fachlichen und sprachlichen Vorbereitung auf den Auslandsaufenthalt zurückgreifen, die gastgebende Uni hilft bei der Wohnungssuche, hält kulturelle Angebote bereit und unterstützt die „Fremden“ beim Eingewöhnen in die neue Umgebung.


Werbevideo für das Erasmus-Programm

Große Nachfrage nach Praktika

Die größte Zuwachsrate ist neuerdings bei der Zahl der Studierenden zu verzeichnen, die ein Praktikum in einem Unternehmen antraten. Seit Anfang 2009 gibt es auch das Pilotprogramm „Erasmus für Jungunternehmer“, ein Austauschprogramm, das Jungunternehmer dabei unterstützt, in Kooperation mit erfahrenen Unternehmern Kenntnisse zu erwerben, um ein kleines oder mittelgroßes Unternehmen zu gründen und zu führen.

Die meisten Erasmus-Studierenden schickten Frankreich (28.300), Deutschland (27.900) und Spanien (27.400). Die beliebtesten Zielländer waren Spanien (33.200), Frankreich (24.600) und Deutschland (22.000). Die EU-Kommission schätzt, dass gegenwärtig rund vier Prozent aller Studierenden in Europa im Verlaufe ihres Studiums ein Erasmus-Stipendium in Anspruch nehmen. Das ist noch nicht einmal jeder zwanzigste, trotz aller Erfolge immer noch eine verschwindend geringe Zahl.

Erasmus Mundus

Mit Erasmus Mundus erhalten Studierende aus der ganzen Welt die Möglichkeit, in der EU zu studieren. Umgekehrt können Studierende aus der EU mit einem solchen Stipendium an einer von über 60 Partner-Hochschulen in 28 Staaten außerhalb der EU studieren. Erasmus Mundus soll die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedsstaaten untereinander sowie mit Drittstaaten fördern. Das Programm bietet sowohl finanzielle Unterstützung für Hochschuleinrichtungen als auch Stipendien für Einzelpersonen. Mehr als 6.000 Nachwuchswissenschaftler haben zwischen 2004 und 2008 davon Gebrauch gemacht. Im gleichen Zeitraum haben mehr als 1.000 Lehrkräfte aus Drittländern mit einem Erasmus-Mundus-Stipendium aktiv zu neu eingerichteten Masterlehrgängen oder Forschungsaktivitäten beigetragen.


Studieren in Europa

Eines der charakteristischen Merkmale von Erasmus Mundus ist, dass die Stipendiaten ihren Studiengang an mindestens zwei europäischen Hochschulen absolvieren. Damit erhalten sie noch mehr Gelegenheit, unterschiedliche europäische Kulturen kennenzulernen. Die zweite Phase lief 2009 an und dauert bis 2013. Insgesamt sind mehr als 950 Millionen Euro für Förderung vorhanden. Wichtigste Neuerungen sind die Aufnahme gemeinsamer Promotionsstudiengänge, mehr Stipendien für europäische Studierende und eine intensivere Zusammenarbeit mit Hochschulen in Drittländern.

Volker Thomas
ist freier Journalist in Berlin und leitet in Berlin eine Agentur für Text und Gestaltung (www.thomas-ppr.de).

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
März 2011

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