Autoindustrie

Volkswagen

Die Volkswagen-Werke entstanden, damit Hitler eines seiner Wahlversprechen einlösen konnte. So hatte er versprochen, einen Wagen bauen zu lassen, der für Jeden erschwinglich sein würde. Das Auto sollte im Gegensatz zu den Luxuslimousinen ein Wagen für das Volk sein. 1937 wurde die Naziorganisation Deutsche Arbeitsfront damit beauftragt, eine riesige Produktionsstätte mit einer dazugehörigen Stadt zu bauen, in der die Tausenden von Werkarbeitern leben sollten. Die Nazis tauften die Produktionsstadt Kraft-durch-Freude Stadt bzw. KdF-Stadt. Damit so viele Menschen wie möglich, den Volkswagen kaufen konnten, wurde ein besonderes Sparsystem eingeführt. Aber die Produktion wurde, kaum dass sie angelaufen war, durch erneute Kriegsvorbereitungen unterbrochen und die Produktion auf militärische Fahrzeuge umgestellt.

click for larger picture Ein Nebeneffekt der guten Beziehungen des Volkswagenwerks zu hohen Nazifunktionären wie Heinrich Himmler war, dass dort besonders viele Zwangsarbeiter, Häftlinge und Konzentrationslagerinsassen beschäftigt wurden. 1944 arbeiteten 12 000 Angestellte im Volkswagenwerk, aber nur ca. ein Drittel davon waren Deutsche. Die übrigen waren in der Regel Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten. In den letzten Jahren hat Volkswagen versucht, das damals begangene Unrecht aufzuarbeiten und Wiedergutmachung zu leisten.

Nach dem Krieg wurde das Werk von den Alliierten beschlagnahmt und lief unter britischer Führung. Es war stark durch Bomben beschädigt und Werkzeuge und Maschinen im Zuge der Kriegsreparationen entfernt worden. Die Alliierten gaben der KdF-Stadt den Namen Wolfsburg, und die Produktion wurde trotz aller Schwierigkeiten relativ schnell wieder aufgenommen. Die britische Militärregierung spielte mit der Idee, das Werk an eine nichtdeutsche Leitung abzugeben und lud Henry Ford II ein, um sich die Firma anzusehen. Ford war der Meinung, dass sich eine Investition nicht lohnen würde und so gab die britische Militärregierung 1949 das Werk an die deutsche Regierung zurück. Wenig später begann die Produktion und der weltweite Verkaufserfolg des VW Käfers. 1955 waren schon eine Million Käfer verkauft worden. Zehn Jahre später wurde das zehnmillionste Modell fertiggestellt. Als die Produktion des (alten) Käfers eingestellt wurde, waren weltweit 22 Millionen Einheiten verkauft worden. Die hohe Nachfrage in den 50er und 60er Jahren führte dazu, dass in dieser Zeit eine Reihe von Niederlassungen und Verkaufsstellen eingerichtet wurden. 1960 wurde VW teilprivatisiert, so dass nur noch 20% dem Staat gehörten. 1990 kaufte VW die Trabant Fabrik in Sachsen.

click for larger picture Ähnlich wie Mercedes-Benz wurde VW mit der Zeit zu einem großen Konzern, der aber im Gegensatz zur Benz AG kaum in andere Branchen einstieg und sich weiterhin auf die Autoherstellung konzentrierte. Inzwischen bietet VW aber auch finanzielle Dienstleistungen an. Obwohl die meisten VW Fahrzeuge noch immer in Deutschland hergestellt werden, wurde ein großer Teil der Produktion ins Ausland verlagert. Die Volkswagen AG hat Produktionsstätten in Belgien, Polen, Portugal, Spanien, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, China, Brasilien, Argentinien, Südafrika und Mexiko. Nur etwa die Hälfte aller 324 000 VW Mitarbeiter arbeitet in Deutschland.

Volkswagen ist der größte Automobilhersteller in Europa und der viertgrößte in der Welt. Die Gruppe besitzt eine Palette von verschiedenen Marken: Audi, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Rolls Royce, Seat, Skoda und VW Personen- und Nutzfahrzeuge. Im Durchschnitt werden 15 000 Autos an einem Arbeitstag produziert. VW ist in 150 Ländern vertreten und stellte im Jahr 2000 fünf Millionen Fahrzeuge her. Für VW, wie auch die anderen deutschen Hersteller, war dieses Jahr ein besonders gutes Verkaufsjahr, da die Nachfrage in den USA anstieg und der Konzern einen Umsatz von 4,03 Millionen DEM erzielte. Geschäftsführer ist Ferdinand Piech, der Enkel des Käfer-Designers Ferdinand Porsche.

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